GEW-Studie belegt Belastung über dem Soll

Lehrer klagen: „Akku leer“

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Twistringen - Von Anke Seidel. „Akku leer“ – dieses Gefühl plagt ungezählte Lehrkräfte, weiß die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) aus Erfahrung. Um dafür den handfesten Beweis antreten zu können, hat sie mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen eine Arbeitszeitstudie realisiert, an der sich Lehrkräfte aus knapp 300 niedersächsischen Schulen beteiligt haben – darunter sechs aus dem Landkreis Diepholz. In der Twistringer Penne stellte Laura Pooth, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW, die Ergebnisse am Dienstag vor.

„Wir haben ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, erklärte Laura Pooth in einem Pressegespräch zu der Veranstaltung. Denn eines beweise die Studie glasklar: „Eine mögliche Erhöhung der Arbeitszeit ist ausgeschlossen.“ Schon jetzt arbeiten Lehrer zuviel, Teilzeitkräfte sogar viel zu viel – so lautet die Botschaft der Zahlen, in die auch die Erfahrungswerte aus dem Landkreis Diepholz eingeflossen sind. Denn an den Grundschulen Scholen und Stuhr-Moordeich, den Kooperativen Gesamtschulen Stuhr und Weyhe sowie am Gymnasium Twistringen und an der Realschule Syke schauten die Lehrer genau auf die Uhr.

Teilzeitkräfte machen besonders viele Überstunden

Das konkrete Ergebnis der Auswertung: Gymnasial-Lehrkräfte arbeiten exakt drei Stunden und fünf Minuten über ihrem Soll. Bei Grundschullehrern sind es eine Stunde und 20 Minuten, bei Gesamtschulkräften aber nur drei Minuten. Besonders viele dieser Überstunden lasten auf den Schultern von Teilzeitkräften. Denn während Vollzeitkräfte am Gymnasium 45 Minuten über dem Soll liegen, sind es bei den Teilzeitkräften mehr als vier Stunden. An den Grundschulen liegt die Belastung der Teilzeitkräfte zwei Stunden über dem Soll, an den Gesamtschulen zwei Stunden und 31 Minuten.

Die Wissenschaftler hätten, gemessen an den Parametern einer 40-Stunden-Woche von Beamten, unter dem Strich eine Wochenstundenzahl von exakt 46 Stunden und 38 Minuten errechnet – ohne Ferienarbeit. „Aber es gibt Ferienarbeit!“, so Laura Pooth. Genau die belaste insbesondere die Gymnasiallehrer sehr, weil sie deutlich mehr Klausuren korrigieren müssten als Grundschullehrer.

Eltern sorgen sich um Schulalltag ihrer Kinder

Fordern Entlastung für Lehrkräfte: GEW-Kreisvorsitzender Andreas Bittner und Laura Pooth, stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. - Foto: Seidel

Diese Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie, die Laura Pooth zurzeit in verschiedenen GEW-Kreisverbänden vorstellt, sind für die Gewerkschaftler politisches Handwerkszeug: „Wir sehen uns auf dem richtigen Weg“, so die stellvertretende Landesvorsitzende – und das umso mehr seit einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg. Das hatte die von der Landesregierung geplante Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung an Gymnasien für unwirksam erklärt. „Die Landesregierung muss vor den Beschlüssen die Arbeitszeit der Lehrkräfte ermitteln“, nannte Laura Pooth den neuralgischen Punkt. Deshalb wolle Kultusministerin Frauke Heiligenstadt jetzt eine Arbeitszeitkommission einrichten. Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende: „Wir haben dafür gekämpft, dass die Studie der GEW eine ganz entscheidende Rolle dabei spielen wird. Das hat uns die Ministerin zugesagt.“

Während die Gewerkschaft gegen die Überbelastung der Lehrkräfte kämpft, sorgen sich Eltern um den Schulalltag ihrer Kinder und haben Angst vor Unterrichtsausfall.

Lehrerberuf muss wieder attraktiver werden

„Die Unterrichtsversorgung ist ganz schlecht“, bestätigte Laura Pooth – und fügte umissverständlich hinzu: „Die Konsequenz daraus muss sein: Der Lehrerberuf muss wieder attraktiver werden!“ Das sei nur über drei Parameter zu erreichen: „Reduzierung der Arbeitszeit, gerechte Bezahlung und Erhöhung der Studienplatz-Zahl.“

Dass Entlastung dringend notwendig sei, habe die Studie ebenfalls bewiesen: „Wir haben festgestellt, dass ältere Kollegen mehr arbeiten als jüngere.“ Entlastet werden müssten auch Lehrkräfte, die besondere Anforderungen erfüllen – beispielsweise bei der Inklusion. Und: Entlastungsstrategien müssten ebenso für die Teilzeitkräfte erarbeitet werden.

Was also tun in Zeiten des Lehrermangels? „Wenn die Ministerin Quereinsteiger als Lehrkräfte nimmt, dann ist uns das lieber, als die Klassenfrequenzen zu erhöhen“, antwortete Laura Pooth.

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