Kreislandwirt Wilken Hartje kommentiert die beginnende Erntesaison / Mäßiger Ertrag bei Gerste

„Ganz viel muss immer noch der liebe Gott machen“

Mähdrescher während der Ernte auf einem Getreidefeld bei Ochtmannien. - Archivfoto: Kurt Henschel

Landkreis Diepholz - Die Gerste „habe mehr versprochen, als sie gehalten hat“, erläutert Kreislandwirt Wilken Hartje. Bevor ein weiterer langer Erntetag beginnt, besucht er die Redaktion dieser Zeitung, um über den Erntebeginn zu sprechen. Zu Prognosen bezüglich der nächsten Wochen möchte er sich jedoch nicht hinreißen lassen. Wie die Ernte ausfällt? „Kann man nicht im Vorfeld schätzen.“ Für Hartje ist aber genau das ein entscheidender Aspekt, in der seine Liebe zur Landwirtschaft begründet liegt.

Noch sei er sauber, kommentiert er zu Beginn lachend, daher finde er noch einen Moment Zeit. Doch im Laufe des Tages wird sich das noch ändern. Man merkt dem Kreislandwirt an, wieviel Spaß er an seinem Beruf hat – unabhängig vom Endergebnis, auch wenn dieses natürlich gleichermaßen Grund für Freude oder Trübsal sein kann.

Im Landkreis wurde kürzlich der erste Raps gedroschen, doch „wie er in der Ernte sein wird, ist nicht abzusehen, wohl auch nicht gut“, kommentiert Hartje mit Blick auf die jüngst eingebrachte Gerstenernte. Eigentlich orientiere er sich für den Beginn der Gerstenernte am Syker Schützenfest. Dieses Jahr aber war „die Gerste sehr frühreif, da hat niemand mit gerechnet“. Für Entspannung in der dicht getakteten Erntesaison sorgte das jedoch nicht. Man merkt den Pflanzen die fehlenden Wochen an. „Da fehlt etwas bei der Vegetation.“ Und das spiegelt sich direkt in den Finanzen wider: „Letztes Jahr war bei Gerste ein Rekordjahr“, 2016 hingegen wird es „wesentlich weniger Geld“ für die Landwirte geben, kommentiert Hartje die Situation für sich und seine Kollegen. Durch den „sehr niederschlagsreichen Juni“ fällt in der Ernte mehr Stroh an. Zusätzlich liege der Gerstenpreis unter dem Vorjahreswert.

Als Mischbetrieb, der neben Ackerbau auch Viehwirtschaft betreibt, könne man es „vielleicht über Futterkosten auffangen“ indem man die Ernte zu Tiernahrung verarbeitet, von der dann weniger zugekauft werden muss. Die reinen Ackerbauern werden härter getroffen.

„Sonne scheint niemanden arm“

Das Problem? „Einfach zuviel Regen.“ Im Okeler Bereich hat das späte Frühjahr deutliche Spuren hinterlassen. 17 Prozent des Ernteguts weisen dort Hagelschäden auf. Die kürzlich in die Höhe geschossenen sommerlichen Temperaturen nimmt Hartje mit einem erfreuten Schmunzeln wahr: „Sonne scheint niemanden arm.“

Ob er dann schon zu Jahresbeginn auf ein Ende des Frostes hofft, um sich einer ertragreichen Ernte sicher sein zu können? „Wir hatten 2012 Kahlfröste“, erzählt er dann. „Die Pflanzen waren in Frühjahrsstimmung.“ Der plötzliche und starke Temperaturabfall forderte dann ein Umbrechen vieler Pflanzen. Und doch waren die Erträge gut. „Man ist oft in der Ernte positiv überrascht, aber manchmal auch enttäuscht. Ganz viel muss immer noch der liebe Gott machen“, so Wilken Hartje, der eben daraus einen Großteil seiner Freude zieht. „Das macht es so interessant.“

Hartje mäht und drischt sein Getreide noch selber: „Es macht mir Spaß.“ Auch wenn das bedeutet, dass er gelegentlich einen 15 Stunden Arbeitstag hat, bei dem er bis 23 Uhr auf dem Trecker sitzt. Eine Alternative, die viele seiner Kollegen gerne wahrnehmen sind die Lohnbetriebe, die „trotz Wetterextremen sehr leistungsfähig geworden sind“.

Immer wieder blickt Hartje nach draußen. Die nächsten Monate sind durchgeplant – es wartet viel Arbeit. „Wenn man ein Jahr für das Getreide gearbeitet hat, will man es nicht vergammeln sehen“, erklärt er seinen Tatendrang. Lagen zwischen der Ernte von Gerste und Raps gute zwei Wochen, folgen Anfang August bereits Weizen und Roggen.

Und was ist nach der Ernte? In der Regel müsste schnell eine Stoppelbearbeitung erfolgen, damit das liegengebliebene Stroh verrotten kann. Die Anbaupläne für das kommende Jahr stehen ohnehin bereits seit dem Frühling. Nach der Ernte gelte es, den Boden auf die nächste Frucht vorzubereiten.

„Spekulieren auf bessere Preise“

Und mit der diesjährigen Ernte haben die Landwirte dann noch immer nicht abgeschlossen. Viele seiner Kollegen würden ihre Produkte nicht direkt verkaufen. Diejenigen, die die Kapazitäten haben, „spekulieren auf bessere Preise“. Durch den geringen Wasseranteil im Getreide sei dieses deutlich länger haltbar, als dies beispielsweise bei Kartoffeln der Fall sei. Und bei den aktuellen Preisen erwartet Hartje „eine höhere Einlagerquote dieses Jahr“. Aber: „Einlagern hat sich oft nicht gelohnt.“

So ist die Ernte nicht nur eine Zeit der Freude, sondern auch der Unsicherheit und Spekulation. Wilken Hartje lässt sich davon jedoch nicht die Laune verderben. Er bricht voller Tatendrang wieder auf.

Von Marc Lentvogt

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