Volles Haus bei Torsten Sträters neuem Kabarettprogramm

„Kreiszeitung, ach so, ja, warum soll die auch eckig“

Kabarettist und Comedian Torsten Sträter präsentierte im Theater Syke sein neues Programm. - Foto: Husmann

Syke - Von Dagmar Voss. Wie lässt sich bloß etwas beschreiben, was einen gekonnt in die Welt von Humor oder Satire, auch schon mal ins Nachdenkliche und dann wieder ins Blödeln entführt? Das Syker Theater erlebte am Freitagabend einen bestens gelaunten, leicht erkälteten Torsten Sträter, der sein neues Kabarettprogramm vorstellte.

Mit völlig schrägen Assoziationen, verschlungenen Geschichten und mal mehr, mal weniger geistreichen Betrachtungen unterhielt der gebürtige Dortmunder seine Zuhörer. Mit seinem leichten Kohlenpott-Slang und diversen Kraftausdrücken aus dem Ruhrgebiet wie der „Knorke-Wurst“.

Quer durchs bunte Leben, das eigene und dann auch mehr generell schlich er sich mit seinen urkomischen Plaudereien, mit Vorlesungen aus seinen Büchern und dazwischen immer wieder Dialogen mit den Zuschauern. Das erwischte mal den zwölfjährigen Florian, mal die Kreiszeitungsredakteurin.

Den Seehund zu Hause lassen

„Ach, Kreiszeitung, ach so, ja, warum soll die auch eckig“, lautete sein Kommentar auf die Frage beziehungsweise Antwort, wofür denn geschrieben würde. Und gelegentlich eine Entschuldigung an dieselbe Adresse, dass er nicht ganz fit sei, Erkältungstabletten geschluckt habe und daher auch schon mal abrutsche ins Skurrile. Wobei Abrutschen oder nicht schwer unterscheidbar wurden, komisch bis kurios gestaltete er seine Plaudereien allemal, immer mit dem Hinweis, dass er ja noch am neuen Programm arbeite und es nicht klar sei, was drin bleibt.

Pluralübungen wie Puma, Pumen, Zebra, Zebren gehörten dazu genauso wie sein Ratschlag für vereinzelte Applaudierende, doch besser nächstes Mal den Seehund zuhause zu lassen, der immer mal mit den Flossen klatscht.

Der heute in Waltrop am Rand des Kohlenpotts lebende Schriftsteller, Slam-Poet, Comedian und Kabarettist unternahm Ausflüge in seine Kindheit, als es noch um Hottentotten ging und Flummis. Oder in seine Lehre als Herrenschneider: „Gut ist das, wenn die Apokalypse kommt, dann kann ich aus wilden Tieren Kleidung nähen.“ Seine Befürchtung, dass ein aramäischer Dämon erscheint, wenn er sein Rülpsen in ein Wort verkleidet. Oder sich wegen argen Sonnebrands dick mit Nivea einschmiert, nackt im Auto endlos lange im Kreisverkehr bleibt und schließlich von einem Polizisten angehalten wird. Da reichte schon das Kopfkino, um das Lachen endlos werden zu lassen. Immer wieder dabei das Ruhrgebiet mit jeder Menge wirklich sonderbarer Begebenheiten – und das alles mit einer angenehmen Stimme.

Indiana-Jones-Hut statt Wollmütze

So ging es weiter mit einer Riesenportion Pointen und typisch deutschen Sprüchen, die er hinterfragte – oder auch nicht. Seinem Freund Sali, Flüchtling aus Syrien, dem er ans Herz legte: „Wir schaffen das“, „Dieses ist kein Radweg“ und „Normal müsste das helfen“. Zum Brüllen komisch, wie er dann plötzlich auf einer Straße steht und diese Sprüche in die Welt hinausposaunt. Und zwischendrin ein Highlight, als Sträter, zwei Tage vor seinem 50. Geburtstag, seine Mütze ablegte und den ersteigerten Indiana-Jones-Hut aufsetzte. Dazu schilderte er mit seinem lakonischen Humor eine Reise durch das südliche Afrika von Windhuk an die Victoria Fälle.

Unzählige Tassen Kaffee, getrunken vom Autor, und rund drei Stunden später beruhigten sich langsam die eigenen Lachmuskeln, obwohl die Form – nach oben gezogen – noch länger hielt.

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