Projekt „Klimabäume“: Stadt sucht Arten, die dem Klimawandel trotzen

Wenn Bäume auf Reserve leben

Baumpfleger Thomas Niebuhr und Stadtbiologin Angelika Hanel begutachten den Mammutbaum, den sie 2010 gepflanzt haben. Er gehört zur ersten Generation der Syker „Klimabäume“. - Foto: vog

Syke - Von Detlef Voges. Am Rande des Mühlenteichgeländes im Bereich des Boules-Platzes steht ein Mammutbaum. Er ist mit etwa vier Metern Höhe noch ein Winzling, hat aber schon eine Geschichte, gehört er doch zur ersten Generation der Syker Klimabäume.

84 Stück ganz unterschiedlicher Sorten pflanzte die Stadt vor sechs Jahren. Von der Ungarischen Eiche bis zum besagten Mammutbaum. 76 davon stehen heute noch. Und jedes Jahr kommen im Schnitt acht hinzu. „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt Stadtbiologin Angelika Hanel. Zusammen mit Baumpfleger Thomas Niebuhr ist sie hauptverantwortlich für das Projekt „Klimabäume“.

Probleme mit Klima

„Wir müssen ausprobieren und beobachten“, sagt Hanel. Aus Fallanalysen ist bekannt, dass typische einheimische Baumarten wir Birken, Eichen und Buchen große Probleme mit dem sich verändernden Klima bekommen werden. Die Stadtbiologin spricht dann sogar vom Aussterben. Resistentere Bäume sollen diese Lücke schließen.

Diese Ebereschen am Steinackersweg tragen vor der Zeit schon Früchte. Für Stadtbiologin Angelika Hanel ein Alarmsignal. Die Bäume sind geschwächt und forcieren mit der vorzeitigen Fruchtbildung die Arterhaltung. 

So wie der Mammutbaum, der vor sechs Jahren nur gut einen Meter hoch war. Im Umfeld der Realschule wachsen Blumeneschen, am Freibad Ungarische Eichen und Scharlacheichen, und am Mittelweg Grauerlen. Hanel und Niebuhr hoffen, dass die den Folgen des Klimawandels besser trotzen. Das Problem besteht in einer Kombination von Trockenheit im Winter und im Frühjahr sowie intensiven Regengüssen im Sommer. Zu Anfang des Jahres brauchen die Bäume Wasser zum Austrieb. Fehlt ausreichend Feuchtigkeit, ist das Wachstum langfristig geschädigt. „Bäume vergessen nicht“, sagt Thomas Niebuhr.

Klimawandel ist sichtbar

Gesellen sich im Sommer noch Hitze und Schädlinge dazu, knicken die Bäume ein. Und bei heftigen Sommerregen fließt oft so viel Wasser über den trockenen Boden weg, dass die Bäume es gar nicht schnell genug aufnehmen können.

Die Folgen sind im Stadtgebiet sichtbar. „Innerhalb von einer Woche haben 25 Jahre alte Birken im Gewerbegebiet von grünen auf gelbe Blätter umgeschaltet“, betont Niebuhr.

Der Klimawandel zeigt zudem ein anderes Phänomen: Buchen und Eichen tragen schon vor der Zeit viele Früchte. Die Ebereschen sind bereits voll von roten Beeren. Warum? „Sie denken nicht an sich, sondern an die Arterhaltung“, erklärt Niebuhr.

Dieses Leben auf Reserve kostet die Bäume viel Kraft und führt zum Beispiel auch zu schwachen Kronendächern. Hängt dann ein schwerer Sommerregen in den Blättern, drohen Brüche.

Eine weitere Plage für die Bäume sind Schädlinge. „Wir haben durch die Veränderungen des Klimas mehr Schädlinge als früher und aggressivere Arten“, erklärt Niebuhr und nennt beispielhaft den Eichenprozessionsspinner und die Kastanien-Miniermotte. Was Schädlinge anrichten, kann man am Mühlenteich sehen. Die alten Eschen dort sind befallen. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Für Hanel und Niebuhr stellt sich bei jeder Neuanpflanzungen immer wieder die Frage: Ist der Baum, den wir uns ausgesucht haben, geeignet? Kann er im Außenbereich dem Wind widerstehen und in der Hauptstraße der Stauhitze? Ein Puzzlespiel. Die Sandbirke, 2010 ebenfalls als Klimabaum gepflanzt, hat es in Syke nicht geschafft. Hanel: „Die werden wir nicht mehr nehmen.“

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