Hitzige Diskussion zum Thema Trinkwasser

Die Sünden der Vergangenheit

Syke - Von Frank Jaursch. „Ich habe noch nie eine so hitzige und zugleich so interessante Debatte geführt.“ Maik Uhlen, Abteilungsleiter bei den Harzwasserwerken, sagte diesen Satz am Mittwochabend am Ende der Veranstaltung rund um das Thema „Ist das Syker Trinkwasser in Gefahr?“. Die Syker SPD hatte zu der Veranstaltung ins Gleis 1 geladen – und damit augenscheinlich einen Nerv getroffen.

Eigentlich wollten die beiden Referenten – Uhlen und Stefan Schütte, der Leiter des Ristedter Wasserwerks – zunächst eine Präsentation zum Thema „Wie sicher ist unser Wasser?“ zeigen und anschließend in die Diskussion gehen. Doch schnell stellte sich heraus, dass es reichlich Gesprächsbedarf zum Thema gab. So verquickten sich Vortrag und Diskussion.

Themen Fracking und Nitratbelastung

Das lebhafte Gespräch mit den Zuhörern erstreckte sich über eine ganze Reihe von Bereichen: Das Thema Fracking wurde kontrovers diskutiert, ebenso wie der Umstand, dass halb Syke das Trinkwasser nicht vom nahe gelegenen Ristedter Wasserwerk bezieht, sondern („aus technischen Gründen“) von den stärker belasteten Brunnen vom Wasserwerk Liebenau.

Dazu gab es jede Menge Fakten: Rund 440.000 Menschen, so erfuhren die Zuhörer zunächst, könnten durch das Ristedter Wasserwerk mit sauberem Wasser versorgt werden. 16 Millionen Kubikmeter werden jährlich entnommen.

Ähnlich beeindruckend, für viele Zuhörer aber vor allem beunruhigend, waren die Zahlen, die einen Bezug zur Nitratbelastung herstellten: Längst müssten mittlerweile Gülle und Gär-Reste als Wirtschaftsdünger in die Region importiert werden: 30.000 Kubikmeter jedes Jahr. Das sind 1.200 Lkw-Ladungen. Uhlen zeigte sich überzeugt, dass auf manchen Flächen viel zu große Mengen aufgebracht würden – vor allem im Herbst, wenn die Gefahr der Auswaschung ins Grundwasser besteht: „Schwarze Schafe gibt es überall.“

Die Problematik dabei: Dieses Fehlverhalten ist nicht nur schwer kontrollierbar, sondern schlägt sich auch erst in vielen Jahren in den Nitratwerten im Grundwasser nieder. Es dauert Jahre, oft Jahrzehnte, ehe das belastete Wasser zum Grundwasser gesickert ist.

Trinkwasserbrunnen halten Grenzwerte ein

Heißt im Klartext: „Wir stellen jetzt die Sünden aus der Vergangenheit fest“, bestätigte Uhlen. Zwar bewegen sich die Messwerte in den meisten der 19 Brunnen im einstelligen Milligramm-Bereich (bei einem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter), drei Brunnen liegen aber bereits bei Werten um 20 Milligramm.

Noch deutlicher wird die Belastung bei den mehr als 200 im gesamten Wassergewinnungsgebiet verteilten Messstellen: Einige Messungen lagen dort bereits im dreistelligen Bereich. Diese Belastung lasse sich aber nicht einzelnen Landwirten zuordnen, so Uhlen. „Das wäre nicht justiziabel.“

Wird ein Fehlverhalten beobachtet, so würden Berater zum „Täter“ geschickt. Für eine Sanktionierung bedürfe es jedoch einer behördlichen Überwachung, betonte Uhlen. Und er appellierte: „Wenn Sie etwas beobachten, das Ihnen unkoscher vorkommt: Melden Sie!“

Nun sei die Zeit, so Uhlen, am Ball zu bleiben, um die Qualität des Trinkwassers zu sichern – um „nachfolgenden Generationen eine nutzbare Ressource zu übergeben.“

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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