Prof. Winfried Hardinghaus lehnt aktive Sterbehilfe ab / 20 Jahre Hospizdienst

„Sterben an der Hand“

Winfried Hardinghaus lehnt aktive Sterbehilfe und gesetzliche Liberalisierungsversuche ab.
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Winfried Hardinghaus lehnt aktive Sterbehilfe und gesetzliche Liberalisierungsversuche ab.

Twistringen - Von Theo Wilke. Jede Form von aktiver Sterbehilfe und etwaige Liberalisierungsversuche lehnen sie ab. „Wir wollen ein Sterben an der Hand und nicht durch die Hand eines Helfers“, machen Twistringens Hospiz-Koordinatorin Silke Meier-Sudmann und Prof. Dr. med. Winfried Hardinghaus vom Klinikum St. Georg in Ostercappeln deutlich. Rund 40 zumeist ältere Menschen haben am Dienstagabend im Rathaus den Vortrag zur Sterbehilfe gehört.

Winfried Hardinghaus befürchtet für die Zukunft, dass Menschen nicht nur aus körperlichen, sondern auch aus sozialen Gründen (etwa bei Einsamkeit) aktive, passive oder indirekte Sterbehilfe („die relativ häufig vorkommt“), verlangen. Bei einer Liberalisierung in Deutschland prophezeit er einen Dammbruch. „Brauchen wir in Zukunft eine Altenklappe unter der Babyklappe?“, wirft er in den Raum. Der Professor ist sicher, dies wird irgendwann kommen.

Hardinghaus ist Vorstand der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung mit Sitz in Berlin sowie Chefarzt für Innere Medizin und Ärztlicher Direktor am Klinikum St.-Georg-Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln und Franziskushospital Georgsmarienhütte. Der Osnabrücker bezeichnet die Hospiz- und Palliativ-Bewegung in Niedersachsen als auf einem guten Weg, nennt beispielhaft rund 13500 Ehrenamtliche, 130 ambulante Hospizdienste und 60 Kliniken mit palliativ-medizinischer Infrastruktur.

Seinen Vortrag beginnt er mit Sokrates im Altertum, dem der Schierlingsbecher gereicht wurde, als er sterben wollte. Der Referent erinnert an den Eid des Hippokrates. Der Arzt habe geschworen, niemals, auch nicht auf ausdrücklichem Wunsch, ein Tod bringendes Gift zu geben. Und: Auf heute umstrittene Geschäftstendenzen und organisierte Sterbehilfe gibt es laut Hardinghaus nur eine Antwort: eine gute Hospiz- und Palliativarbeit.

„In einer Zeit, die das Sterben mehr und mehr aus dem Bewusstsein verdrängt, schafft der nahende Tod oft unvermittelt eine Situation, in der sich Sterbende wie auch Angehörige mit ihren Ängsten, Sorgen und Nöten allein gelassen fühlen“, so Hardinghaus. 1994 gründete er in Ostercappeln ein Palliativ- und Hospizmodell. Dort werden Schwerstkranke und Sterbende entsprechend behandelt und begleitet – mit dem Ziel, soviel Lebensqualität wie möglich zu erhalten oder zu gewinnen. Die Palliativmedizin sorge zudem für ein schmerzfreies und würdevolles Leben bis zum Tod.

Im Rathaus erklärt Hardinghaus Formen der Sterbehilfe, kritisiert die beabsichtigte weitere Liberalisierung in den Niederlanden, wo schon Kinder selbst über ihr Lebensende entscheiden sollen. „Das können sie gar nicht“, ist Hardinghaus überzeugt. Aktive Sterbehilfe müsse verboten bleiben.

Bis Ende November gibt es in Twistringen noch acht Veranstaltungen, überschrieben im Rahmen des 20-jährigen Bestehens mit „Den Tagen mehr Leben geben – Humor in der Sterbebegleitung... geht das?“

www.malteser-twistringen.de

www.dhpv.de

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