Pro-Aktiv-Centren im Landkreis

Pace wollen das Scheitern junger Leben verhindern

Landrat Cord Bockhop, Andrea Keunecke und Mathias Pornhagen präsentieren das Angebot der Pace. - Foto: Lentvogt

Syke - Von Marc Lentvogt. Kein Geld, keine Wohnung, Ängste oder Traumata – schon in jungen Jahren das Ende eines vielversprechenden Lebens? „Wenn ein Jugendlicher keine Motivation hat, können wir auch nichts machen – wir können ihn nicht zwingen.“ Vollkommen entspannt sitzen Andrea Keunecke und Mathias Pornhagen an einem Tisch im Syker Landratszimmer. Was ihre freundlich offenen Gesichter in diesem Moment sagen: Mit Motivation ist kein Problem unlösbar.

Die beiden Sozialpädagogen sind zwei der vier Angestellten der Pro-Activ-Centren (Pace) im Landkreis Diepholz. Ihr Ziel: „Strukturen zu schaffen“. Strukturen, die ein selbstständiges Leben ermöglichen.

Die Zentren sind ein Angebot an junge Menschen von 14 bis 27 Jahren, die Probleme, die einem geregelten Alltag im Wege stehen, zu beheben. „Erstmal geht es darum, dass die jungen Menschen von 14 bis 27 Hemmnisse haben, eine Ausbildung zu beginnen“, erläutert Keunecke die Zielsetzung – schafft man einen Fixpunkt im Leben, regelten sich viele Probleme häufig zeitnah.

Ob die Schwierigkeiten von der Schule, Drogen, Schulden oder Wohnungslosigkeit herrühren, ist dabei nicht wichtig. „Hilfe aus einer Hand“, versprechen die Pace-Mitarbeiter. „Wir gucken schon ganzheitlich.“ Mit bemerkenswerter Ruhe verweisen sie auf ihre Zusammenarbeit mit Jugendämtern, Jobcentern, Bewährungshelfern oder der Wohnungslosenhilfe: „Netzwerkpartner, die wir nutzen. Das sind professionelle Stellen.“

Vorwürfe würden sie den Jugendlichen, die sich an sie wenden, nie machen. „Da fehlt oft der Hintergrund durch das Elternhaus“, zeigt sich Keunecke betroffen. Doch mitnichten gehe es nur um Problemfälle. „Das sind nette, junge Menschen.“ Schwerwiegende Probleme hätten sie noch nicht gehabt. „Und wenn jemand ganz klar sagt, dass er nicht mehr will, ist das okay.“ Aber: „Sie können immer wiederkommen, wenn es drückt.“ Man müsse sich nicht ständig bei ihnen melden und wenn jemand nicht zu einem Termin erscheine „und für eine Zeit verschwindet“, dann ist es das gute Recht dieser Person. Sie wollen die jungen Menschen begleiten, ihnen nicht ihr Leben diktieren, wollen Stand geben, wo das Umfeld nicht in der Lage ist, und Wissen teilen, wo es fehlt: „Wir unterstützen soweit wie nötig, aber nicht mehr.“

„Böse Fallen sind Krankenkassen-Beiträge“, erklärt Keunecke, wie es in jungen Jahren zu hohen Schulden kommen kann. „Problem ist meistens die Unkenntnis.“ Bei diesem Punkt springt ihr Landrat Cord Bockhop zur Seite: „Ich wollte es gerade sagen. Wäre ich jetzt 18 und würde ausziehen – man kommt gar nicht auf den Trichter.“

Dabei könnte schon eine Kurzberatung helfen, jemanden „in die Selbstständigkeit zu bringen“, weiß Pornhagen aus Erfahrung zu berichten. Mühelos zählt Keunecke diverse Finanzierungsmöglichkeiten auf, deren Beantragung einen hohen Verwaltungsaufwand mit sich bringe und ohne Kenntnis der entsprechenden Stellen und Formulare, Jugendlichen außer Reichweite erscheinen müssen. In den Pro-Aktiv-Centren müsse kein Leben aufgebaut werden, „es ist schon ein Erfolg, wenn Jugendliche wissen, was sie tun müssen“. Mit leuchtenden Augen erzählt die Sozialpädagogin dann von einem „auf den ersten Blick hoffnungslosen Fall“. Es könne schonmal vorkommen, dass sich Langzeitbetreuungen über Jahre hinziehen, doch in diesem Fall konnte nach nur sechs Monaten schon stolz ein selbstständig errungener Praktikumsplatz die neue Lebensphase einleiten.

Cord Bockhop ist froh über das umfassende Tätigkeitsprofil der Pace. „Wir brauchen Hilfsangebote, um Hilfsangebote zu finden – das treibt uns an den Rand der Verzweiflung.“ Bockhop sei ein großer Fan der Centren mit ihrer guten institutionellen Vernetzung und den kurzen Dienstwegen.

Pokémon hat jeder sofort drauf, aber einfachste Dinge wie Wohnung suchen, funktionieren nicht“, beschreibt er mit rudernden Armen die vielen nicht generalisierbaren Einzelfälle, in denen es eine individuelle Betreuung brauche, die von den Kommunen nicht immer ohne Weiteres zu leisten sei. Das eine Mal müsse man mit „begrenzten Ressourcen“ neue Dinge anstoßen ohne zusätzlichen Handlungsspielraum zu erhalten und das andere Mal schafft man neue Hilfsangebote, deren einziger Sinn es sei, die bestehenden Hilfsgebote zu finden. So schaffe man „Strukturen und Doppelstrukturen“, kann aber doch nicht „das Komplettpaket anbieten“. Aber dafür gibt es ja die Pro-Activ-Centren.

Pace-Beratung 

Rathaus Wagenfeld: Jeden zweiten Mittwoch im Monat von 10 bis 12 Uhr. 

Sozialraumbüro Stuhr: Jeden ersten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr. 

Sozialraumbüro Weyhe: Jeden dritten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr. 

INTAKT Syke: jeden Donnerstag von 13 bis 15 Uhr. 

Telefonische Absprache im Raum Sulingen unter 04271/9556421, im Raum Diepholz unter 05441/9761169 und im Raum Syke, Stuhr, Weyhe unter Telefon 04242/9764670 oder -4671.

Mehr zum Thema:

Dresden: Explosionen vor Moschee und Kongresshalle 

Dresden: Explosionen vor Moschee und Kongresshalle 

Warum VHS, DAT und Co. nicht überleben konnten

Warum VHS, DAT und Co. nicht überleben konnten

Schwerer Verkehrsunfall in Weyhe

Schwerer Verkehrsunfall in Weyhe

Kleiderwechsel für das Auto

Kleiderwechsel für das Auto

Meistgelesene Artikel

Vier Schüler auf dem Schulweg verunglückt - zwei Schwerverletzte

Vier Schüler auf dem Schulweg verunglückt - zwei Schwerverletzte

Premiere „im Großen und Ganzen ein Erfolg“

Premiere „im Großen und Ganzen ein Erfolg“

63 Schüler durch Pfefferspray verletzt

63 Schüler durch Pfefferspray verletzt

Raubüberfall: Zwei Männer krankenhausreif geschlagen

Raubüberfall: Zwei Männer krankenhausreif geschlagen

Kommentare