Projektwoche an den Berufsbildenden Schulen

„Wenn erst einer stirbt, ist es zu spät“

Beim Überschlags-Simulator lernen die Schüler, sich auch „über Kopf“ richtig zu verhalten und aus dem Auto zu befreien. - Foto: fj

Syke - Von Frank Jaursch. Entschlossen betätigt Jana den Auslösehebel. Mit einem Zischen entweicht ein Wasserstoß dem Hochdruckschlauch in ihrer Hand und verdampft im Feuer vor ihr zu einer weißen Wolke. Noch ein kurzer Stoß. Und noch einer. Die 18-Jährige hält inne. Die Löschversuche haben den Brand fast zum Erlöschen gebracht. Aber nur fast. Eine Sekunde später lodern die Flammen wieder. „Tja“, sagt Uwe Heusmann. „Nicht schlecht. Aber fast aus ist immer noch an.“

Seit 35 Jahren ist Heusmann bei der Feuerwehr tätig. Der Lehrer ist Brandschutzbeauftragter bei den Berufsbildenden Schulen (BBS). Und für ihn ist es Ehrensache, auch in diesem Jahr mit seinem Info-Angebot rund um das Thema Feuer und Feuerschutz bei der Projektwoche mitzumachen.

Die Projektwoche heißt bei der BBS GUS-Woche. Die drei Buchstaben stehen für die Bereiche, um die es schwerpunktmäßig bei den Projekten geht: Gesundheit, Umwelt und Sicherheit.

Die Bereiche überlappen sich bei einigen Angeboten. Das Feuerlöschertraining zum Beispiel hat etwas mit Sicherheit zu tun, aber auch mit Gesundheit. Das wird im theoretischen Teil deutlich, in dem Heusmann die enormen Gefahren eines sich ausbreitenden Feuers – und vor allem des giftigen Rauchs – drastisch verdeutlicht. „Wenn erst einer stirbt, ist es zu spät. Ein Menschenleben zahlt keine Versicherung.“

Mit den Übungen will Heusmann vor allem eines: für das Thema sensibilisieren. In der Kürze der Zeit, so betont er, sei es kaum möglich, tiefer ins Thema einzusteigen. „Aber die Schüler sind voll dabei“, lobt er.

Ganz ähnlich sind die Erfahrungen von Klaus Nowak. Der Organisator der GUS-Woche lädt die Auszubildenden zu einer Kettcar-Fahrt unter Alkoholeinfluss ein. Eine Spezialbrille simuliert dabei die Fehleinschätzungen und Gleichgewichtsstörungen, die für gewöhnlich bei Betrunkenen einsetzen.

Gelächter bei den Klassenkameraden, als sich zwei junge Männer mit einiger Mühe gegenseitig einen Becher „Wodka“ einschenken, bemüht konzentriert zum Kettcar wanken – und beim Parcours spontan den vorgegebenen Weg verlassen. Doch der Spaß hat einen ernsten Hintergrund. „Wenn die Fehler im Straßenverkehr passieren, ist das tödlich“, so Nowak.

Eine traurige persönliche Bilanz hat ihn auf die Idee zu diesem Parcours gebracht: Im Laufe seiner Tätigkeit sind bis heute neun seiner ehemaligen Schüler im Straßenverkehr ums Leben gekommen.

Zum letzten Mal vor seiner Pensionierung hat Nowak die GUS-Woche organisiert. Noch bis Freitag kommen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die unterschiedlichen Projekte.

Die Vielfalt ist erstaunlich: Schüler des Berufsgymnasiums Gesundheit beleuchten zwölf Themen von Magersucht über Burnout bis Mobbing, Richter Christoph Kellermann erläutert die juristischen Auswirkungen von Alkohol und Drogen im Verkehr. Im Überschlags-Wagen zeigen Thomas Gissing und Claudia Skrobek von der Polizei, wie man sich verhält, wenn man mit dem eigenen Fahrzeug „über Kopf“ gegangen ist.

Rückenschule und Solarenergie, Fetales Alkohol-Syndrom und Koordinationstraining sind nur einige weitere Elemente der GUS-Woche. Den Abschluss findet sie morgen mit einem Foto-Vortrag von Sven Achtermann, der anhand atemberaubender Bilder und spannender Geschichten aus Arktis und Antarktis über seine Beobnachtungen zum Klimawandel referiert.

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