Renaturierung der Sule

Wo Überschwemmungen wünschenswert sind

Projektleiter Jörg Spicker an einem Sule-Abschnitt nördlich der Brücke Landwehr, an dem die Verbandsmitarbeiter die Böschung bereits abgeflacht haben. - Fotos: Kurth-Schumacher

Nordsulingen - Die Konstellation für die Renaturierungsmaßnahme im nördlichen Suletal könnte nicht besser sein: Die Finanzierung steht, die Umgestaltungsflächen stellt die Nabu-Stiftung „Naturerbe Landkreis Diepholz“ bereit und für die Umsetzung sorgen Fachleute, die „ihr Handwerk“ verstehen.

Der Entwicklungsraum liegt im Überschwemmungsgebiet der Sule, die Anfang der 1950er Jahre für landwirtschaftliche und wasserwirtschaftliche Erfordernisse geradlinig und in einer Breite von 2,20 bis 2,60 Meter ausgebaut worden war. „Damals stand die Bedeutung der Gewässer als Lebensraum im Hintergrund“, erklärt Jörg Spicker, Landschaftsökologe beim Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband Große Aue (ULV).

Insgesamt 1.500 Kubikmeter Boden abgeräumt

In der vergangenen Woche haben Mitarbeiter des ULV jeweils eine Böschung des Gewässerlaufs links- und rechtsseitig des Speckendamms (Brücke Landwehr) auf 100 Meter Länge und bis zu 20 Meter Breite abgeflacht: Insgesamt wurden 1.500 Kubikmeter Boden abgeräumt. In diesen Bereichen sollen durch den Einbau von Kiesbänken und Totholzelementen neue Lebensräume für Fische und andere typische Wasserorganismen entstehen. Jörg Spicker geht davon aus, dass sich diese Gebiete, die in Zukunft zwei- bis dreimal jährlich unter Wasser stehen werden, selbsttätig begrünen: „Wir setzen auf eine eigendynamische, bachtypische Vegetationsentwicklung – etwa Röhricht oder Erlen.“

Zu 90 Prozent vom Land Niedersachsen gefördert

Das rund 14.000 Euro teure Projekt wird zu 90 Prozent vom Land Niedersachsen gefördert, zehn Prozent der Kosten übernimmt der Nabu als Projektträger. Der Ausbau erfolgt durch den ULV unter der Leitung von Jörg Spicker. Der ULV ist einer von neun Projektträgern der „Gewässerallianz Niedersachsen“, mit der das Land Niedersachsen nach den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie die ökologische Qualität ausgewählter Gewässer steigern will. 

Derzeit erfolgen die Arbeiten südlich der Brücke Landwehr.

Jörg Spicker wurde Anfang 2015 als Gewässerkoordinator eingestellt, um regionale Maßnahmen für die Wiederbesiedlung mit typischer Flora und Fauna zu entwickeln. Der ULV steht seiner Arbeit sehr positiv gegenüber – Verbandsvorsteher Heinrich Nuttelmann hat beim Umweltministerium den Wunsch auf Fortführung des zunächst auf zwei Jahre begrenzten Pilotprojekts signalisiert. Das Konzept der aktuellen Maßnahme könnte auch im weiteren Verlauf der Sule Anwendung finden. „Wir suchen Flächen, die sich für eine naturnahe Umgestaltung anbieten“, sagt Spicker. Er hofft, dass sich weitere Projektpartner finden, beispielsweise Kommunen, Kirchengemeinden, Naturschutzverbände oder Vereine. Maßnahmen an Schwerpunktgewässern im Verbandsgebiet – dazu zählen unter anderem die Allerbeeke, der Eschbach, der Speckenbach und die Siede – bieten sich außerdem als Kompensationsflächen für Baumaßnahmen im Außenbereich an. Spicker ist sicher: „Neben der Erhöhung der wasserökologischen Qualität wird sich der neu gestaltete Abschnitt der Sule auch positiv auf das Landschaftsbild auswirken.“ 

mks

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