Er wäre der Jüngste weit und breit

Ristedter wollen 26-Jährigen zum neuen Ortsbürgermeister

„Bei der Kommunalwahl habe ich nicht ansatzweise große Hoffnungen gehegt. Ich hatte überhaupt keine Erwartung“: Lars Heuer-Brockhoff mit dem Wahlplakat, das ihn oben auf dem Stein zeigt.

Syke - Von Heinrich Kracke. Sie wollen neue Strukturen. Und sie wollen neue, junge Gesichter. Sykes Wähler haben vor vier Wochen entschieden und quasi über Nacht einen Erdrutsch versucht. Nichts ist mehr wie es war. Die SPD, die CDU und die FWG kommen auf jeweils acht Sitze im Stadtrat, und das macht es schwierig. Gleichzeitig entwickelten sich junge Bewerber zu Hoffnungsträgern. Einer von ihnen ist der 26-jährige Lars Heuer-Brockhoff aus Ristedt. Und gar nicht mal mehr unwahrscheinlich, dass er am Ende als gegenwärtig jüngster Ortsbürgermeister weit und breit in die Geschichte eingeht.

Ein Laptop auf dem Esszimmertisch in der elterlichen Stube, ein kleiner Aktenordner, aus dem ein Lineal hervorlugt. Das genügt ihm als Büro. Irgendwo abgespeichert die Wahlergebnisse von jenem 11. September, der alles veränderte. Lars Heuer-Brockhoff schlägt in Ristedt mit 327 Stimmen zu Buche. Die Nächstplatzierten weisen mehr als hundert Stimmen Rückstand auf. Ein klares Votum. Die Wähler wollen ihn zum Oberhaupt. Ob es bei der konstituierenden Ortsratssitzung am 2. November tatsächlich aber dazu kommt, steht noch in den Sternen. Die Christdemokraten sind lediglich mit zwei Mitgliedern im Ortsrat vertreten, zwei Mitglieder weisen auch die Sozialdemokraten auf, ein Mitglied die Freien Wähler. Da ist noch vieles möglich.

Heuer-Brockhoff bleibt trotzdem einigermaßen gelassen. „Natürlich gibt es das Wähler-Votum. Und ich bin es durchaus auch gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. In der Familie, auf dem Hof, in den Vereinen. Aber innerhalb der nächsten vier Wochen kann noch viel passieren.“ Gewiss, er wolle Gespräche über Parteigrenzen hinaus führen, wolle ausloten, wo es Gemeinsamkeiten gebe, das sei er den Wählern schuldig, aber die Abstimmung Anfang November könne er natürlich nicht beeinflussen.

Es dauerte einige Zeit, ehe er das Wahlergebnis realisierte, räumt der 26-Jährige ein. „Ich habe nicht ansatzweise große Hoffnungen gehegt. Ich hatte überhaupt keine Erwartung.“ Von Renate Brühning war er einst angesprochen worden, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könne. Konnte er nach reiflicher Überlegung. Allerdings schloss er sich dazu keiner Partei an, auch nicht der CDU, auf deren Liste er steht. „Ich glaube, in der Kommunalpolitik ist eine Parteienzugehörigkeit nicht so wichtig. Da geht es um regionale Themen und gute Ideen, die oft auch über Parteigrenzen hinweg diskutiert werden.“ An dieser Linie werde er festhalten, egal, was komme. „Ich sage meine Meinung, hab sie als Zuhörer auch schon in früheren Ortsratssitzungen gesagt, aber ich verharre nicht auf meiner Sichtweise. Mich interessieren ebenfalls die anderen Argumente, ehe dann Kompromisse gefunden werden.“ Und auch seine bisherigen Prinzipien werde er nicht über den Haufen werden, ganz gleich, zu welchen personellen Entscheidungen der Ortsrat komme. „Ich werde weiterhin ein offenes Ohr für alle Belange haben, ich werde Rede und Antwort stehen, ich werde wie bisher Hilfe leisten, wo immer sie gebraucht wird.“

Er hätte auch die Zeit, sich dieser Dinge anzunehmen. Vor allem gegenwärtig. Im August schloss Lars Heuer-Brockhoff sein Studium auf Lehramt für Gymnasien in den Fächern Biologie und Chemie mit der beeindruckenden Note von 1,75 ab. Und das Referendariat beginnt erst im Februar. „Ich habe mich um einen Standort in Bremen und Niedersachsen beworben, ich möchte möglichst in der Nähe bleiben.“ Erstwohnsitz bleibe auf jeden Fall Ristedt; sollte sein Einsatzort zu weit entfernt liegen, wolle er sich die ewige Fahrerei mit einem Zweitwohnsitz ersparen.

Noch allerdings hält er die Füße unter den Tisch im Elternhaus. Hund Twix wuselt um ihn herum, und eigentlich ist es wie immer, sagt der 26-Jährige. „Ich habe hier eine schöne, unbeschwerte Kindheit genossen.“ Allerdings sei das Elternhaus keine Dauerlösung. „Ich suche mir später ‘was. Irgendwann werde ich das Nest verlassen.“ Er schmunzelt.

Sein Wahlerfolg in Ristedt ist allerdings keine Eintagsfliege. Auch für die Stadtratswahl kandidierte er, auf Listenplatz 19 hatten ihn die Christdemokraten gesetzt. Jetzt ist er mit 265 Stimmen erster Ersatzbewerber hinter den acht CDU-Vertretern im höchsten Syker Gremium. Und selbst das ist kein Einzelfall. Weitere junge Leute sorgten für überraschend gute Ergebnisse. Jannis Petermann zum Beispiel, der in den Gesseler Ortsrat einzieht, oder Manuel Schulenberg, der in Heiligenfelde Sitz und Stimme erhielt. Beide bereichern künftig auch die Stadtratsfraktion.

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