Die Angst als Spaßmacher

Comedian Lutz von Rosenberg Lipinsky sorgt im Gleis 1 für Lachtränen

Angst kann auch Spaß machen, findet Comedian Lutz von Rosenberg Lipinsky. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Dagmar Voss. Sind wir Deutsche von Natur aus pessimistisch? Oder gar Untergangs-verliebte Miesepeter, denen Angst zur zweiten Haut geworden ist? Und was ist mit der German Angst, die die Engländer mal bei uns ausgemacht haben? Daraus ließe sich wahrscheinlich auch ein tiefernstes Seminar stricken. Dazu kam es jedoch beim Kabarett-Abend am Freitag im Gleis 1 natürlich nicht.

Eher zu vielen feuchten Augen, sprich Lachtränen ob der höchst komisch-satirischen Betrachtungen des Stand-up Comedian Lutz von Rosenberg Lipinsky. Mit seinem neuen Soloprogramm „Angst. Macht. Spaß“ unterhielt der Hamburger mit ostwestfälischen Wurzeln sein Publikum hier zum ersten Mal.

Mit reichlich Wortwitz und enormem Tempo erging sich der studierte Theologe von alltäglichen Themen bis hin zu Fußball und Kultur, Politik und Religion. Immer mal wieder gab es dazu Dialoge mit Gästen in der ersten Reihe, die auf seine Einlassungen reagierten und zu deren Äußerungen er dann seinen Senf gab.

Weniger Senf gab es zu unseren Nahrungsmitteln, „eingepackte Scheiße“; vielmehr drastisch bitterböse seine Hinweise zu den vielen Lebensmittel-Krisen, ob nun Rinderwahnsinn, Schweinepest, Vogelgrippe, Ehec, quasi der „Schiss vor dem Schiss“ oder die Bestrafung für die Emanzipation in Form des Noro-Virus. Einen gereimten Spottvers gab es zu tiefgefrorenen Erdbeeren vom Tiefkühl-Lieferanten: „Wenn der Eismann zweimal klingelt, vor Freude sich der Dickdarm kringelt.“

Da blieb kaum ein Auge trocken bei seinen Überlegungen, wie man eigentlich Pegida nennen sollte: Prostagida? Ebenso bei seinen konstruktiven Vorschlägen, dass doch auch die Pegidesen, also die älteren unbegleiteten männlichen Studienräte, jemanden zur Seite gestellt bekommen sollten – analog zu den jungen unbegleiteten männlichen Flüchtlingen.

„Vielleicht haben wir den Untergang ja schon hinter uns – und gar nichts gemerkt?“ Diese Untergangsverliebtheit packte er in eine Geschichte, bei der die Arche Noah herhalten musste zu Vergleichen mit heutigen Aidas oder Costas.

Welche politische Vielfalt doch zu diversen Analogien einlädt, bewies der Kabarettist auch bei seinen Spötteleien über Angela Merkel; „Sie ist wie Radioaktivität – sieht man nicht, hört man nicht, aber am Ende sind alle weg.“

Auch seine Wahlheimat Hamburg bekam ihr Fett weg, als er mit dem Gerücht aufräumte, die Elbphilharmonie sei fertig: „Sie verkaufen einfach schon Karten, das hat ein leuchtendes Vorbild, schließlich hat das doch die katholische Kirche auch jahrhundertelang getan.“

Spaß an der Angst könnte man allerdings auch haben, wenn man es richtig anstellt, versprach der Mann im braunen Anzug. Wenn selbst der Irak sich freut ob unseres Gottesstaates mit einer Pastorentochter als Kanzlerin und einem Pastor als Präsidenten, dann könnten wir uns doch auch sicher fühlen. Möglicherweise genießen wir die Bedrohung und das damit verbundene Adrenalin ja auch.

Mit einem passenden Spruch verabschiedete sich der Comedian: „Fürchtet euch und habt Spaß daran!“ Sein Rezept zum Ausprobieren: Man nehme drei Schrauben mit zur Achterbahnfahrt, und kurz vorm Start halte man die einem der Fahrgeschäftler hin mit der Frage „Wo gehören die denn hin?“

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