Hitzige Debatte über geplantes Wohngebiet im Okeler Ortskern

Glatteis im Bauausschuss

Syke - Von Michael Walter. Gerd Thiel mag es geahnt haben: „Die Tagesordnung ist kurz. Das heißt, wir werden lange diskutieren“, sagte der Vorsitzende des Bauausschusses nicht ohne Sarkasmus, als er Donnerstagabend im Ratssaal die Sitzung eröffnete. Er sollte Recht behalten.

Reichlich Gesprächsbedarf bot vor allem der anstehende Bebauungsplan für den Okeler Ortskern. Der ist jetzt schon seit etwa zehn Jahren in der politischen Diskussion. Links und rechts der L 333 und entlang der Straße Alte Beeke sollten ursprünglich einmal 12 bis 15 Bauplätze entstehen – überwiegend als Lückenbebauung und in zweiter Reihe. In etlichen Bürgerbeteiligungen und Beratungen entwickelte diese Idee eine beträchtliche Eigendynamik, so dass daraus bis jetzt 33 Bauplätze geworden sind.

Ende 2014 fasste der Rat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Und der könnte jetzt sozusagen auf die Zielgerade einbiegen: Der Satzungsentwurf für die finale Abstimmung liegt vor. Es gibt zwar noch Differenzen mit dem Investor bezüglich der benötigten Ausgleichsflächen, aber die Verwaltung geht davon aus, das bis zur Ratssitzung am 1. September geregelt zu haben.

SPD, Grüne und SykePlus lehnten den Entwurf jedoch ab. „Die Verwaltung hat uns hier aufs Glatteis geführt“, wetterte Heinfried Schumacher (SPD). „Ich fühle mich offen gesagt verarscht.“ Erstens sei das Baugebiet jetzt mehr als doppelt so groß wie das ursprünglich angedachte. Zweitens habe der Rat erst vor Kurzem beschlossen, größere Wohngebiete nur noch entlang der Siedlungsachse Heiligenfelde – Syke – Barrien auszuweisen. Schumacher sprach von einer „Fehlentwicklung“, die aus dem Ruder gelaufen sei.

Schumacher: „Ich fühle mich verarscht“

Jutta Filikowski (Grüne) rechnete vor: Knapp 35 Häuser würden 50 zusätzliche Autos und 20 Kinder bedeuten. „Das wir den Ort verändern. Und als nächstes reden wir dann über Tempo 30.“

Wolfgang Reß (SykePlus) zeigte sich „erschüttert“ von der Größe des Plangebiets. „Das als moderate Entwicklung zu bezeichnen, ist ein Hohn.“

Wilken Hartje (CDU) bezichtigte seine Kollegen der „Schauspielerei“. Sie mögen doch nicht so tun, als würden sie diese Pläne zum ersten Mal sehen. „Das Ding wird doch schon lange diskutiert!“ Darüber hinaus habe der Ortsrat geschlossen für diesen Entwurf gestimmt. „Wollen wir jetzt eine einstimmige Entscheidung gegen die Wand fahren?“

Das wäre ja nicht das erste Mal, hielt Peter Cohrsen (SPD und Barrier Ortsbürgermeister) dem entgegen. Der Rat habe mit der Mehrheit von CDU, BSF und FDP allein in diesem Jahr schon zwei einstimmige Entscheidungen des Barrier Ortsrats gekippt.

Heinfried Schumacher beantragte die Vertagung. Das lehnte der Ausschuss mit 5:6 Stimmen ab. Die anschließende Abstimmung über den Satzungsentwurf ging genau andersrum aus: 6:5 Stimmen dafür.

Den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Am Schwarzen Meer“ empfahl der Ausschuss übrigens einstimmig und ohne Debatte.

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