Jugendhaus-Leiter Carsten Heine möchte Graffiti salonfähig machen

„Das sind doch keine Schmierereien, das ist Kunst“

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Gut eine Woche Arbeit steckt in der Marilyn Monroe, die Graffiti-Künstler Moritz Mann am Jugend- und Kulturzentrum am Lindhof gesprüht hat. Dort ist die einzige Fläche weit und breit, wo so etwas legal möglich ist. 

Syke - Von Michael Walter. Das Jugend- und Kulturzentrum am Lindhof ist in mancherlei Hinsicht einzigartig. Zum Beispiel bietet es die im weiten Umkreis einzige Fläche, auf der sich Graffiti-Sprüher legal verewigen dürfen. Zu wenig, wie Leiter Carsten Heine findet. Denn unter den Sprayern gibt es ganz bemerkenswerte Talente. Eines davon hat Heine jetzt in Moritz Mann kennengelernt.

Moritz Mann hat im Sommer gerade sein Abitur am Syker Gymnasium gemacht und beginnt Mitte Oktober mit dem Studium der Politikwissenschaften. Seit fünf Jahren ist er als Sprayer unterwegs. „Gezeichnet hab ich eigentlich immer schon – in der Schule meist aus Langeweile“, erzählt der 20-Jährige lachend. Irgendwann hat dann ein Freund zu ihm gesagt: Probier's doch mal mit Graffiti. „Zuerst war ich skeptisch“, sagt Moritz. Aber dann ist er doch auf den Geschmack gekommen.

Schnell fand er für sich heraus: Buchstaben malen ist langweilig. „Man macht eigentlich immer nur eine Fläche und umrandet die mit einer Linie.“ Also hat Moritz Mann begonnen, Figuren zu malen. Und mittlerweile sprüht er echte Hingucker.

Die Marilyn Monroe zum Beispiel, die den Besuchern des Jugendhauses schon in der Einfahrt entgegenstrahlt, ist beinahe fotorealistisch. Gesprüht hat Moritz Mann sie quasi frei hand. Ohne Schablone, ohne Vorzeichnen, nur immer mal wieder einen Blick auf das Foto werfend, das ihm als Vorlage diente.

Eine gute Woche Arbeit

Zwei weitere Motive hat Moritz Mann auf die Wand gegenüber gesprüht. In jedem steckt eine gute Woche Arbeit. Und eine ganze Menge Geld für die Farben. Dabei ist er sich bewusst: Das Resultat ist nicht für die Ewigkeit. Denn irgendwann werden andere Sprayer es übermalen. Es gibt eben nur diese eine Fläche weit und breit.

Moritz Mann hat durchaus schon versucht, weitere Flächen in Syke aufzutreiben, auf denen er mit Erlaubnis sprühen darf. Etwa, als er eine vollgekritzelte Wand an einem Kindergarten entdeckte. „Ich habe angeboten, da etwas Schönes draus zu machen. Das war aber nicht gewollt. Höchstens mit einem vorgegebenen Motiv. Und das wollte ich dann wieder nicht.“

Carsten Heine möchte das, was Moritz Mann macht, gern salonfähig machen. „Das sind doch keine Schmierereien, das ist Kunst“, sagt er. „Es ist doch schade, solche Bilder in so einer hinteren Ecke zu verstecken.“

Wer eine Wand für Graffit-Künstler zur Verfügung stellen möchte, kann mit Carsten Heine im Jugendhaus am Lindhof Kontakt aufnehmen: 04242 / 22 75 oder

jugendkulturzentrum@syke.de

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