Frischekiste finanziert Neubau einer Packhalle teilweise über Crowdfunding

Porree, Karotten und Kartoffeln als Rendite

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Heinz-Jürgen Michel zeigt vor der Baustelle die Währung, in der die Frischekiste ihre Darlehen bei den Kunden zurückzahlt: Obst und Gemüse. Mit Hilfe des Crowdfunding hat das Gesseler Unternehmen rund 70.000 Euro für den Bau der Packhalle eingenommen. 

Gessel - Von Frank Jaursch. Es tut sich was auf dem Gelände der Frischekiste – mehr noch als ohnehin schon: In den kommenden Wochen wird im hinteren Bereich des Areals eine 420 Quadratmeter große Packhalle entstehen. Das Außergewöhnliche dabei: Etwa 70 Kunden des Bioland-Unternehmens finanzieren den Neubau mit. Und sie bekommen ihre Rendite in Naturalien ausbezahlt: in Gemüse, Obst und anderen Artikeln aus dem umfangreichen Frischekiste-Sortiment.

Heinz-Jürgen Michel, einer der Inhaber der Frischekiste, ist angetan von der Bereitschaft der Kunden, dem Unternehmen zu helfen. Bereits vor vier Jahren hatten sich die Gesseler Unternehmer mit einem freundlichen Darlehenswunsch an seine Kunden gewandt. Damals sollte ein neues, erdgasbetriebenes Kühlfahrzeug gekauft werden.

In einer Bioland-Fachzeitung las Michel von der Idee. Bis zur Umsetzung war es dann nur ein kleiner Schritt: „Wir haben einen Zettel in die Kiste gelegt“, so Michel. Der Vorschlag: Die Kunden geben einen Geldbetrag und erhalten dafür künftig ihre Frischekisten geliefert, außerdem als Bonus eine Gutschrift von fünf Prozent aufs Kundenkonto. „Wir waren damals richtig überrascht, wie viel dadurch zusammenkommt“, erinnert sich Michel.

Von 600 angeschriebenen Kunden beteiligten sich etwa 40. „Die haben etwas Geld übrig, und sie haben das Vertrauen zu uns.“ Vertrauen, das die Frischekiste innerhalb eines Jahres auf Sellerie und Rettich zurückzahlte – inklusive Bonus.

Weil die Idee vom Bio-Crowdfunding so gut lief, war die Idee auch schnell wieder auf dem Tisch, als es an die Finanzierung der neuen Packhalle ging. Schon seit rund zwei Jahren schwebt die Idee von einem Neubau im Raum.

Wo früher ein Treckerschuppen stand, sollen künftig die grünen Frischekisten mit den Produkten befüllt werden. Der bisherige Packraum soll für die Lagerung genutzt werden. „Es ist hier schon lange zu eng“, erklärt Michel, „beim Packen steht man sich oft im Weg.“

Unter dem Motto „Zur Bank gehen können wir ja immer noch“ suchten Heinz-Jürgen Michel und Jochen Voigt also erneut Geldgeber im Kundenkreis. Und wurden abermals fündig. Etwa 70.000 Euro stellten die privaten Darlehensgeber bereit. Der Frischekiste kommt dabei zugute, dass sie nicht mit irgendeiner Dienstleistung oder einem austauschbaren Produkt handelt.

„Wir finden die Idee ganz gut und sind dem Laden seit Jahren verbunden“, schildert etwa Peter Wiggers. Der Gödestorfer ist einer der Geldgeber – und von dem Konzept überzeugt. Ihm sei es wichtig, dass auch so ein Betrieb mit einer „vernünftigen wirtschaftlichen Grundlage“ existieren könne, so Wiggers.

Und weil es derzeit ohnehin keine Aussicht auf höhere Zinsen gebe, sieht er sein Geld bei dem Projekt gut aufgehoben. Mitgemacht hätte er im übrigen auch ohne den Bonus: „Auf die 50 Euro kommt’s ja auch nicht an.“ Und noch einen Vorteil habe sein Investment: Das Kundenkonto ist vorerst prall gefüllt. „Jetzt wird da erst mal zwei Jahre lang nichts abgebucht.“

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