Volker Sonnemanns Leidenschaft gilt antiken Möbeln und Gegenständen

Das Vermächtnis der Ururoma

„Das Ticken einer mechanischen Uhr ist wie der Herzschlag des Lebens“, findet Volker Sonnemann. Der 60-Jährige hat seit Jahrzehnten ein Faible für alte Uhren – und für antike Gegenstände. Vor ihm steht ein besonders bemerkenswertes Exemplar: eine rund 40 Kilogramm schwere Uhr der Marke Lenzkirch, hergestellt im Jahr 1895. Auf das Uhrwerk im massiven Marmor-Gehäuse gab es seinerzeit 100 Jahre (!) Garantie. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Frank Jaursch. Als Deutschlands Städte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerbombt wurden, machten die Alliierten einen Bogen um Bad Pyrmont: Die Stadt im Süden Niedersachsens war eine Lazarettstadt und wurde weitgehend verschont. Dieser Umstand ist einer der Zufälle, denen Volker Sonnemann eine Passion verdankt: Der Syker begeistert sich seit mehr als vier Jahrzehnten für antike Möbel, alte Uhren und andere Gegenstände aus längst vergangenen Zeiten.

Das Hobby des 60-Jährigen ist eigentlich das Vermächtnis seiner Ururgroßmutter: Die war von 1870 bis 1915 Kammerzofe beim Fürsten von Waldeck und Pyrmont. Auf dem Dachboden im Haus seiner Großmutter fand Volker Sonnemann als Jugendlicher zahllose Relikte aus jener Zeit um die Jahrhundertwende. Die hatten die Zeit wegen der Zurückhaltung der Allierten überdauert. Er stöberte in alten Runddeckeltruhen, während das Sonnenlicht diffus durch die kleinen Dachfenster auf die abgestellten Kleinteile schien. „Wie verwunschen. Ich war hellauf begeistert“, berichtet Sonnemann.

Bei seinem Hobby kam Sonnemann die Akribie seiner Mutter und seiner Großmutter zugute: Beide waren Lehrerinnen und hatten es sich angewöhnt, alte Gegenstände sorgsam zu beschriften – oft inklusive Hintergrund-Infos. Viele Gespräche mit Mutter und Großeltern befeuerten das Faible für Altes noch.

Nach seiner Bundeswehrzeit begann Sonnemann damit, sich intensiver mit den Hintergründen zu befassen: Er wühlte sich durch die Literatur, brachte sich selbst ein umfassendes Wissen bei. Längst hat sich der Syker einen Ruf erarbeitet. „Ich werde oft gerufen, um Sachen zu bewerten“, erzählt er.

Als Sonnemann 1990 seinen Heimtierdiscount in Syke eröffnete, nahmen die alten Möbelstücke schon einen kleinen Teil der Verkaufsfläche ein. Seine Kunden wussten von seiner Leidenschaft. Und so mündete so manche Geschäftsbeziehung Jahre später in einer Expertise für alte Möbel.

„Retro hat wieder Zukunft“

„Meine Kundschaft ist mit mir älter geworden“, schmunzelt Sonnemann. Viele wollen sich irgendwann von alten Möbeln trennen.

Ab und zu stößt der Syker dabei auf echte Schmuckstücke. Wie bei dem Biedermeier-Schrank, der auf einer Diele stand und erst mal von „20 Generationen Fliegendreck“ befreit werden musste. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man sieht: So ein altes Stück holt wieder Luft.“

Mit Begeisterung verfolgt Volker Sonnemann Fernsehsendungen wie „Kunst und Krempel“ oder „Lieb und teuer“. Differenziert betrachtet er die Preisentwicklung bei Antiquitäten. Zwar sei in einigen Bereichen ein deutlicher Preisverfall zu erkennen – „Porzellan zum Beispiel ist völlig im Keller“. Doch anderes werde nachgefragt.

„Retro hat wieder Zukunft“, ist er sich sicher. „Die Leute wollen wieder zurück in die Zeiten, in denen alles nicht so schnelllebig war.“ Aus diesem Grund hat Sonnemann auch den Antik-Anteil in seinem Geschäft an der Schloßweide deutlich vergrößert.

Auf rund 80 Quadratmetern präsentiert er seit kurzem Möbel und Gebrauchsgegenstände von damals. Als zweites Standbein und als persönlichen Wellness-Bereich: „Seit ich das hier im Geschäft habe, geht’s mir besser.“ Ein bisschen wie einst auf Omas Dachboden.

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