Wohnheim der Lebenshilfe am Schwafördener Weg in Sulingen besteht seit 30 Jahren

Zielvorgabe: „Wir wollen Party machen“

Spaß im Festzelt haben Bewohner und Gäste – die Tanzfläche ist stets gut gefüllt. - Foto: S. Wendt

Sulingen - Jürgen Hadler nimmt sich die Zeit, ein paar Fragen zu beantworten, dann aber zieht es ihn gen Bühne. Hier spielt die Band gerade „Rote Lippen soll man küssen“ – das kommt gut an. Jürgen Hadler kennt viele Lieder, erkennt sie bereits nach den ersten Takten. Außerdem ist der 66-Jährige ein toller Schwimmer. Wer Jürgen Hadler nicht kennt, würde sein Alter nicht auf 66 tippen.

„Stimmt, er hat nicht so viele graue Haare wie ich“, sagt Rolf Herzog und lacht. Herzog leitet das Wohnheim der Lebenshilfe am Schwafördener Weg in Sulingen. Hadler ist einer der Bewohner, die hier am längsten ein Zuhause gefunden haben. Das Wohnheim eröffnete im Dezember 1986, am Samstag – weil es schöner ist, im Sommer zu feiern – wurde aus Anlass des 30-jährigen Bestehens zum großen Sommerfest eingeladen. Team und Bewohner feiern zwar jährlich, aber sonst eher in kleinem Kreis.

Für Samstag haben sich über 200 Gäste angemeldet. Die Band spielt vor voller Tanzfläche. Jessica freut sich über das nächste Lied: Helene Fischers „Atemlos“ lässt sie im Festzelt wirbeln. Wer kann, der wirbelt mit. Lebenshilfe-Geschäftsführerin Annette Lüneburg etwa. Herzog bleibt im Hintergrund. 30 Jahre Wohnheim, 54 Plätze im Angebot, davon aktuell 50 belegt. Wie geht es weiter? „Die Nachfrage hat sich geändert“, sagt Herzog. Viele der potentiellen Bewohner blieben länger in den Familien wohnen, zudem gebe es andere Betreuungsmöglichkeiten, um das zu gewährleisten.

„Wir kommen häufiger erst ins Spiel, wenn eine Notsituation eintritt, etwa die Pflege zuhause nicht mehr geleistet werden kann“, sagt Herzog. Zu überlegen sei, aus den Doppelzimmern Einzelzimmer zu machen. Das würde auch Jürgen Hadler favorisieren. Von Anfang an im Zimmer für sich alleine, würde er nie in ein Doppelzimmer ziehen. Warum nicht? „Im Einzelzimmer ist es ruhiger, leiser. Im Doppelzimmer umruhig.“ In der Wohnanlage am Schwafördener Weg fühlt sich Hadler wohl. Die Gruppe gefällt ihm, die angebotenen Unternehmungen, die Ausflüge. Der Alltag hier umfasst auch tägliche Aufgaben. Welche macht er am liebsten? „Abwaschen.“ Nach dem Sommerfest wird wohl wieder einiges zu tun gewesen sein.

Auch bei der Vorbereitung sind alle Bewohner eingebunden. Zielvorgabe: „Wir wollen Party machen.“

Diese Vorgabe ist bereits kurz nach der kleinen offiziellen Eröffnung erreicht. In dieser hatte Annette Lüneburg Grüße ausgerichtet von der kurzfristig erkrankten Mitbegründerin der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz, Hannelore Krause.

Und weil mit vielen Pavillons genügend Sitzplätze überdacht sind sowie das Festzelt etwas größer ist, macht es weder Bewohnern noch Gästen oder den gut 30 Helfern (Mitarbeiter und ihre Partner) etwas aus, wenn es zwischendurch regnet. Neue Tanzschritte guckten sichdann alle ab bei den Line Dancern, den „Lucky Ladies“ aus Groß Lessen. - sis

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