Ende August ist Schluss in Heiligenloh

Apotheker und Querdenker

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Vertieft im Buch über Visbek. Carsten Pötter liest über die Gemeinde, in der er bald eine Apotheke übernimmt. 

Heiligenloh - Von Theo Wilke. Aufbruchstimmung herrscht in der Apotheke an der Hauptstraße in Heiligenloh. Am Monatsende wird Carsten Pötter zum letzten Mal den Schlüssel der Eingangstür umdrehen. Nach rund 16 Jahren ist Schluss, dann hat das Apothekensterben auch das gut 600-Seelen-Dorf im Süden des Twistringer Stadtgebietes erreicht.

Carsten Pötter und sein Team werden die Abtei-Apotheke in Visbek übernehmen. Der bisherige Betreiber geht in den Ruhestand. Pötter wagt mit 54 Jahren noch einmal einen Neuanfang.

Zum Monatsende schließt die Apotheke in Heiligenloh. Die im Haus befindliche Praxis bleibt bestehen. - Foto: Wilke

„Heiligenloh wächst nicht mehr, und es gibt auch keinen Nachfolger“, betont der Twistringer. 16 Jahre lang hätten er und seine Mitarbeiterinnen viel Herzblut in die Heiligenloher Apotheke gesteckt. Aber das Geschäft rechne sich schon länger nicht mehr, und zu viele hätten mit der Zeit nicht mehr auf das Angebot zurückgegriffen. „Und viele Menschen bedauern jetzt, dass nun bald Schluss ist“, aber das Problem sei, dass ein Angebot erst wertgeschätzt werde, wenn es nicht mehr da sei, meint Pötter. Er wird das Mobiliar mit nach Visbek nehmen, um „den Charakter der Heiligenloher Apotheke rüberzuretten“.

Wie geht das Team mit der räumlichen Umstellung und dem Umzug ins nahe Visbek mit rund 12 000 Einwohnern um? Pötter: „Alle ziehen mit, aber es ist sehr schwer nach so vielen Jahren in Heiligenloh.“ Im Regal seines Büros steht eine Chronik über Visbek. Die hat ihm beim Antrittsbesuch Bürgermeister Gerd Meyer aus Visbek in die Hand gedrückt, damit der Twistringer sich schlau macht - „damit ich weiß, was mich dort so erwartet“, sagt er.

Und was erwartet die Visbeker? Zunächst mal eine klassische Apotheke. Und dann ist Carsten Pötter nicht nur Apotheker, sondern auch ein Querdenker. Sein Anliegen ist, mit den Kunden zu reden, sie aufzuklären, mal ist er Ratgeber, mal Seelsorger oder auch Tröster. Der 54-Jährige möchte nicht nur Medikamente verkaufen, er möchte Hilfestellungen geben. Das sei aber in Heiligenloh nur bei wenigen Kunden auf fruchtbaren Boden gefallen, ist seine Erfahrung.

Der Apotheken-Inhaber hat vor ein paar Jahren sogar ein Buch für Freigeister und Querdenker geschrieben: „LebensNetze“ beschäftigt sich mit Motiven und Auswirkungen menschlichen Handelns. Die wenigsten Heiligenloher dürften diese Seite Pötters kennen.

„Ich habe schon in der Schule die falschen Fragen gestellt“, erzählt er. Ein richtiger Außenseiter sei er gewesen. Erst sehr viel später hätten sich ihm die Zusammenhänge erschlossen. Pötter gibt seitdem Seminare, bildet Apotheker und Heilpraktiker zu ganzheitlichem Denken und Handeln weiter. Menschen würden nämlich kaum eigene Probleme lösen, sondern ständig neue produzieren. Menschen falle es schwer, in Zusammenhängen zu denken, weil Wissen von Kindesbeinen an in getrennten Kategorien vermittelt werde. Überhaupt sei es in unserer Gesellschaft mitunter problematisch, selbständig zu denken und angebliche Wahrheiten in Frage zu stellen.

Der Wunsch, unter die Autoren zu gehen, kam dem dreifachen Familienvater auf Seminaren, die ihn bis nach München und ins Allgäu führten.

Geboren wurde der radsportbegeisterte Pötter in der Nacht der Hamburger Sturmflut 1962, während sein Vater als Soldat Menschen von Hausdächern rettete. Carsten Pötter ist „in einer Kneipe groß geworden“, in Zierenberg bei Kassel. Begeistert köchelte er im Labor des Apothekers in der Nachbarschaft, stürzte sich als Student in Marburg auf Pharmazie und Philosophie. Schnell begriff er, dass Naturwissenschaften erklären, wie, aber nicht warum etwas passiere. Pötter erklärt das Warum jedem, der es wissen möchte.

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