Drei Jahre auf der Walz: Lena Wende aus Sudwalde berichtet von Erfahrungen

Wertvolles Gepäck im Kopf

Rückkehr nach Sudwalde: Lena Wende klettert über das Ortsschild und wird von Familie und Freunden aufgefangen. - Fotos: Zumaya

Sudwalde - Smartphones, Tablets und Co? Für Handwerksgesellen auf der Walz tabu. Aber auch ohne kann man mit anderen Menschen kommunizieren – davon, dass Lena Wende nach drei Jahren und zwei Wochen in ihre Heimat Sudwalde zurückkehren würde, hatten viele der Gesellinnen und Gesellen, die sie auf ihrer Reise kennenlernte, per Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren.

Und sich am Wochenende eingefunden, um sie auf dem letzten Stück des Weges zu begleiten und mit ihr zu feiern. Wie es Brauch ist, hatte die heute 29-Jährige nur ein Bündel mit dem Nötigsten bei ihrem Aufbruch mitgenommen – und mit mehr kommt sie, scheinbar, auch nicht zurück.

„Ich hatte das Gefühl, dass ich noch was erleben muss, bevor ich sesshaft werde, wollte aber trotzdem weiter in meinem Beruf arbeiten“, beschreibt Lena Wende, was sie bewog, sich nach ihrer Ausbildung zur Damen-Maßschneiderin in Hannover dem „Freien Begegnungsschacht“ anzuschließen und auf die Walz zu gehen. Für mindestens drei Jahre und einen Tag, so lautet eine der vielfältigen Regeln der 900 Jahre alten Tradition. Niemand wird allein in dieses Abenteuer geschickt, in den ersten drei Monaten begleitete Steinmetzin Jule die Schneidergesellin. 

Und brachte ihr zum Beispiel bei, wie man sich in der Fremde nach Arbeit und Unterkunft erkundigt. „Man lernt ganz am Anfang, auf fremde Menschen zuzugehen. Ich bin ein offener Typ, aber das ist in dieser Situation schon eine Herausforderung.“ Dabei habe sie auf ihrer Reise eine wichtige Erfahrung gemacht: „Die Menschen sind nicht so böse, wie viele denken und sagen. Überall, wo ich hinkam, wurde ich freundlich empfangen. Mir ist in drei Jahren nie etwas passiert.“

Traditionsgemäß brachten viele Gesellinnen und Gesellen auf Wanderschaft Lena Walz nach Hause und feierten ihre Heimkehr.

In Betrieben in Deutschland und der Schweiz arbeitete Lena Wende in ihrem Handwerk. „Jeder Meister schneidert anders, ich habe ganz viel Neues gelernt.“ In Rumänien, wo sie an einem Gesellenprojekt teilnahm, brachte sie die extreme Schere zwischen Arm und Reich ins Nachdenken, den größten „Kulturschock“ habe sie allerdings in Bayern erlebt, erzählt sie schmunzelnd: „Ich habe in einer Traditionsschneiderei Dirndl genäht. ,Voll auf dem Land‘, die tragen da auch im Alltag Dirndl und Lederhosen. Eine andere Welt da unten...“ 

Bei einem „Abstecher“ nach Kolumbien („Ich bin vorher noch nie geflogen und ein Onkel von mir lebt dort“) verdingten Lena Wende und zwei sie begleitende Gesellinnen, eine Tischlerin und eine Schlosserin, sich auf dem Bau, „für Kost und Logis.“

Nach negativen Aspekten ihrer Reise gefragt, muss sie einen Moment grübeln. „Man lernt, dass ein eigenes Bett und eine warme Dusche purer Luxus sind. Es ist anstrengend, immer zu Gast zu sein. Manche brauchen diese Freiheit auch, bleiben fünf Jahre oder länger auf Wanderschaft. Aber ich habe hier eine tolle Familie.“

Was wird ihr von ihrer Reise bleiben? „Ich bin eine noch selbstbewusstere Frau geworden.“ Das wird ihr bei ihren Zukunftsplänen zugute kommen: Lena Wende hatte vor ihrem Aufbruch begonnen, ihren Meister zu machen. Das will sie nun zu Ende bringen „Und dann mache ich mich selbstständig. Als Kluftschneiderin, spezialisiert auf reisende Gesellen.“ Die werden auch ohne Werbung von ihrem Geschäft erfahren, ist sie überzeugt. Auch ohne Smartphones, Tablets und Co. - ab

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