250 Twistringer Sternsinger ziehen am Wochenende von Haus zu Haus

„Könige von Arabien und Saba kommen mit Gaben“

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König Balthasar

Twistringen - Von Theo Wilke. „Magier aus dem Morgenland“ wollten das Kind anbeten, steht im Matthäus-Evangelium. Kirchenvater Tertullian (160-230 n. Chr.) nennt sie erstmalig Könige: „Von Tarsis und von den Inseln bringen sie Geschenke, Könige von Arabien und Saba kommen mit Gaben.“ – Die Weihnachtskrippe der Twistringer St.-Anna-Kirche hat Figuren aus der Zeit vor 1900. An diesem Wochenende ziehen fast 250 Sternsinger von Haus zu Haus, traditionell verkleidet als die Heiligen Caspar, Melchior und Balthasar.

Vor sieben Jahren hat die katholische Kirchengemeinde St. Anna die 33 Seiten umfassende bebilderte Schrift „Frohe Botschaft für alle...“ von Prof. Dr. Lohmeier aus Osnabrück veröffentlicht. Anlass war die vom Fernsehen live übertragene Christmette in der St.-Anna-Kirche. Die Weihnachtskrippe hat schon viele Krippenfreunde und Gläubige angezogen – so auch diesmal in der Weihnachtszeit und um den Dreikönigstag herum.

Im Nordstern, dem einstigen Twistringer Sonntagsblatt, vom 21. Oktober 1900, so der Twistringer Wolfgang Bößl, habe es einen Vermerk über den Schöpfer der Weihnachtskrippe, Bildhauer Wilhelm Bolte, gegeben. Sie sei von dem gleichen Bildhauer, der auch „das Bild der schmerzhaften Mutter bei dem Hofbesitzer Gerhard Bavendiek geschaffen habe“.

Damit schien die Frage um den Künstler und die Zeit der Anschaffung beantwortet, so Bößl, der uns auch die Bilder der Drei Heiligen Könige zur Verfügung gestellt hat.

Anfängliche Nachforschungen über den Bildhauer Bolte (1859-1941) aus Münster hätten sich zunächst jedoch als erfolglos erwiesen, bis auf Grund eines Hinweises von Brigitte Spieker von der Dokumentationsstelle für Dortmunder Kirchengeschichte eine weitgehend vollständige Biografie von Wilhelm Bolte erstellt worden sei.

Krippenfiguren

vor 1900 entstanden

Der Künstler absolvierte 1881 eine Lehre im Atelier bei Prof. Heinrich Pohlmann in Berlin und eröffnete 1886 sein eigenes Atelier in Münster. Bereits 1883, noch während seiner Ausbildung, gestaltete er für den Eingangstorbogen der Liebfrauenkirche in Dortmund eine Marienkrönung, um 1900 einen großen Kreuzweg für St. Aposteln. Er fertigte 1903 für die Stadt Herten eine St.-Antonius-Figur an. 1910 gestaltete Bolte für die Kreuzwegkapelle an der Lambertikirche in Münster die letzten Figuren des Chorportals.

Bolte zählte zu den be-kannten westfälischen Bildhauern. „Aber es kann nicht passen, dass Wilhelm Bolte die Krippenfiguren der Kirchengemeinde St. Anna bereits zur Eröffnung der neuen Kirche geschaffen haben soll“, schreibt Prof. Lohmeier im Heft „Frohe Botschaft für alle...“ Bolte wäre 1870, als die Kirche eingeweiht wurde, erst elf Jahre alt gewesen.

Und damit schließt Lohmeier aus, dass die Krippe bereits um 1870 entstan-den ist. Und weiter: „Nach unseren Nachforschungen muss die Krippe also in der Zeit zwischen 1886, als Bolte sein Atelier in Münster eröffnete, und 1900, als er das Monument zum Westfälischen Frieden schuf, entstanden sein.“

lm Nordstern war nämlich zu lesen, die Krippe sei damals schon fertig gewesen. Der Professor ist sich ganz sicher, dass Wilhelm Bolte die Krippe vor 1900 geschaffen hat. Aber wann genau, sei nicht zu ermitteln. „Wir nehmen als Anschaffungsdatum das Jahr 1890 an“, so Lohmeier. Unabhängig davon zähle die Krippe der St.-Anna-Kirchengemeinde Twistringen zu den besonders wertvollen und ausdrucksstarken Kirchenkrippen in der Diözese Osnabrück.

Zur Twistringer Krippe gehören 23 Figuren, davon 15 von Bolte aus Eichenholz geschnitzte und acht neuzeitliche Figuren. Die Könige stehen für Europa, Asien und Afrika, bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe.

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