Sonnenblumenwurzel im Salat

Syker Hofrestaurant im bundesweiten Genussführer von Slow Food

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Freuen sich über die Urkunde: (v.l.) Sigrid Rother, Holger Oestmann, Regina Droste und Hans Schüler. 

Syke - Von Anke Seidel. Küchenchef Holger Oestmann setzt auf den Aha-Effekt bei seinen Gästen: Was sind das für delikate Gemüsescheibchen da im Salat? Dass sie von der Wurzel einer Sonnenblume stammen, überrascht nicht wenige – angenehm. Der Gastronom, der gemeinsam mit seiner Partnerin Regina Droste das Bioland-Hofrestaurant in Syke-Gessel betreibt, kocht mit großer Wertschätzung für die Natur. Will heißen: Mit regionalen Produkten, von denen manche – siehe Sonnenblumenwurzeln – so gut wie unbekannt sind.

Das Fleisch stammt von Tieren aus artgerechter Haltung. „Wir verwerten möglichst das ganze Tier“, sagt Oestmann. Deshalb gibt es im Bioland-Restaurant auch Leber-Gerichte, Schweinewange oder geröstete Streifen vom Schweineohr – aber nicht immer. Denn Taktgeber ist die Natur. „Da kann es sein, dass mal kein Rinderhüftsteak auf der Speisekarte steht“, erklärt Oestmann, der – noch als Küchenchef des „Ahrenshof“ in Bad Zwischenahn – für sein regionales Konzept den renommierten Carlspreis erhalten hat. Gestern kam eine weitere Auszeichnung hinzu: Das Bioland-Hofrestaurant ist das erste im gesamten Landkreis Diepholz, das im bundesweiten Genussführer von Slow Food aufgeführt ist – eine Organisation, die sich der Wertschätzung von Lebensmitteln sowie dem genussvollen Essen und Trinken verschrieben hat.

In diesem Atlas des besonderen Geschmacks sind mehr als 500 Restausrats und Gasthäuser in ganz Deutschland aufgeführt. Gestern überreichten Hans Schüler (Leiter von Slow Food im Landkreis Diepholz) und Sigrid Rother die Urkunde. Beide hatten mehrfach und inkognito im Syker Restaurant gespeist und die gewählten Gerichte – darunter gebackener Ziegenkäse mit Salat, Nudeln von Roter Beete und Kürbis, geschmorte Schnuckenkeule mit Kartoffelgratin – nach Slow-Food-Kriterien bewertet: sinnlicher Genuss abseits vom Massengeschmack, frische und saisonale Grundprodukte, Verzicht auf Aromastoffe, Zusätze und Geschmacksverstärker sowie typische und fast vergessene Gerichte der Region. „Und bezahlbar sollte das Ganze für den durchschnittlichen Gast auch noch sein“, hieß es dazu. Diese Kriterien, so sind sich Schüler und Rother einig, erfülle das Restaurant. Sie kündigten an, auch drei weitere Restaurants im Landkreis noch inkognito testen zu wollen.

In zwei Jahren erfolgt die Neuauflage des Genussführers. Davor werden die Slow-Food-Tester auch bei Holger Oestmann wieder im Restaurant sitzen. Denkbar, dass sie dann geräucherte gelbe Beete, Salat vom Knollenzist oder geröstete historische Schwarzwurzeln genießen.

Denn im Syker Restaurant wechselt die Speisekarte alle zwei Wochen – und je nach Saison kommen seltene Gemüsesorten auf den Tisch, die der Küchenchef von Marco Seibold aus Henstedt bezieht. Denkbar sind genauso Chips aus der Haut vom Lachs. „Wir wollen ja möglichst das ganze Tier verwerten“, wiederholt Oestmann.

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