Dr. Martin Winter wechselt von Amrum nach Twistringen

Ärztemangel: Lage entschärft

Kampagne erfolgreich, Twistringen hat bald einen neuen Hausarzt: Dr. Martin Winter (r.) im Bild mit (v.l.) Martin Schlake, Birgit Klingbeil, Mirjam Marggraff und Michael Uhlhorn. - Foto: Wilke

Twistringen - Von Theo Wilke. Ein bisschen aufatmen können die Twistringer, was die unzureichende ärztliche Versorgung im Stadtgebiet angeht. Die Lage wird sich ein wenig entspannen, wenn Dr.   med. Martin Winter (52) aus Nordwohlde seine neue Hausarztpraxis zum 1. November im Gebäude der Mühlenapotheke an der Bahnhofstraße eröffnet.

Für den Erstkontakt mit dem bisherigen Klinik-Chefarzt der Nordseeinsel Amrum hat die 2015 im Landkreis Diephholz gestartete Kampagne „Ärztlich willkommen“ gesorgt. Der neue Facharzt für Allgemeinmedizin sowie systemisch lösungsorientierter Therapeut und Berater zieht in die seit Oktober 2015 leerstehenden Praxisräume von Vermieter Michael Uhlhorn ein. Und der zeigt sich ebenso erleichtert wie Bürgermeister Martin Schlake und Wirtschaftsförderin Birgit Klingbeil. Zurzeit gibt es vier Praxen mit je zwei Ärzten.

„Jetzt haben wir hier zum Glück bald wieder fünf hausärztliche Praxen“, betont Mirjam Marggraff von der zuständigen Bezirksstelle Verden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Bürgermeister Schlake macht deutlich: „Die bisherigen Hausarztpraxen haben längst ihre Belastungsgrenze erreicht, die Lage hat sich deutlich verschärft.“ Patienten wanderten ins Umland ab, und die älteren Twistringer seien nicht so mobil. Deshalb freut es den Chef des Rathauses umso mehr, dass nun endlich eine gewisse Entlastung in Sicht ist.

Dr. Winter rechnet mit 1.000 bis 1.500 Patienten im Quartal. Die KVN unterstützt seinen Neuanfang mit einem Startkapital von 50.000 Euro, der Landkreis und die Stadt Twistringen geben jeweils einen Zuschuss über 5.000 Euro.

Geboren im baden-württembergischen Blaubeuren, wollte der heute 52-Jährige zunächst Bauzeichner werden, verwarf den Plan aber nach Lehre und einigen Semestern. In Ulm hat er studiert. Ein Steckenpferd war die Labor- und chemische Medizin. Da hat er auch geforscht. Außerdem war er Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr.

Von 2003 an betrieb Winter gut elf Jahre lang mit mehreren Kollegen eine große Hausarztpraxis im Bremer Stadtteil Osterholz-Tenever.

Seit Oktober 2015 ist Winter nach einem halben Jahr als Stellvertreter nun Chefarzt der Nordseeklinik auf der Insel Amrum mit rund 500 Plätzen. Dem seit einigen Jahren in Nordwohlde mit seiner Ehefrau Anke Meyer-Wolters lebenden Facharzt hat der Job zwar Spaß gemacht, aber der vierfache Familienvater hat auf Wunsch seiner Frau eine Praxis in Wohnortnähe gesucht.

In einem ersten Gespräch mit Mirjam Marggraff von der KVN erfuhr der Facharzt, dass im Umkreis von 25 Kilometern um Nordwohlde fast 50 Arztpraxen in absehbarer Zeit zur Disposition stünden. Er entschied sich für Twistringen.

Inzwischen hat Martin Winter auf Amrum gekündigt und trifft die Vorbereitungen für die Einrichtung seiner neuen Praxis an der Bahnhofstraße. Drei Verträge für Teilzeitbeschäftigte sind unterschrieben. Winter bevorzugt Twistringer, die sich auskennen. „Ich bin ja neu, ich kenne noch niemanden.“ Er ist schon auf der Suche nach einer unterstützenden Kollegin oder einem Kollegen.

Solange es seine Zeit zulässt, möchte der naturverbundene Nordwohlder weiterhin seinem „Hobby“ als systemischer Therapeut und Berater nachgehen. Denn rund 60 Prozent der Patienten hätten psychosomatische Beschwerden. „Dafür habe ich einen Blick entwickelt“, sagt er.

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