Dekanatschor singt Werke von Krieger

Stücke fordern die Stimmen

Der Dekanatschor Twistringen unter Leitung von Johannes Schäfer (hinten rechts). Foto: Georg Berensen

Twistringen - Von Frank Jaursch. Manchmal lohnt es sich, in den Tiefen der Archive nach musikalischen Juwelen zu suchen. Regionalkantor Johannes Schäfer hat auf diese Art einen besonderen Schatz zu Tage gefördert. „Das ist Musik, die ihresgleichen sucht“, beschreibt er die Kompositionskunst von Johann Philipp Krieger (1649 – 1725). „Mir ist Hören und Sehen vergangen.“ Am Sonntag, 20. November, kommen die Besucher der St.-Anna-Kirche in den gleichen Genuss: An diesem Tag führt der Twistringer Dekanatschor Werke des in Vergessenheit geratenen Komponisten auf.

Wenn Schäfer beschreibt, wie er dem Genie des Komponisten auf die Schliche kam, leuchten seine Augen. „Ich kannte ihn vorher nur unter ferner liefen“, erklärt er. Wer sich näher mit Krieger befasst, erführt: Zu Lebzeiten genoss er einen herausragenden Ruf, „mit einem Händel vergleichbar“, so Schäfer.

Krieger galt als sehr vielseitig – und er war ungeheuer fleißig: Rund 2 500 Kantaten komponierte er; der Großteil gilt heute als verschollen. Doch 21 ausgewählte Kirchenkompositionen von Krieger fanden den Weg in die „Denkmäler deutscher Tonkunst“, eine Serie, in denen zwischen 1892 und 1931 historische deutsche Musik vom Barock bis Klassik veröffentlicht wurden.

„Das ist lebendig hoch drei“

Als sich Schäfer die Krieger-Werke anhörte, war er total überrascht. „Das ist lebendig hoch drei – die Musik wirkt nicht, als sei sie schon über 300 Jahre alt.“ Heiter klang sie, beschwingt – alles andere als schwerfällig. Ein solches Aha-Erlebnis habe er „in dieser Form noch nie gehabt“, staunt Schäfer. Und war sich sicher: „Das ist Musik, die nicht in die Archive gehört.“ Sondern in die Kirchen und Konzertsäle.

Das Abenteuer nahm seinen Lauf. Zunächst machte sich Schäfer daran, die Noten zu sichten und eine Partitur zu erstellen. Dann folgte der fast noch schwierigere Teil: „Wie sag ich’s meinem Chor?“

Denn der erfahrene Chorleiter weiß: Wenn die Sänger nicht mitziehen, dann steht auch der begeisterte Leiter ziemlich ratlos da. Aufgeregt präsentierte Schäfer seinen Akteuren die Stücke. „Sie haben erst etwas gefremdelt“, schmunzelt er. „Und dann merkte man: Es greift.“

Auch der Dekanatschor war schnell Feuer und Flamme für die Kantaten. Bemerkenswert, findet auch Norbert Pelzer vom Förderkreis für Kirchenmusik: „Wenn so ein Chor so drauf anspringt, muss es was Besonderes sein.“

Barockorchester Hamburg spielt

Die Stücke fordern die Stimmen, ergeben aber am Ende ein bemerkenswertes Gesamtbild. Schäfer beschreibt ein Beispiel: „Eine Kantate besteht aus zwei Chören mit jeweils vier Stimmen, dazu kommt noch das Orchester. Das wird einen außergewöhnlichen Stereo-Effekt in der Kirche ergeben.“

Stichwort Orchester: Für die instrumentale Begleitung sorgt das Barockorchester Hamburg unter Leitung von Gesine Hildebrandt. Auch dort lösten die Partituren Begeisterung aus. Die vier Solisten Sandra Batkowski, Axel Eichhorn, Knut Paulus und Matthias Gerchen komplettieren die Riege der Künstler, die dem Kriegerschen Werk am 20. November zu neuem Leben verhelfen wollen.

Seit rund einem halben Jahr sind die Beteiligten dabei, sich auf den Abend in der Twistringer Kirche vorzubereiten. Ein gemeinsames Proben-Wochenende bei Nordhorn soll dem Auftritt den letzten Schliff verpassen.

Die Aufführung selbst beginnt um 19 Uhr, Karten gibt es im Vorverkauf zum Preis von 18 Euro (ermäßigt 10  Euro) bei Borchers Reisen, bei der Stadt Twistringen und in den Geschäftsstellen der Kreissparkasse in Twistringen und Syke. An der Abendkasse kostet der Eintritt zwei Euro mehr.

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