Feuchte Toilettentücher machen Klärwerk die Arbeit schwer

Saubermacher als Maschinenkiller

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Betriebsleiter Stefan Ehlers und Techniker Khaled Atris zeigen das Problem: Die Überreste der feuchten Tücher verknäulen und verklumpen, wickeln sich um die Turbinenräder und verstopfen schließlich die Pumpen. Was die beiden hier zeigen, haben ihre Kollegen an nur zwei aufeinanderfolgenden Tagen aus einer einzigen Pumpe geholt. 

Syke - Von Michael Walter. Starke Reinigungswirkung, frischer Duft, fusselfrei und besonders hautfreundlich: Mit solchen Argumenten wirbt der Handel für feuchte Toilettentücher. Den Mitarbeitern der Syker Kläranlage fallen da aus dem Stand ein paar ganz andere Attribute ein. Denn für sie erweisen sich die Saubermacher zunehmend als Problem, genauer: als Maschinenkiller.

„Die feuchten Tücher verstopfen unsere Pumpen“, erklärt Betriebsleiter Stefan Ehlers. „Das kommt in den letzten Jahren immer häufiger vor.“

146 über das gesamte Stadtgebiet verteilte Pumpstationen sorgen dafür, dass das Abwasser aus den Außenbezirken in den Stadtkern gelangt, wo es dann durch das Gefälle des Kanalsystems bei der Kläranlage an der Plackenstraße ankommt. Die Pumpen sind von unterschiedlicher Größe und Bauart. Aber selbst die, bei denen die Turbinenräder sogar extra als Häcksler konstruiert sind, kapitulieren vor den Vliestüchern. Die Fasern wickeln sich mitunter geradezu kunstvoll um die Messer – bis die blockieren und die Pumpe stillsteht.

Häckseln ist auch sonst keine Lösung, hat das Team vom Klärwerk festgestellt. Egal wie klein: „Die Fasern finden sich wieder, und es knäult sich hinterher wieder zusammen“, sagt Ehlers.

Pumpen werden elektronisch überwacht

Zuständig für die Wartung der Außenpumpen ist Wilfried Meyer. „Die Pumpen werden elektronisch überwacht“, erklärt er. „Alle fünf Minuten wird der Status automatisch abgefragt. Sobald es eine Störung gibt, müssen wir einen Techniker rausschicken.“ Grund: Wenn der Motor ausfällt, kann es zu einem Überlaufen kommen, und dadurch kann der Boden verunreinigt werden. Solche Störungen sollten eigentlich die Ausnahme sein. Sind sie aber nicht. Meyer: „Inzwischen haben wir im Schnitt drei bis viermal pro Woche einen Pumpenausfall. Meistens nachts. Da freut sich der Kollege besonders. Jetzt im Sommer geht das ja noch. Aber der muss dann ja auch bei Schnee und Regen raus.“

Eine technische Lösung des Problems gibt es bis jetzt noch nicht. Das ist für Stefan Ehlers auch gar nicht erforderlich. Denn die eigentliche Lösung ist für ihn ganz einfach: „Das Zeug gehört nicht in die Toilette, sondern in den Hausmüll. Das steht auf den meisten Packungen sogar ausdrücklich drauf.“

Wie Ehlers und sein Team setzt auch Erster Stadtrat Thomas Kuchem auf das Erklären des Problems und darauf, die Menschen dafür zu sensibilisieren. „Die Leute schießen sich doch ins eigene Knie, wenn sie das Zeug einfach runterspülen. Denn die Kosten, die dadurch im Klärwerk entstehen, werden auf die Abwassergebühren umgelegt. Und die muss jeder zahlen, nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Mieter. Da taucht die Abwassergebühr bei den Nebenkosten wieder auf.“

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