Zehnjähriges Bestehen des Europagartens

Feucht von oben – bunt und schräg am Boden

Im Fantasie-Sandkasten bewegten die Mitglieder des Scharniertheater Blöcke, die unter anderem mit „Bürokratisches Monster“ oder „Wertegemeinschaft“ beschriftet waren. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Detlef Voges. Europa sollte schon wieder geraubt werden. Gemeinsam mit Schiller und Beethoven und der „Ode an die Freude“ gelang es jedoch dem holden Barden Pago Balke mit Gesang und Musik, Prinzessin Europa vor der erneuten Entführung zu bewahren. Aber es war wie bei Shakespeare erfreulicherweise ja doch alles nur Theater, das am Sonnabend den Auftakt zum zehnjährigen Bestehen des Syker Europagartens begleitete – passend symbolträchtig, bunt und schräg am Boden, feucht von oben.

Die Gastgeber, die Europa-Union des Landkreises und die Stadt Syke, präsentierten den Gästen europäische Ideen im besten Sinne. Vor allem einen Europagarten als Denkmal des Friedens und Mitein-anders, wie es Gerd Thiel formulierte. Nur so könne man aus der Vergangenheit lernen und die Zukunft gestalten, erklärte der Kreisvorsitzende der Europa-Union, einer überparteilichen Einrichtung. Deren Wiege steht in Syke. Gründer war 1946 Landrat Wilhelm Heile.

Der 2006 von Syker Künstlern initiierte Garten sei nicht nur Denkmal, er lebe auch durch die Flora und Fauna, erklärte der ehrenamtliche Bürgermeister Karsten Bödeker. Für Henning Greve, einer der Künstler, ist „etwas Tolles daraus geworden“. Die Menschen identifizierten sich mittlerweile damit, betonte Greve und meinte damit auch die verschiedenen spielerischen Einrichtungen, die symbolhaft für Europa stünden. Etwa der Spielplatz der Fantasie. Für Greve und Fritz Vehring, ein weiterer Europagarten-Künstler, orientieren sich die Elemente des Gartens auch am Homo ludens, dem spielenden Menschen. Schillers Zitat, dass der Mensch nur dort ganz Mensch ist, wo er spielt, ziert eine Sandsteinplatte im Garten.

Dass die Menschen im Europagarten spielen können, dafür sorgte neben den Künstlern auch die Stadt, die in den zehn Jahren etwa 63 000 Euro in das Projekt investierte.

Grund genug zum Feiern mit Wein, europäischen Gerichten, Musik der Gruppe BalkanCello und Theaterspiel. Letzteres belebten das Scharniertheater und die Maskengruppe „Twist-a-Gang“ auf wunderbare Weise. Die Mitglieder des Scharniertheaters geisterten mit ihren großen Kopfmasken durch das Gelände und waren durchaus politisch unterwegs. Im Fantasie-Sandkasten bewegten sie beschriftete Blöcke. Da kippten „Wertegemeinschaft“ und „Bürokratische Monster“ ein ums andere Mal um.

Die Maskengruppe „Twist-a-Gang“ zeigte Europa hintergründig und bildstark. Darunter den gescheiterten Raub der Prinzessin am See, eine käufliche Dame an der Hachebrücke und einen Drachentanz zur Musik von Peter Maffay.

Geradezu poetisch wirkte die Nixe, die auf einem großen Stein in der Hache hockte. Den Brexit kommentierte Pago Balke mit einem kleinen Elektroauto, das, dekoriert mit der Flagge Großbritanniens, ziemlich orientierungslos am Seeufer herumfuhr.

Die Feier klang gestern mit einem Familienfest aus. Folk und Oldies steuerten das Duo „Arrested Amtsbrüder“ bei. Kinder konnten Europa zusammen puzzeln, malen oder auf Rolf Dungers französischem Karussell Runden drehen. Der Homo ludens hatte seinen Tag.

Landrat Cord Bockhop begrüßte die Besucher heiter bei ebensolchem Wetter mit „Liebe EU-Bürger“. Er munterte die Bürger auf, den Garten anzunehmen. Dabei sein, aber kein Brexit, so Bockhops Credo. Er dankte dem verstorbenen Rainer Ehlers, der das Projekt über den Landschaftsverband Weser-Hunte mit angeschoben hatte.

Eine flammende Rede für Europa hielt Fritz Vehring. „Seien Sie leidenschaftliche Europäer“, mahnte der Künstler, der die Entstehung des Europagartens beleuchtete und damit kein fertiges Produkt, sondern eins im steten Wandel, das den Menschen neugierig machen soll – auch auf Europa.

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