Zweites Twistringer Unternehmerfrühstück

„Das hat viel Charme“

Einmal rund ums Gewerbegebiet Twistringen könnte sich in absehbarer Zukunft das Nahwärmenetz legen, das gestern Thema beim Unternehmerfrühstück im Rathaus war. - Foto: Stadt Twistringen

Twistringen - Von Michael Walter. Die Idee klingt erstmal gut: Twistringer Unternehmen machen sich unabhängig von den Marktpreisen für Strom und Wärme, sparen damit Geld und tun auch noch was Gutes für die Stadt. Darum ging es Donnerstag beim zweiten Twistringer Unternehmerfrühstück im Rathaus.

Das Interesse war allerdings eher verhalten: Erste Stadträtin Birgit Klingbeil hatte 40 Unternehmen eingeladen, dazu die Ratsmitglieder und die Begründer der Bürgerenergiegenossenschaft. Nur ein gutes Dutzend war gekommen. „Ich hätte mir mehr gewünscht“, so Klingbeil. „Aber wenn das Thema bei den Unternehmen nicht drängt, müssen wir das akzeptieren.“

Die, die gekommen waren, lauschten allerdings mit großen Ohren dem Vortrag von Stephan Heidtmann und Hendrick Fedkte vom Ingenieurnetzwerk Energien (INeG), einem genossenschaftlich organisierten Ingenieurbüro aus Bad Iburg. Bereits vor einem Jahr hatte das INeG-Team die Idee eines Energienetzwerks für Twistringen in ihren Grundzügen skizziert. Jetzt konnten Heidtmann und Fedtke konkreter sagen, wie dieses Netz eines Tages aussehen könnte.

Vor allem das Gewerbegebiet am Bahnhof haben sie dabei im Blick. Dort – so ihre These – wäre es möglich, ein Nahwärme-Netz mit einer Gesamtlänge von etwa 2,6 Kilometern Leitungen zu installieren. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Nahwärmenetz das Blockheizkraftwerk (BHKW) bei der Raiffeisen-Genossenschaft. Derzeit wird es mit Palmöl betrieben. Der Strom, den es erzeugt, wird ins Netz eingespeist, die entstehende Wärme nutzt die Raiffeisen-Genossenschaft selbst.

Die INeG schlägt vor, dieses BHKW auszubauen und auf Bio-Methangas umzurüsten. Das wäre erstens effizienter, zweitens könnte die dann entstehende überschüssige Wärme das Nahwärmenetz speisen. Bereits das würde genügen, um so viel Wärme zu erzeugen, dass sie einen Großteil des Bedarfs im Gewerbegebiet deckt.

Das Gas für das BHKW könnte von einer Biogas-Anlage in der Nähe kommen. Zwar gibt es noch weitere im Stadtgebiet, die liegen laut INeG aber zu weit weg.

Investitionskosten von 1,5 Millionen Euro

Und was soll das kosten? – Die Prognose der INeG-Fachleute kommt auf Gesamtinvestitionskosten von 1,5 Millionen Euro. Und von dieser Summe würden mögliche Zuschüsse aus diversen Fördertöpfen noch runtergehen.

Als Investor könnte die noch immer in der Gründungsphase befindliche Bürgerenergiegenossenschaft in Erscheinung treten. Der Charme eines genossenschaftlichen Modells liegt zum einen in den vergleichsweise niedrigen Kosten, zum anderen – so betonte Stephan Heidtmann mehrmals – bleibt die Wertschöpfung in der Stadt.

Und was hätten die beteiligten Unternehmen davon? Sie würden ihre Wärmeenergie nicht mehr selbst aus Strom, Öl oder Gas erzeugen müssen, sondern bekämen sie quasi fertig geliefert. Sie hätten also keine Kosten mehr für Anschaffung, Wartung und Modernisierung eigener Heizungsanlagen. Und für die meisten – so die Aussage der INeG-Experten – wären auch die Energiepreise niedriger. Insgesamt könnten die Unternehmen 10 bis 15 Prozent ihrer Energiekosten einsparen.

„Es würde für die Unternehmen zumindest nicht teuer werden als es jetzt ist“, zog Bürgermeister Martin Schlake anschließend sein Fazit. „Man hätte mit der Genossenschaft ein Steuerungsmodell, man tut was für den Ort, also machen wir uns auf den Weg. Das hat viel Charme und das wirkt auch nach außen.

Unerlässlich sei es jedoch, auch die Betriebe ins Boot zu holen, die gestern nicht dabei waren, so Schlake. Dort will der Bürgermeister jetzt selbst noch einmal mit dem INeG-Team vorsprechen.

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