Unter dem Kuppeldach

Neben Gärsubstrat kann Jochen Harries auch 3800 Kubikmeter Biogas speichern

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Nein, kein Atomkraftwerk in Wachendorf, auch keine neue Biogas-Anlage. Landwirt Jochen Harries hat „nur“ einen Speicher für die Gärrückstände aus seiner Biogas-Produktion gebaut, weil er demnächst das Substrat mindestens sechs, wenn nicht gar neun Monate zwischenlagern muss. Das hat ihn eine runde halbe Million gekostet – mal eben so nebenbei. 

Wachendorf - Von Michael Walter. „Na, hast du dir ‘ne zweite Biogas-Anlage gebaut?“ – Jochen Harries kann solche Sprüche fast schon nicht mehr hören. Dabei freut sich der Landwirt eigentlich, wenn er auf den großen Betonzylinder mit dem Kuppeldach neben seiner Hofeinfahrt angesprochen wird.

„Ich möchte nur gerne, dass die Leute wissen: Das ist eben keine zweite Biogas-Anlage, sondern aus einer gesetzlichen Vorgabe entstanden“, sagt Harries.

Tatsächlich handelt es sich um einen Speicher für die Gärrückstände aus seiner Biogas-Produktion: 30 Meter Durchmesser, acht Meter hoch und zwei Meter tief im Erdreich lauten die Eckdaten. Fassungsvermögen: 5000 Kubikmeter Gärsubstrat. Und unterm Kuppeldach kann Harries zusätzlich bis zu 3800 Kubikmeter Gas zwischenspeichern. Ein angenehmer Nebeneffekt, der es ihm ermöglicht, seine beiden Stromgeneratoren flexibler zu betreiben.

Die gesetzliche Vorgabe, von der Harries spricht, ist die neue Düngeverordnung, die noch gar nicht verabschiedet ist. Schon jetzt ist aber klar, dass sie den Landwirten bestimmte Mindestkapazitäten zur Lagerung von Gülle, Mist und Gärrückständen aus der Biogas-Produktion vorschreiben wird. Mindestens sechs Monate, wenn nicht gar neun, müssen die Landwirte das, was bei ihnen auf dem Hof anfällt, auch auf dem Hof lagern können. Ziel; Das Ausbringen von Dünger soll nur in einem sehr kleinen Zeitfenster im Frühjahr erlaubt sein.

Rund eine halbe Million Euro investiert

Dass Jochen Harries jetzt schon diese Lagerkapazitäten geschaffen hat, ist kein vorauseilender Gehorsam, sondern hängt mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zusammen. Genauer: Mit der zeitlich festgeschriebenen Höhe der Einspeisevergütung für den von ihm erzeugten Strom. Denn damit muss er die Baukosten refinanzieren. Für den Gärsubstrat-Speicher und die dazu gehörende Siloanlage hat Harries mal eben rund eine halbe Million Euro investiert. Und nicht nur er.

„Wir haben das auch so vorab gemacht“, sagt Kreislandwirt Wilken Hartje, der selbst Mitbeitreiber einer Biogas-Anlage in Ramminghausen ist. „Bei diesen hohen Kosten ist es einfach logisch, dass man möglichst früh investiert und nicht erst dann, wenn die garantierte Einspeisevergütung auf das Ende ihrer Laufzeit zugeht.“

Jochen Harries braucht nach seiner Kalkulation zum Beispiel zwölf Jahre, bis er die Baukosten für seinen Substratspeicher wieder drin hat.

Die Betreiber der Biogas-Anlage in Gessel planen laut Wilken Hartje bereits ebenfalls den Bau eines solchen Substratspeichers. Darüber hinaus gibt es noch drei weitere Biogas-Anlagen im Stadtgebiet sowie eine an der Stadtgrenze zu Bassum zwischen Jardinghausen und Neubruchhausen.

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