Technisches Gerät soll Rehkitze, junge Hasen und andere Wildtiere warnen

Ein Ton, der Leben retten kann

Timo Straßburg ist beim Lohnunternehmen Haske in Dimhausen beschäftigt und hat beim Einsatz des Wildretters häufig flüchtiges Wild beobachtet, das ohne das Warngerät wahrscheinlich in das Mähwerk geraten wäre. - Foto: Ulf Kaack

NORDKREIS - Gemeinsam mit vier landwirtschaftlichen Lohnunternehmern hat die Jägerschaft Syke im Frühjahr ein Pilotprojekt zur Wildtierrettung mittels eines Akustikwarners während der Heuernte ins Leben gerufen. Nun zogen die Waidmänner und ihre Partner aus der Agrarbranche eine erste Bilanz.

In jedem Jahr ereignet sich in der Natur ein immer wiederkehrendes Drama, resultierend aus einer unglücklichen zeitlichen Überschneidung. Während das Rehwild seinen Nachwuchs, die Kitze, zur Welt bringt, beginnen die Landwirte mit der Grasmahd. Oftmals mit tödlichen Folgen. Schnittbreiten von bis zu sechs Metern sowie die hohen Geschwindigkeiten von Traktoren und Maschinen lassen den Tieren kaum eine Chance.

„Hochgradig gefährdet sind die neugeborenen Rehkitze und junge Hasen, die von den Muttertieren im hohem Gras abgelegt und in den ersten Wochen aufgezogen werden“, schildert Dr. Hans-Jürgen Hamann die Situation. „Doch auch die Gelege von Bodenbrütern wie Fasanen und Rebhühnern sind immer dann betroffen, wenn die sommerliche Witterung spät einsetzt und sich ihre Brutzeit nach hinten verschiebt.“

Abhilfe soll ein kleines unscheinbares Gerät bringen, das mit 105 Dezibel einen Hoch- und Mehrfrequenz-Dauerton von sich gibt. Es wird durch Batterien betrieben und ganz einfach mit Klettband am Mähwerk befestigt. Seine akustische Reichweite beträgt 200 Meter. Die Jägerschaft Syke hat im Frühjahr acht dieser Wildretter zum Stückpreis von 30 Euro beschafft, und sie vier Lohnunternehmern in der Region kostenlos zum Testen zur Verfügung gestellt.

Ziel war es, die Zahl der getöteten Tiere um 70 Prozent zu senken. Lohnunternehmer Fred Haske aus Dimhausen bei Bassum meint, dass dies gelungen sein könnte: „Wir haben die beiden uns überlassenen Wildretter konsequent eingesetzt. Die Erfahrungen damit sind natürlich nur subjektiv und halten keiner wissenschaftlich-statistischen Betrachtung stand, denn der Fahrer merkt es oftmals nicht, wenn ein Tier vom Mähwerk erfasst wird.“

Fakt ist, dass Haskes Mitarbeiter deutlicher als in den Jahren zuvor flüchtiges Wild an den gerade bearbeiteten Flächen beobachtet haben. Allerdings gab es auch Fälle, bei denen Tiere in die Maschinen geraten sind. Gefühlt aber deutlich weniger als in der Vergangenheit.

Grundsätzlich wird Fred Haske den Wildretter weiterhin einsetzen. „Auch wenn die kleine Plastikbox kein Allheilmittel ist, es kommt auf jedes gerettete Tier an“, sagt er.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Der überwiegende Teil des gemähten Grases wird zu Silage verarbeitet, die an Rinder und Pferde verfüttert wird.

Befinden sich darin Kadaverteile, können sich bei hohen Temperaturen Botulismus-Bakterien bilden. Das hochpotente Nervengift führt bei den Tieren zu schweren Erkrankungen, nicht selten zum Tod.

„Grundsätzlich werten wir Jäger die gemachten Erfahrungen mit den Wildrettern als Erfolg“, so auch die Meinung von Dr. Hans-Jürgen Hamann. „Darum werden wir die Aktion auch im nächsten Jahr mit weiteren gesponserten Geräten fortführen. Dabei hoffen wir natürlich weiterhin auf die Unterstützung durch die Landwirte und Lohnunternehmen.“

Von Ulf Kaack

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