Neues Ausbildungsjahr: Handwerk und Einzelhandel suchen Azubis

Der Boden ist noch immer golden

Handwerkerbetriebe und Einzelhandelsunternehmen haben auch für Späteinsteiger noch ein paar freie Ausbildungsplätze. - Foto: dpa

Syke - Von Ulf Buschmann. „Handwerk hat goldenen Boden“ – diese alte Volksweisheit gilt noch immer. Wer auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, ist demnach gut beraten, es im Handwerk zu versuchen. Das neue Ausbildungsjahrs hat am 1. August begonnen. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass Späteinsteiger in Syke und Umgebung noch etwas finden.

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Friseur, Kraftfahrzeugmechatroniker, Metallbauer – die Palette der angebotenen Ausbildungsberufe ist breit. Und längst ist nicht alles besetzt. Torsten Suling, Teamleiter beim Arbeitgeberservice in der Syker Agentur für Arbeit, nennt 26 nicht besetzte Ausbildungsplätze in Handel und Handwerk in Syke und umzu.

Wer weitere Anfahrtswege in Kauf nimmt, findet darüber hinaus in der Region einige Angebote. Auskunft darüber geben die Lehrstellenbörsen der Industrie- und Handelskammern (IHK), der Handwerkskammer und der Arbeitsagentur.

Gesucht sind zum Beispiel ein Zerspanungsmechaniker in Harpstedt, Fachinformatiker in Stuhr und noch immer Kaufleute im Einzelhandel an verschiedenen Orten. Bedarf gebe es fast überall, weiß Suling, auch im pflegerischen Bereich.

Ähnliches berichtet Thomas Kuchem, Erster Stadtrat und Wirtschaftsförderer der Stadt Syke. Er sagt: „Wir bekommen von den Betrieben zurückgemeldet, dass der Markt enger wird.“

Diese Signale senden ebenso die Praktiker aus. Insbesondere die mittelständischen Unternehmen müssen kreativ sein. Nur so gelingt es ihnen, im Konkurrenzkampf um die Auszubildenden nicht gegenüber den Großen ins Hintertreffen zu geraten. Dies gilt zum Beispiel für den Einzelhandel. „Wir müssen ein attraktives Arbeitsumfeld schaffen“, ist etwa Torsten Stellmann, von Edeka Stellmann in Barrien überzeugt.

Der Einzelhandel habe „nicht die beste Lobby“. Deshalb setzte die Branche auf Aufstieg und Karriere: Gute Leute können zum Beispiel in das „Junioren-Aufstiegsprogramm“ von Edeka hineinrutschen und innerhalb weniger Jahre stellvertretender Marktleiter werden.

Darüber hinaus werde viel in die überbetriebliche Schulung investiert. Dies gilt nicht nur für Edeka, sondern grundsätzlich für alle Einzelhandelsunternehmen. Stellmanns Credo: „Wir möchten unseren eigenen Nachwuchs ausbilden.“ Ihn zu bekommen, ist im Handwerk schwieriger als im kaufmännischen Bereich. Das wissen Katharina Baier, Bereichsleiterin Nachwuchsgewinnung bei der Handwerkskammer (HWK) Hannover, und Bernhard Schwarze, Prokurist bei Schierholz Fliesenwelt in Schnepke. In diesem Jahr habe der Betrieb alle Ausbildungsplätze besetzen können, sagt Schwarze, „aber die Zahl der Azubis nimmt ab.“

Auch die Hoffnung des Mittelstandes, Flüchtlinge einzustellen, habe sich bislang nicht erfüllt. Schwarze wirbt denn auch für einen Ausbildungsplatz im Handwerk mit guten Zahlen auf dem Konto: „Wer im Handwerk gut ist, wird mehr verdienen als im kaufmännischen Bereich.“ Und durch das duale Ausbildungssystem könnten die Jugendlichen überall vorankommen.

Wer bislang noch keinen Ausbildungsplatz hat, sollte am Ball bleiben. Ausbildungsverträge können noch bis zum 31. Oktober geschlossen werden. Auf der Jagd nach der Traumlehrstelle „lohnt es sich immer noch, nachzufragen“, sagt Günter Hirth, Leiter der Abteilung Berufsbildung bei der IHK Hannover. Späteinsteiger hätten vor dem Hintergrund eine Chance, dass jedes Jahr rund 20 Prozent der geschlossenen Ausbildungsverträge innerhalb der Probezeit wieder aufgelöst werden.

Katharina Baier, Bereichsleiterin Nachwuchsgewinnung bei der Handwerkskammer (HWK) Hannover, rät: Einfach den Betrieb seiner Wahl anrufen und nachfragen. „Schön ist es auch, die Bewerbung persönlich abzugeben.“ Wer dabei einen guten Eindruck mache, verbessere seine Chancen gleich. Baier, Hirth und andere Fachleute raten zudem, sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz immer mal wieder selbst zu testen.

Wer beispielsweise nicht mit besonders guten Zeugnissen glänzen kann, jedoch für seinen Traumberuf brennt, hat auf diese Weise die Chance, trotzdem eine Ausbildung anzufangen. Das weiß auch Torsten Stellmann. Er setzt neben Praktika darauf, Interessenten zum Beispiel ein Jahr zuvor als Aushilfen einzustellen. „Dann haben sie die Möglichkeit, sich zu orientieren“, erklärt Stellmann.

www.ihk-lehrstellenboerse.de

www.handwerkskammer.de/service/lehrstellenboerse.html

https://jobboerse.arbeitsagentur.de

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