Landkreis Diepholz will einen Netzwerkverband gründen

Was Internet und Abwasser gemeinsam haben

Geht es nach Cord Bockhop und Suse Laue, liegen solche Glasfaserkabel bald überall in der Erde des Landkreises. - Foto: juk

Sulingen - Von Julia Kreykenbohm. Viele Köche verderben den Brei, so heißt es. Doch in diesem Fall braucht es viele Köche, damit der Brei überhaupt erst gelingt. Geht es nach Chefkoch Cord Bockhop, binden sich alle Städte und Gemeinden des Landkreises Diepholz die Schürze um. Gemeinsam bereiten sie dann statt einer Mahlzeit ein Netzwerk zu, dass keinen Hunger, dafür aber die „weißen Flecken“ im Kreisgebiet beseitigt. „Weiße Flecken“ sind alle Gebiete mit einer Internetanbindung unter 30 Megabit.

Die Idee ist, dass der Landkreis Diepholz ein eigenes Netzwerk bekommt. Dazu gründen alle Städte und Gemeinden einen Zweckverband und lassen einen sogenannten „Backbone“ bauen. Das ist eine Außenleitung, die wie ein Ring um das Kreisgebiet gelegt wird. Auf diesem Ring sitzen Knotenpunkte. Und von diesen Punkten aus können die einzelnen Städte und Gemeinden die „Hauptleitung“ für ihr Gebiet anzapfen. „Wir werden 18.000 bis 20.000 neue Anschlüsse verlegen, überall dort, wo jetzt noch weiße Flecken sind“, erläutert Bockhop.

Für ihn gehört der Zugang zu schnellem Internet zur Grundversorgung, so wie Telefonanschluss oder Abwasser. „Wie sollen wir sonst junge Menschen davon überzeugen, hier zu bleiben oder herzukommen? Wie sollen wir Unternehmen im Kreis halten, wenn wir ihnen kein schnelles Internet bieten können?“ Investieren wird der Kreis für dieses Projekt 50 bis 60 Millionen Euro. Allerdings möchte er einen Antrag auf Fördergelder stellen. Wenn alles klappt, gibt der Bund 15 Millionen und das Land fünf Millionen Euro dazu. 

Alle Städte und Gemeinden müssen an einem Strang ziehen

Weiteres Geld soll dann der künftige Pächter des Netzwerkes in die Kassen spülen. Doch um dieses Fördergeld zu bekommen, müssen alle Städte und Gemeinden im Kreis an einem Strang ziehen. „Wenn auch nur einer sagt: ,Da machen wir nicht mit’, rutschen wir im Ranking weiter nach unten oder bekommen am Ende vielleicht sogar gar keine Unterstützung mehr“, macht Bockhop deutlich. Es braucht ein flächendeckendes Konzept, um den Höchstsatz an Förderungen zu bekommen.

Die Kosten für die einzelnen Anschlüsse in den Gemeinden und Städten tragen diese selbst, doch „am Ende kommt es allen zu Gute“, wirbt auch Sykes Bürgermeisterin Suse Laue für die Idee. Glasfaserkabel seien eine Investition in die Zukunft, denn sie verrotten nicht. Ab 2019 sollen 95 Prozent aller Haushalte im Landkreis 30 Megabit und mehr haben.

Info-Veranstaltungen für Ratsmitglieder

Apropos Zukunft: Es wäre auch möglich, beim nächsten Förderprogramm Gebiete, die jetzt mit ihren Anschlüssen zufrieden sind, sie aber in späteren Jahren verbessern möchten, ebenfalls an das neue Netz zu bringen.

Um nun alle Köche in die Großküche zu bringen, organisiert der Landkreis zwei Info-Veranstaltungen für sämtliche Ratsmitglieder. Eine war gestern in Sulingen, die andere wird kommende Woche in Syke sein. Die Öffentlichkeit müsse vorerst von diesen Veranstaltungen ausgeschlossen werden, da dort sensible Daten und Fakten besprochen werden. 

Wenn diese bekannt werden, könnten sie, wenn es dann um die Auftragsvergabe geht, den Wettbewerb verzerren und den Landkreis viel Geld kosten. „Wir werden die Preise öffentlich machen, wenn alles unter Dachb und Fach ist und bitten deswegen um Verständnis“, so Bockhop.

Wenn die Ratsmitglieder einig sind, ist Eile geboten. Bis zum 28. Oktober muss der Antrag in Berlin sein. „Das bedeutet Marathon-Sitzungen für die Kommunalpolitiker nach der Wahl“, meint Suse Laue. Angenehm sei das nicht, aber am Ende profitierten alle davon.

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