Oldtimer- und Teilemarkt in Nordsulingen

Jost: „Heute liegen Youngtimer im Trend“

Ein noch kleinerer Pick-up dürfte schwer zu finden sein: Mit diesem Autobianchi „Panoramica“, Baujahr 1969, hatte Hans-Joachim Zunke eine Rarität im Angebot. - Fotos: Behling

Nordsulingen - „Mach mich nicht schwach.“ Die junge Dame kann sich mit den Preisvorstellungen des Händlers nicht anfreunden. „Dann lass mal dein Angebot hören“, treibt der das Spielchen weiter und sie zeigt ihm fünf Finger. Er grinst: „Du hast einen Opel.“ Ein Matchbox-Auto – die großen Schätze auf vier oder zwei Rädern würde beim Oldtimer- und Teilemarkt mit Antik- und Trödelhandel in Nordsulingen garaniert niemand für fünf Euro hergeben.

„Schönstes Marktwetter“ konstatiert Veranstalter Henrik Jost am Wochenende für die 21. Auflage. An beiden Tagen geben die Wolken nur wenige Tropfen ab und immer wieder den Weg frei für die Sonne, die Autos, Motorräder und Lastwagen aus vergangenen Zeiten in besonders vorteilhaftes Licht taucht: Ein Augenschmaus.

Automobile vergangener Tage – ein Augenschmaus.

Wer mit einem Old- beziehungsweise Youngtimer (in der Regel etwas jünger als 30 Jahre, also noch kein Oldtimer laut Gesetz) zum Markt kommt, hat freien Eintritt, und viele nutzen die Chance, ihr gehegtes Vehikel zu zeigen – und geben darüber gerne Auskunft. Hans-Joachim Zunke aus Alfeld zum Beispiel: Die Rarität, die er auf einem Anhänger mitgebracht hat, würde er gerne „in liebevolle Hände“ geben. Es ist ein rekordverdächtig kleiner Pick-up, ein Autobianchi „Panoramica“, Baujahr 1969, mit zurückhaltenden 18 PS. Der Pritschenwagen ist eine von sieben Modell-Varianten, und eigentlich hatte Zunke vor, den kompletten „Satz“ zu sammeln – was sich als ausgesprochen schwierig herausstellte. Fünf hatte er beisammen, entschied sich dann, schweren Herzens, das Unterfangen aufzugeben. „Diesen habe ich vor einigen Jahren in Prag ersteigert“, erzählt der Alfelder, „und mit einem Mercedes Sprinter abgeholt, da passte er genau rein.“

Als Henrik Jost den Oldtimer- und Teilemarkt ins Leben rief, waren „richtige“ Oldtimer, Vorkriegsmodelle, das Maß der Dinge. „Heute interessieren sich jüngere Leute für Youngtimer, die liegen im Trend“, hat er festgestellt. „Viele finden es cool, ein Auto zu fahren, das genauso alt ist wie sie selbst. Darauf müssen sich auch die Händler einstellen.“ Die allermeisten Anbieter, die nach Nordsulingen kommen, sind Stammgäste. „Und man freut sich ja, wenn man die Leute wiedersieht.“ Dennoch habe er schon manches Mal überlegt, wie lange er mit dem Markt noch weitermacht, bekennt Jost. „Irgendwo ist es ja mein Baby, aber ich bin jetzt auch 21 Jahre älter. Das silberne Jubiläum habe ich mir als Ziel gesetzt – also liegen auf jeden Fall noch vier Jahre vor uns.“ 

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