Astrid Havekost bleibt nur ein halber Meter an der Hausecke

„Ich lasse mich nicht enteignen“

Astrid Havekost: Etwa so viel Platz bleibt zwischen Radweg und Hausecke.

Köbbinghausen/Beckeln - Von Theo Wilke. Der Radweg-Lückenschluss zwischen Beckeln und Twistringen kommt. Das freut natürlich auch Astrid Havekost aus Köbbinghausen. Aber die Planung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr direkt vor ihrer Haustür, in der Kurve der L 341, hat sie erschreckt und aufgebracht. Der gesamte Baumbestand würde beseitigt, an der Hausecke zum Garten bliebe ihr nur knapp ein halber Meter. Zum Fensterputzen und Reinigen der Dachrinne müsste sie auf den Radweg. „Ich lasse mich nicht enteignen“, sagt Havekost.

Dorfstraße als Alternative?

Gut 1000 Meter der geplanten Trasse liegen auf dem Gebiet des Landkreises Diepholz, auf Twistringer Stadtgebiet. Zur Anliegerversammlung am Mittwoch, 2. November, ab 18 Uhr im Gasthaus Beneking in Beckeln wird die Köbbinghauserin ihren Widerstand gemeinsam mit ihrer direkten und ebenfalls betroffenen Nachbarin Martina Wöbse sowie weiteren Anliegern deutlich machen. Schon deshalb, weil die Krankenschwester eine Alternative sieht: die Dorfstraße, mit entsprechender Ausschilderung. „Radfahrer und Ausflügler benutzen diese Straße schon lange.“ Vor Jahren sei in Beckeln der Radweg vor der Ortschaft aus Richtung Harpstedt, von der Landesstraße weg, durch das Dorf geführt worden. Warum nicht auch in Köbbinghausen? Für die Dorfstraße spreche auch, dass die Bushaltestelle sich dort befinde und die Straße zum Beispiel im Winter regelmäßigt geräumt und gestreut werde – von Fahrzeugen aus beiden Landkreisen, weil sie dort wenden.

„Viele im Dorf sind auch meiner Meinung. Sie können die Planung im engen Kurvenbereich nicht verstehen“, erklärt Havekost. Rückhalt ist ihr schon aus der Politik sicher. Am Donnerstagabend im Twistringer Bauausschuss hat Ratsfrau Sylvia Holste-Hagen der Köbbinghauserin die volle Unterstützung der Bündnisgrünen zugesagt.

Direkt in der Kurve der L 341 in Köbbinghausen steht das Wohnhaus Havekost, rechts dahinter liegt der Garten. - Fotos: Wilke

Astrid Havekost, vierfache Mutter und seit 1994 Grundstückseigentümerin einer Hälfte des Resthofes auf der Westseite der L 341, hat einige Argumente gegen die Radwegführung: etwa eine deutliche Wertminderung für Haus und Boden, eingeschränkte Lebensqualität durch den nicht mehr ohne weiteres zugänglichen Garten. „Kommt der Radweg, bleiben mir an der Ecke noch 47 Zentimeter.“ Eine Schiebkarre sei schon rund 65 Zentimeter breit.

Alternativ müsste sie durch Nachbars Garten, was nicht erlaubt werde. Unzumutbar findet Astrid Havekost auch den Vorschlag der Planer, das gesamte Grundstück zu umrunden. „Aber ich brauche den direkten Zugang zum Garten. Das war eine Voraussetzung für den Kauf des Grundstücks.“

Viel schwerer wiegt in ihren Augen aber, dass der komplette Baum- und Strauchbestand wegen der neuen Trasse verschwinden soll. Der bisherige Lärm- und Sichtschutz sei dann weg. Als Krankenschwester habe sie Schichtdienst, mal früh, mal spät, mal in der Nacht. Privatsphäre und Sicherheitsgefühl würden stark eingeschränkt – im dann nicht mehr geschützten Schlaf- und Wohnbereich „mit vielen Fenstern“.

Wenn sie in Zukunft Arbeiten am Haus erledige, würden Radfahrer und die eigene Familie gefährdet. Der vor dem Haus befindliche, selbst gebaute Regenwasserbrunnen, der das Wasser vom Dach aufnimmt, muss nach den Ausbauplänen beseitigt werden. Astrid Havekost befürchtet zudem, dass das Oberflächenwasser von der Straße und dem Gehweg aufgrund des Geländegefälles zum Haus laufen wird.

Noch etwas treibt die Anliegerin um: Bei der Fahrbahnerneuerung der Landesstraße vor einigen Jahren seien schon Außen- und Innenwände des alten Wohnhauses beschädigt worden. Havekost mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn schwere Baumaschinen vor ihrer Haustür eingesetzt werden.

Den Radweg-Lückenschluss plant die Landesbehörde durchweg auf der Westseite, und aus Gründen der Verkehrssicherheit zusätzlich ein Trassenstück gegenüber Havekosts Grundstück, zwischen Gemeindeweg Zum Hohnholz und Einmündung Dorfstraße (Bushaltestelle). In Höhe Havekost gibt es einen Engpass (Hausecke). Dort werden Rad- und Gehweg nicht 2,50, sondern nur zwei Meter breit sein. Zwischen Straße und Radweg liegt ein 1,75 Meter breiter Grünstreifen.

Die Behörde in Oldenburg kündigt an, Bäume und Hecken entfernen zu müssen, bietet zugleich aber Ersatzanpflanzungen an, oder auch einen höheren Zaun. Es könnte auch eine kleine Stützwand mit Stufen zum Hauseingang sein. Oder kommt ein Zahlungsausgleich in Frage? Darüber denkt Astrid Havekost noch nicht nach.

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