Florian Picker neues Gesicht für Twistringen

Goldene Knöpfe und Kaminruß als Glücksbringer

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Abschied aus dem Beruf nach fast 50 Jahren: Peter Kuprynowicz (l.) mit Chef Reinhold Twietmeyer und Nachfolger Florian Picker, der in Zukunft den Twistringern aufs Dach steigen wird. 

Twistringen - Von Theo Wilke. Kennen Sie das? Den Goldkopf an der Arbeitsmontur drehen, dem „schwarzen Mann“ über die Schulter spucken oder anfassen – das soll Glück bringen, nicht nur an Silvester. „Das habe ich oft erlebt. Viele Menschen glauben daran“, erzählt Peter Kuprynowicz (65). Der Wetschener ist den Twistringern vertraut. Damit ist jetzt aber Schluss. Sie müssen sich an ein neues Gesicht gewöhnen: Kuprynowicz’ Nachfolger ist der frisch gebackene Schornsteinfegergeselle Florian Picker, der den Twistringern nun aufs Dach steigen wird.

Der 65-Jährige Kuprynowicz genießt seit dieser Woche, nach fast 50 Arbeitsjahren, seinen Ruhestand. Wenn er zurückblickt: Im Gegensatz zu heute gab es noch vor 20 Jahren kaum Frauen in seinem Beruf. Das habe sich sehr gewandelt, auch die technischen Anforderungen. Es würden immer seltener Schornsteine gereinigt, stattdessen mehr Heizungsanlagen überprüft, Messungen vorgenommen. Der Schornsteinfeger müsse sich stets fortbilden, um auf dem neuesten Stand zu sein. Bei veralteten Anlagen suchten Eigentümer auch Rat und Aufklärung beim unabhängigen Schornsteinfeger.

Früher war Kuprynowicz nur mit dem Fahrrad unterwegs

Der in Hirschberg (Schlesien) geborene Kuprynowicz hat 1958 mit seiner Familie Polen verlassen müssen. Der Vater verdingte sich als Zimmermann in einem Baugeschäft, seine Mutter war Schneiderin in einer Nähfabrik. Sohnemann besuchte die Grundschule in Wetschen, die Realschule in Rehden. Mit 16 Jahren kam er in die Lehre. Nach der Ausbildung folgten zehn Jahre Gesellenzeit in Lemförde, zehn Jahre in Sulingen, weitere 19  Jahre in Lemförde.

„Ich hab vom ersten bis zum letzten Tag als Schornsteinfeger gearbeitet und Lust dazu gehabt“, betont der heute dreifache Familienvater. Früher habe er alles mit dem Fahrrad erledigen müssen, über weite Strecken, bei jedem Wetter. Im Winter auf dem Lande erreichte er nur in der Fahrspur des Milchwagens sein Ziel, erinnert er sich..

Seit 2010 hat Kuprynowicz in Twistringen gearbeitet, dabei viele Leute kennengelernt, auch im Twistringer Umland. „Das Vertrauen zur Kundschaft muss man sich erarbeiten“, gibt der Altgeselle seinem Nachfolger mit auf den Weg. „Wichtige Voraussetzungen sind auch Verantwortungsgefühl und Einfühlungsvermögen, und der Ton macht die Musik“, ergänzt der Chef, der Bezirksschornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater Reinhold Twietmeyer.

„Chemie zwischen uns stimmt“

Der 27-jährige Florian Picker muss sich erstmal im Bezirk einarbeiten, der das gesamte Twistringer Stadtgebiet sowie Groß und Klein Ringmar (Stadt Bassum) umfassst. Für Twietmeyer hat Picker gerade zur rechten Zeit seine Ausbildung beendet. Und: „Die Chemie zwischen uns stimmt.“

Der gebürtig aus Sulingen stammende Picker, der in Barenborstel aufgewachsen ist, hat es nach der Grundschule, nach Orientierungsstufe und Realschule nicht lange auf dem Gymnasium ausgehalten. Probiert hat der Sohn eines Bäckers und einer Bäckereifachverkäuferin auch noch in einer Apotheke. „Ich hab’ aber gemerkt, das ist nicht meins“, sagt der 27-Jährige. So hat er sich ab 2013 in Rehden zum Schornsteinfeger ausbilden lassen und es nicht bereut. Vom seinem Ausbildungschef, der Picker nicht übernehmen konnte, kam der Tipp, sich in Twistringen zu bewerben. Dort würde Peter Kuprynowicz in den Ruhestand gehen. Der Rest ist Geschichte.

Kaminkehrer galt früher als „Retter“

Der Beruf des Schornsteinfegers war früher ein sehr angesehener. Verstopfte oder schlecht ziehende Kamine bedeuteten ein kaltes Heim, im schlimmsten Fall eine tödliche Gefahr. Häufiger brannten Häuser ab. Der Kaminkehrer oder Schornsteinfeger, der später regelmäßig die Kamine fegte, galt den Menschen als „Retter“. Sie fühlten sich dann sicherer. Daher rührt wohl das Symbol des Schornsteinfegers als Glücksbringer.

Und hat Peter Kuprynowicz im Leben auch selbst Glück gehabt? Der 65-Jährige, der lange Hühner gezüchtet hat und jetzt mehr reisen möchte, überlegt nicht lange: „Ja, ich habe auch Glück gehabt.“ Er habe bei der Arbeit seine Frau kennengelernt, sie seien schon 41 Jahre verheiratet, und „ich bin ganz glücklich.“

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