Duo „Grammophon und Schellack“ entführt Besucher im Ratssaal mit Witz und Charme musikalisch in die 1920er-Jahre

„Heute ist die gute alte Zeit von morgen“

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„Grammophon und Schellack“ in ihrem Element – bei „Ich küsse Ihre Hand, Madame“. 

Syke - Von Frank Jaursch. Eine Reise in die „gute alte Zeit“ haben gestern Nachmittag rund 90 Frauen und Männer im Ratssaal unternommen. Ihr Reiseleiter trug Frack und Zylinder, Schal, Fliege und Kummerbund: Stan Hemken, Sänger des Ensembles „Grammophon und Schellack“, entführte seine Zuhörer 17 Lieder lang in die 1920er- und 1930er-Jahre.

Gemeinsam mit seinem Akkordeonisten Jano Blase brachte er dem aufmerksamen Publikum die Ohrwürmer von einst näher. Dabei kam es mehr als einmal zum Aha!-Moment, wenn der Refrain erklang und so mancher Zuhörer erkannte, dass Melodie und Text jahrzehntelang irgendwo im Gehirn gespeichert waren und man das Stück nun wie von selbst mitsingen konnte.

Dem Duo gelang es dabei spielerisch leicht, die Zuhörer in den Bann zu ziehen. „Sie sind so still hier, haben Sie sich nichts zu sagen?“, fragte Hemken einmal halb irritiert in die Runde. Doch die Ruhe war durchaus als Kompliment an die Künstler zu verstehen. Die hatten nämlich nicht nur tolle Texte und kreative Kompositionen von einst, sondern auch handwerklich saubere Arbeit zu bieten.

Hemken gelang der Spagat zwischen Comedian Harmonists und Max Raabe. Er traf die Töne sicher und wechselte, wo nötig, spielerisch leicht in die Kopfstimme. Und Blase füllte mit seinem „Pressluftklavier“ gekonnt den Raum, auch wenn man sich beim einen oder anderen Stück noch die zweite Hälfte des eigentlich vierköpfigen Ensembles – Violine und Kontrabass – hinzugewünscht hätte.

Spaß hatten Künstler und Zuschauer aber auch so allemal. Mit „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?“ oder „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ etwa. Und bei Stücken wie „Was kann der Sigismund dafür“ oder „Veronika, der Lenz ist da“ bildete das Publikum einen veritablen Hintergrundchor. Gefühlter Überraschungssieger des Nachmittags aber wurde „In einer kleinen Konditorei“, bei dem sich der vielstimmige Gesang im Ratssaal richtig toll anhörte.

Die Zeit zwischen den Titeln überbrückten die Künstler souverän mit humorigen Geschichten zu den Stücken. Zudem kokettierten sie mit einzelnen Zuschauern. So wurde die gute Adelheid im Laufe des Konzertes gleich mehrfach mit Verkupplungs-Versuchen in Richtung Jano Blase konfrontiert, meisterte die augenzwinkernden Annäherungsversuche aber sehr souverän.

Etwas irritiert blickten die Besucher, als Hemken bei „Oh Donna Clara“ ein eingewickeltes Butterbrot herausholte. Eine Pause zur Unzeit? Natürlich nicht: Das Knistern des Butterbrotpapiers brauchte er, um mit näselnder Stimme den Grammophon-Klang von damals zu simulieren.

Einmal moderierte der Sänger das falsche Stück an, fing sich aber souverän. Schließlich sei so ein Auftritt am Nachmittag etwas ganz Ungewöhnliches. „Für Musiker ist es jetzt noch mitten in der Nacht“, lachte Hemken.

Die überwiegend weiblichen Gäste genossen die Reise in die vergangene Zeit spürbar. Das Duo hatte noch eine wichtige Botschaft für das Jetzt parat: „Heute“, so betonte Stan Hemken, ist die gute alte Zeit von morgen!“

Wieder einmal hatten die Organisatorinnen von den Syker Senioren 50Plus ein gutes Händchen bei der Wahl der Künstler bewiesen. Oder, um es mit einer Textzeile aus jenen guten alten Zeiten zu sagen: „Für einen richtigen Mann gibt es keinen Ersatz.“

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