Ohne gute Reinigung geht es nicht

Brennende Strohpressen: Ursachen und Gegenmaßnahmen

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Oliver Wesemann (l.), Monteur bei Newtec in Syke-Heiligenfelde und Christian Lühs, Landwirt aus Wagenfeld, kontrollieren eine Rundballenpresse. Mit einem „Luftmoped“ kann Wesemann die Maschine reinigen.

Syke - Von Marvin Köhnken. Sobald ein Feld abgeerntet ist, kommen die Rundballenpressen und drücken zusammen, was die Mähdrescher übrig gelassen haben. Wenn es im Sommer heiß und trocken ist, sind die markanten Pressen vielfach im Einsatz. Immer wieder kommt es dabei zu Bränden, die sich auch auf das Feld auszubreiten drohen. Warum ist das so?

Landmaschinen-Experte Hendrik Hüsker nennt Stroh- und Heureste, die sich bei der Arbeit an schwer zugänglichen Stellen innerhalb der Maschine sammeln, als wichtigste Ursache für in Flammen aufgehende Rundballenpressen. Zur Erntezeit seien die Geräte oft zwölf Stunden oder mehr im Einsatz. Häufig bei hohen Temperaturen und auf knochentrockenen Feldern.

„Getreide-Stroh ist nach Papier das brennbarste Material, das es gibt. Wenn die Sonne auf die Presse knallt, wird es unter den Blech-Abdeckungen leicht 50, 60, 70 Grad heiß“, erklärt Newtec-Agrartechnik-Mitarbeiter Hüsker den sogenannten Backofen-Effekt.

Multimedia-Grafik: Brandursachen

Hitze und Stroh- oder Heureste - sogenannte Kaffnester - lösen allein aber noch kein Feuer aus. Damit Flammen entstehen können, ist auch ein Funke notwendig, der mehrere Ursachen haben kann. Mitunter reiche schon ein Stein, der vom Boden in die Presse gerät, sagt Hüsker. „Diese Situation entspricht dem klassischen Feuerstein-und-Zunder-Prinzip.“ Wenn dann auch noch die Sauberkeit der Maschine unzureichend ist, sei die Gefahr noch einmal höher. „Da ist Vorsicht geboten!“, warnt Hüsker trotz allem Zeitdrucks während der Ernte.

Eine Presse produziert bis zu 50 Ballen pro Stunde

Der wichtigste Brandauslöser sind laut dem Technik-Experten Defekte in der Mechanik der Rundballenpresse. „Da gibt es viele bewegliche Teile, die es ermöglichen, in einer Stunde 40 bis 50 Ballen pressen können.“ Auch diese könnten Funken schlagen und den unvermeidlichen Staub sowie Kaffnester in Brand stecken.

Während in größeren Landmaschinen wie Quaderballenpressen viele Schutzvorrichtungen wie Belüftungs- und Renigungsgebläse Platz finden, fällt das Saubermachen einer Rundballenpresse schwieriger aus. Der anfallende Dreck bleibt stundenlang in der Maschine und wird im Regelfall erst am Abend vom Landwirt entfernt. „Es gibt keine Notwendigkeit zur permanenten Reinigung“, sagt Hendrik Hüsker. Allerdings: Nur einmal am Abend zu reinigen, reiche nicht aus. Man müsse auch hin und wieder für Sauberkeit sorgen - beispielsweise zwischen der Arbeit auf einzelnen Feldern.

Dass auch abends nicht immer alles blitzblank geputzt wird, könne viele Gründe haben, ist auch Jörg Huthmann überzeugt. Der Bremer Landwirtschaftsexperte fasst viele der Probleme unter einem Stichpunkt zusammen: gewaltiger Zeitdruck. „Nach einem 14- bis 18-Stunden-Tag wird die Maschine meist nur oberflächlich gereinigt. Dann können sich Ablagerungen, zum Beispiel Strohreste, in der Nähe heißer Aggregate entzünden.“ Als „Bauernschelte“ will Huthmann diese Aussage aber nicht verstanden wissen, mangelnde Reinigung sei nur eine mögliche Ursache von vielen. Die Statistik zeige zudem, dass Brände im Zusammenhang mit Rundballenpressen nicht übermäßig oft vorkommen. 

Hendrik Hüsker ergänzt: „Seit 15 Jahren sinkt die Zahl der Brände pro eingesetzter Presse deutlich.“ Die Landwirte und Lohnunternehmer hätten natürlich ein großes Eigeninteresse, dass ihre in der Erntezeit so wichtigen Geräte nicht in Flammen aufgehen. Und: „Keine Versicherung ersetzt einem den Wert einer kompletten Maschine.“ Dass es doch so oft brennt, habe einen einfachen Grund: Es gibt heute einfach viel mehr Pressen als früher.

Hilfe bieten „Luftmopeds“, Kunststoff und Wartung

Wenn es nach der Arbeit darum geht, die Rundballenpresse zu reinigen, empfiehlt Hüsker ein „Luftmoped“ - einen leichten Akku-Laubbläser, wie ihn jeder Baumarkt anbietet. „Da kann man sofort auf dem Feld die Reinigung erledigen und pustet auch den ganzen Staub, der einem schon beim Aussteigen aus dem Traktor entgegen kommt, ganz einfach weg.“ So bleibe abends auch der eigene Hof mitsamt Vorgarten sauber.

Oliver Wesemann zeigt es: Viele bewegliche Teile ermöglichen den Betrieb einer Rundballenpresse.

Die Hersteller unterstützen den Brandschutz, indem sie Metall-Abdeckungen wenn möglich durch Kunststoff-Elemente ersetzen. „Sicherheit geht da vor“, sagt Hüsker. Zwar lassen sich alle Elemente zur Reinigung und Wartung freilegen, auf dem Feld müsse aber alles verschlossen bleiben. Sensoren, die die Temperatur einer Maschine prüfen und die bereits in Mähdreschern eingesetzt werden, können womöglich bald den Weg in Rundballenpressen finden. Und auch Gebläse, wie es sie schon in die großen Quaderballenpressen geschafft haben, sind letztlich denkbar. 

Einschränkend wirken letztendlich der verfügbare Platz in einer Presse und der finanzielle Rahmen. Rundballenpressen kosten laut Hüsker nur ein Drittel des Preises ihrer großen Verwandten.

Zu guter Letzt - da ist Hüsker durch und durch Newtec-Fachmann - müsse es im Winter selbstverständlich darum gehen, die Maschine regulär vom Fachmann warten zu lassen. Eine solche Inspektion lege den Grundstein für die kommende Ernteperiode. Allem Zeitdruck, der Hitze, dem Kaff und den Steinen zum Trotz.

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