Das Interesse an Baumgräbern wächst

Ruhestätten unter den Linden

Friedhofsgärtner Stefan Behrens am Baumgräberfeld auf dem Syker Waldfriedhof. - Fotos: Detlef Voges

Syke - Von Detlef Voges. Bestattungen sind längst nicht mehr so wie vor 100 Jahren. Sie haben sich durchaus den veränderten Gesellschaftsbedingungen angepasst: Angehörige fehlen, Kinder wohnen weit weg – die Pflege des Grabes ist zu einem Problem geworden. Die Verwaltung des Syker Waldfriedhofs setzt deshalb auf Alternativen, darunter Baumgräber.

„Wir bieten den Leuten neue Möglichkeiten der Bestattung an“, sagt Hilke Schimke von der Friedhofsverwaltung und erwähnt von den neuen Gräberarten besonders das Baumgräberfeld im oberen Bereich des Friedhofes. Einer der Vorteile für die Angehörigen: Es besteht keine Verpflichtung zur Grabpflege. Die übernimmt die Friedhofsverwaltung.

Die Baumgräberstätten sind jeweils einem bestimmten Baum zugeordnet. Die Auftraggeber können zwischen drei Baumarten wählen – Linde, Eiche und Buche. Ein Nutzungsrecht an der Grabstätte verleiht die Friedhofsverwaltung nicht. Zum Gedenken wird eine Namenstafel an einem Stein angebracht. Die genaue Lage des Grabes ist nicht gekennzeichnet.

Das Gräberfeld auf dem Waldfriedhof besteht aus 16 Bäumen. Zwölf Gräber pro Baum sind möglich. Zurzeit sind im Baumgräberfeld etwa 130 Urnen. Diese Urnen sind übrigens nicht direkt am Stammende eingelassen, sondern im Rasen umzu. „Das Interesse an dieser Art der Bestattung ist in der Bevölkerung gewachsen“, sagt Friedhofsgärtner Stefan Behrens und spricht von einem festen prozentualen Anteil. „Es handelt sich eigenlich um ein Grabgemeinschaftsfeld“, so der Friedhofsgärtner.

Das Gräberfeld präsentiert sich schmucklos und naturnah. Das war nicht immer so. Trauernde hatten nach Beisetzungen die Baumscheiben mit Grabschmuck, Blumen und Erinnerungsgegenständen belegt und auch Sachen an und in die Bäume gehängt. Darunter auch ein Namensschild in Autokennzeichenform wie es Lkw-Fahrer hinter ihren Frontscheiben haben. „Das hat wild ausgesehen“, erinnert sich Behrens. Da habe alles Mögliche herumgelegen. Der Naturcharakter sei dahingewesen. Es gab Beschwerden.

Der Kirchenvorstand reagierte und rief zu einer Aufräumaktion auf. Er untersagte fortan das Ablegen von Grabschmuck jeder Art am Baum und richtete eine gemeinsame Ablagefläche für Blumen und Grabschmuck ein. Zudem bepflanzte das Friedhofsgärtner-Team die Baumscheiben.

Wer die Urne nicht im Rasen einlassen möchte, für den hält der Friedhof jetzt eine Alternative bereit: Gräber in einem bepflanzten Beet mit einem Baum im Zentrum. Die Pflege des Beetes übernimmt die Friedhofsgärtnerei.

Was an diesem Angebot noch fehlt, macht ein Projekt in der Nachbarschaft deutlich: Partnergräber.

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