Selbstversuch: Grashalme überleben Mähversuche schadlos

Sense und Schreiber werden keine Freunde

Anmut und Eleganz: Dieter Niederheide bei seinen ersten Mäh-Versuchen. - Fotos: Jantje Ehlers

Gessel - Von Dieter Niederheide. Ein altes Sprichwort behauptet dass der Esel, wenn es ihm zu wohl geht, aufs Eis geht. Das geflügelte Wort kann, was mich betrifft, erweitert werden mit dem Satz: „Wenn es dem Journalisten zu gut geht, greift er zur Sense und will der Wiese an die Grashalme.“

Heute bin ich überzeugt: Es war zu voreilig, als ich (der körperliche Arbeit bisher mit Erfolg vermeiden konnte) Dr. Thomas Klauke aus Gessel um eine Kurzeinweisung im Umgang mit der Sense bat. Warum ihn, der hauptberuflich als promovierter Maschinenbau-Ingenieur und Physiker bei Airbus sein Geld verdient? Dr. Thomas Klauke hat ein außergewöhnliches Steckenpferd. Er ist Sensenlehrer und Mitglied im Deutschen Sensenverein.

Sein Zertifikat hat er in Österreich erworben. Auf seinem rund 7000 Quadratmeter großen Areal haben er und seine Ehefrau Eva aus einem ehemaligen Maisfeld ein Biotop nebst Streuobstwiese geschaffen. Dort gibt er in der Naturschule auch Sensen-Seminare.

Beim Kreismuseum führte er vor einigen Wochen vor, wie man mit der Sense umgeht – zumindest für den Hausgebrauch. Das wollte ich auch mal ausprobieren! So kam es, dass ich mich dem Sensenlehrer anvertraute und er mir, wenn ich das scharfe Sensenblatt in der Hand hielt, gar nicht so recht traute und lieber gebührenden Abstand hielt.

Sein erster Rat: „Wenn Ihnen das Sensenblatt aus der Hand fällt, nicht nachgreifen! Das kann schmerzvoll für die Hand werden.“ Mein Respekt vor der Sense steigt spontan.

Es gibt eine Einweisung, ich bekomme eine Sense, die er auf meine Körpergröße einstellt. Und dann darf ich mit dem Wetzstein die Schneide schärfen. Klauke passt auf, dass ich das Sensenblatt auch richtig in der Hand halte.

Irgendwann ist es dann soweit. Ich darf mähen – kann es aber nicht. In seinem Flyer hatte ich gelesen, dass das Mähen den ganzen Körper bewegt. Im Grunde richtig. Gilt nur nicht für mich. Stocksteif, statt mich in der Hüfte zu bewegen, versuche ich, die Halme einen Kopf kürzer zu machen.

Im Flyer steht unter dem Stichwort „effektiv“: „Vom kleinsten Eck bis 2 Metern Mähbreite: Schneller, als Sie glauben. Von gemütlich bis sportlich.“ Angesichts meiner verzweifelten Mähversuche ist von sportlich bestimmt nicht die Rede. Von gemütlich merke ich nichts, und für den Hausgebrauch reicht es auch nicht.

Dengeln macht Spaß – und Muskelkater

Aber das Sportlich, das merke ich – allerdings erst abends zu Hause, als mein Rücken, meine Oberschenkel und meine totale Müdigkeit sich bemerkbar machen.

Beim Sensenlehrer sah das alles so leicht, so beschwingt aus. Und bei mir? Allein schon meine Körperhaltung – sie mag einem Fragezeichen zur Ehre gereichen. Nur: Beim Mähen sollte man gerade stehen.

Dengel, dengel, dengel, dengel!

Aber so schlecht bin ich nun auch nicht, verrät mir der Blick nach hinten: Einige Halme habe ich dann doch abrasiert. Was mögen nur die vier Schafe in der Nähe denken? Ihr anfeuerndes „Mäh, Mäh“ scheint meine Mäh-Versuche etwas höhnisch zu begleiten. Dann folgt das Dengeln der Schneide. Das, findet Dr. Thomas Klauke, mache ich gar nicht so schlecht. Es klingt ein bisschen wie die Amboss-Polka. Das ist doch Musik in meinen Ohren, Dengeln macht Spaß. Und bringt Muskelkater.

Wenn mir auch bewusst war, dass mein Körper schmerzende Signale aussenden würde (hat er auch glatt getan): Das Mähen, Dengeln und Wetzen der Schneide in frischer Luft, den Duft des Grases in der Nase, dazu Vogelgezwitscher, das alle war eine Entschädigung für die späteren Rücken- und Oberschenkelschmerzen.

Ich war zu Besuch in einem Stück Paradies, habe etwas geschwitzt und ging mit einem gehörigen Respekt vor der Sense und der Arbeit damit.

Der Sensenlehrer gab sich wirklich alle Mühe mit mir. Nur eines ist mir klar geworden: Die Sense, das Mähen und ich, wir werden nicht unbedingt Freunde. Des Sensenlehrers Meinung über meine Fertigkeiten beim Mähen oder Dengeln habe ich vorsichtshalber gar nicht erst eingeholt.

Im übrigen bin ich froh, dass wir zu Hause Blumenkästen haben.

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