Ratspolitiker mit unerwarteten Fragen konfrontiert

Schnee schippen bei 30 Grad

Moderator Henning Plaue (im Vordergrund) hatte wenig Grund, in die Gesprächsrunde einzugreifen. Den Fragen der Trialog-Klienten stellten sich (von links) Gerhard Thiel, Reinhard Hansemann,Gabriele Beständig, Wilken Hartje und Karsten Bödeker. - Foto: Heinferied Husmann

Syke - Von Michael Walter. „Was tut ihr eigentlich für uns?“ – Unter diesem Titel hatten die Klienten von Awo-Trialog die in Syke kandidierenden Parteien zu einer Fragerunde ins Gleis 1 eingeladen. Und bis auf die Linke, die in Syke in Person von Einzelkämpfer André Fieseler antritt, hatten alle Parteien am Montag Abend einen Vertreter dabei.

Trialog kümmert sich um Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung. Auch die haben Wahlrecht, und sie haben Bedürfnisse. Manchmal besondere, häufig aber auch überraschend normale. Gleich die erste Frage hätte genausogut auch bei jeder anderen Wahlveranstaltung auftauchen können: „Wieso werden im Winter die Nebenstraßen und die Fußwege eigentlich nicht geräumt?“

Bei 30 Grad im Schatten hatte wohl keiner der Kandidaten mit diesem Thema gerechnet. Reinhard Hansemann (FDP) fand als erster Worte: „Um Streusalz zu sparen“, erklärte er. Und für die Gehwege sei ohnehin jeder Anwohner selbst verantwortlich. „Das ist irgendwann einmal so festgelegt worden“, ergänzte Gabriele Beständig (Freie Wählergemeinschaft). Dafür gebe es in Syke aber viel zu viele Nebenstraßen, lautete die Kritik aus der Runde. Und eine Trialog-Klientin schilderte: Wenn der Schnee in den Nebenstraßen antaut und wieder gefriert, bilden sich tiefe stark vereiste Spurrillen. „Ich bin auf so einer Straße mal gestürzt und lag dann mit gebrochenem Knöchel wochenlang im Krankenhaus. Keiner fühlt sich verantwortlich und alle verweisen auf den eingeschränkten Winderdienst.“

Und die Räumpflicht auf dem Gehweg könnten viele nicht erfüllen. Manche, weil sie gebrechlich oder krank sind, andere, weil sie berufstätig und nicht zuhause sind. Gar nicht gut kamen in der Runde Bemerkungen an, dann müsse man sich eben einen Dienstleister suchen, das koste ja nicht so viel. Moderaror Henning Plaue warf ein: „Für manche sind auch 15 Euro schon zu viel.“

„Ich wohne in Hoope“, schilderte Wilken Hartje (CDU). „Bei mir kommt gar keiner. Auch im Steimker Feld kommt kein Räumfahrzeug. Da sind die Straßen zu eng. Es ist eben manchmal einfach ungerecht.“

Karsten Bödeker (SPD) hält die Räumpflicht auf den Gehwegen ebenfalls für unfair. Allerdings mit einem anderen Aspekt: Zu viele würden sich schlicht davor drücken.

Gerhard Thiel (Grüne) warb für ein generelles Umdenken: „Wir müssen private Initiativen vor Ort stärker einbinden. Es gibt durchaus Leute, die sowas machen.“

Das Thema bezahlbarer Wohnraum bewegt die Trialog-Klienten ebenfalls. Regionalleiter Joachim Schröder: „Wir haben Menschen über Monate in 3.000 Euro teuren Einrichtungen wohnen lassen müssen, weil wir für sie keine Wohnung für 300 Euro gefunden haben.“ Genau da liege ein Teil des Problems, hakte Wilken Hartje ein: „Das Eine bezahlt der Landkreis, das Andere die Stadt.“ Die Möglichkeiten einer Kommune seien begrenzt. Billiger Wohnraum ließe sich vielleicht aus alten Hofstellen oder Scheunen schaffen.

Einwurf aus der Runde: „Dann müssen diese Orte aber an die Infrastruktur angebunden sein.“ Kino, Theater oder der Wochenmarkt seien für viele nicht erreichbar. „Nicht alle wohnen an der B 6, nicht alle haben einen Führerschein, und nicht alle sind in der Lage, mit dem Rad vom Dorf bis nach Syke zu fahren.“

Weitere Themen, die die Trialog-Klienten mit den Ratspolitikern diskutierten, waren unter anderem der Fachärztemangel auf dem Land und die Leerstände an der Hauptstraße.

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