Konzert mehr als ein Vorspiel

Klaviergenuss in der Wagenfelder Auburg

+
Diese 17 Mädchen und Jungen der Musikschule Häberle begeisterten mit ihrem Vorspiel nicht nur ihre Eltern in der Auburg in Wagenfeld, sondern auch zahlreiche interessierte Besucher. 

Wagenfeld - „Liebe Frau Kleemeyer, der Flügel blieb heil“, so Caroline Häberle am Ende des Konzertes ihrer 17 vortragenden Klavierschüler von brillantem Anfänger bis exponiertem fortgeschrittenen Virtuosen. Das sollte vielleicht Spaß sein, hatte aber einen doch ernsten Hintergrund. Denn das Spiel der Schüler von Häberle ist dafür bekannt, dass sie das Instrument fordern durch Können. „Klavierschüler musizieren“ klingt wie im Programm beschrieben da eher tiefgestapelt, denn die Musikalität der Schüler ist enorm und es stehen Eltern voller Stolz und Antrieb dahinter.

Was hinter dem Erfolg der Klavierlehrerin aus Diepholz steckt, kann nur die Kunst der russischen Meisterpianisten bedeuten, es verrät etwas über das hohe Niveau der Klaviermethodik in Russland, die in lebendiger und zielgerichteter Weise ihre Schüler fördert und in der internationalen Klavierpädagogik große Anerkennung findet.

Die russische Klaviermethodik geht dabei ganz bewusst von der Schulung der Klangvorstellung der Schüler aus. Sie stellt die Hörkontrolle neben den technischen Aspekt und schafft damit die Möglichkeit, die wichtigsten Elemente des Klavierspiels in kurzer Zeit zu erlernen. Immer wieder lockt es zu den Vorspielkonzerten aber auch externe Besucher in die Auburg, denn Häberle ist mit ihren Schülern Garant für überproportional gutes Klavierspiel. Und so ist es mentalitätsbedingt nicht verwunderlich, wenn viele Russischstämmige oder Deutsch-russischstämmige ihre Kinder in die musikalische Obhut von Häberle geben.

Zufriedene, mitfiebernde Eltern

Am Samstag waren alle 17 der gemeldeten Schüler zum Musizieren angetreten, vom Vorschulalter bis zum Abiturjahrgang. Alle Schüler spielten ohne Noten ihre geprobten Stücke, das Repertoire, das die Schüler mit ihrer Lehrerin ausgesucht hatten, dehnte sich von Pjotr Iljitsch Tschaikowski bis Bela Bartok, über Sergei Rachmaninow, Frédéric Chopin, Joseph Haydn, Johann Sebastian Bach bis Franz Liszt. Neben dem Blick zu den Solisten auf der Bühne am Instrument empfahl sich ein Blick in die Gesichter der zufriedenen, mitfiebernden Eltern. Wären da nicht diese technischen Geräte, die ständig auf die jungen Künstler gerichtet waren, Details bildlich mitschnitten. Das erzeugt Druck und mindert den Erlebnisgenuss. Verständlich aus Sicht der Eltern, unangemessen, nur, weil es technisch möglich ist.

Sogar den als schwierig geltenden russischen Komponisten Rachmaninow spielen Natalie Taag und Luisa Bittel, beide sehr fortgeschritten. Ob die Lernmethode von Häberle auf Fingerübungen, Tonleitern, Etüden und üben, üben, üben basiert oder auf neueren Forschungen, wie von dem Tübinger Wei Tsin Fu, ein in Indonesien geborener Chinese, entwickelten Methode, müsste gesondert geklärt werden. Der Musikpädagoge hat eine Lerntechnik entwickelt, die sich auf die Erkenntnisse der Hirnforschung stützt. Diese berücksichtigt, dass diejenigen leichter Klavierspielen lernen, die beide Gehirnhälften gleichermaßen einsetzen. Wer mit Noten arbeitet, aktiviert hauptsächlich die linke Gehirnhälfte, die für das analytische Denken zuständig ist. Musikalität und bildliches Gedächtnis liegen aber auf der anderen Seite.

Das Konzert, das viel mehr war als ein Schülervorspiel, begeisterte, egal nach welcher Methode die Stücke verinnerlicht wurden. Bei den Schülern machte es den Anschein, dass das Klavier einen hohen Stellenwert in ihrem weiteren Leben behalten wird. 

sbb

Mehr zum Thema:

40 Jahre „Break Out“ - Party in Asendorf

40 Jahre „Break Out“ - Party in Asendorf

„Tabaluga“-Tour „Es lebe die Freundschaft“ in Bremen

„Tabaluga“-Tour „Es lebe die Freundschaft“ in Bremen

Neue Kinderkrippe in Barnstorf eingeweiht

Neue Kinderkrippe in Barnstorf eingeweiht

Auto stürzt in Hamburg in die Elbe: 20-Jähriger tot

Auto stürzt in Hamburg in die Elbe: 20-Jähriger tot

Meistgelesene Artikel

Kinder-„Dingsda“ zur Eröffnung

Kinder-„Dingsda“ zur Eröffnung

Emotionaler Abschied für Warnke

Emotionaler Abschied für Warnke

Norbert Warnke: Tausendsassa bei der Feuerwehr

Norbert Warnke: Tausendsassa bei der Feuerwehr

Polizei Syke schnappt Postdieb

Polizei Syke schnappt Postdieb

Kommentare