Pastorin Eike Fröhlich pilgert nach Santiago de Campostela

„Wer sagt, der Jakobsweg sei leicht, ist Sportler oder lügt“

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Eike Fröhlich aus Varrel ist den Jakobsweg gewandert. Unser Foto zeigt sie mit den Stempeln, die sie in den Quartieren gesammelt hat, und einer Collage mit Wegweisern auf der Strecke.

Varrel - Von Andreas Hapke. Seit gut zwei Wochen hat die Kirchengemeinde Varrel ihre Pastorin Eike Fröhlich wieder. Die hatte drei Monate ausgesetzt, um sich „praktisch und theoretisch“ mit dem Pilgern zu beschäftigen. Fröhlich ist den klassischen Jakobsweg von St. Jean Pied de Port nach Santiago de Campostela gewandert.

Sie hat knapp 800 Kilometer in 36 Tagen zurückgelegt und sich dabei nur einen Ruhetag gegönnt. Ihr Resümee: „Wer behauptet, der Weg sei leicht, ist entweder ein guter Sportler oder lügt.“ „Ich wollte das seit Jahren machen, und zwar zunächst mal ohne theologischen Hintergrund“, berichtet die 50-Jährige. 

Der Wunsch stamme noch aus der „Vor-Hape-Kerkeling-Ära“, sagt sie in Anspielung auf den Kabarettisten, der den Jakobsweg unter dem Motto „Ich bin dann mal weg“ gepilgert ist. Eine Erklärung für ihren Wunsch hat sie nicht. Sie verweist auf ein Gedicht des Priesters Garibay Danos, was sie unterwegs von der rückwärtigen Mauer des Geländes einer Getreidemühle abfotografiert hat. 

„Pilger, wer ruft dich? Welche geheime Kraft zieht dich an?“, heißt es darin. Erst am Ende gibt der Priester die Antwort: „Die Kraft, die mich vorantreibt, die Kraft, die mich anzieht, ich weiß sie mir auch nicht zu erklären. Nur allein der dort oben weiß es!“ Oder wie die Pastorin es in ihrem eigenen Gedicht „Geerdet und Gehimmelt“ beschrieben hat: „Ich muss nicht pilgern, ich darf.“

Fröhlich hat die Möglichkeit einer dienstlichen Freistellung von August bis Oktober genutzt, um die Strecke im Rahmen eines sogenannten Kontaktstudiums zu wandern. Beantragt hatte sie diese Auszeit bereits vor eineinhalb Jahren beim Oberkirchenrat. „Ich kann ja nicht von jetzt auf gleich einfach drei Monate verschwinden.“

Gepäck immer wieder überprüft

Ihre Vorbereitung bestand darin, immer und immer wieder ihr Gepäck zu überprüfen. „Was kann ich tragen? Wo kann ich etwas einsparen?“ Darüber hinaus habe sie intensiv einen Pilgerführer studiert. „Doch den braucht man eigentlich gar nicht. Der Weg ist sehr gut beschrieben.“ Sie habe lediglich die Unterkunft am zweiten Tag gebucht, weil dies die einzige im Gebirge war. Ansonsten habe sie jeden Tag aufs Neue so lange durchgehalten, wie es eben ging.

Überall sei sie jungen Menschen begegnet, die Orientierung gesucht hätten, beruflich wie privat. „Verbunden mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und damit auch immer mit der Frage nach Gott, mit allen Zweifeln“, berichtet Fröhlich.

Die Ansicht Martin Luthers, dass Pilgern eigentlich eine katholische Angelegenheit sei, teilt Fröhlich nicht. „Klar, die Katholiken haben sich so die Vergebung ihrer Sünden erarbeitet, das müssen evangelische Christen nicht. Doch der Jakobsweg bietet einen guten Raum, Gott, sich selbst und andere zu erleben.“ Der Pfad sei voll mit Stellen, die die Möglichkeit zur Einkehr und zur Besinnung böten. „Damit ist der Weg für mich religiös, unabhängig von der Konfession.“

Ein Kinderspiel sei ihr Kontaktstudium nicht gewesen. Fröhlich teilt die Ansicht eines amerikanischen Pilgerfreunds, der die Strecke in drei Abschnitte unterteilt und den ersten, fast 300 Kilometer langen Teil von St. Jean Pied de Port nach Burgos als „Weg der Schmerzen bezeichnet“. „Landschaftlich sehr anstrengend, doch bei mir hat sich das nur durch Muskelkater bemerkbar gemacht.“

In den letzten Tagen setzten die Schmerzen ein

Es folgt der „Weg des Geistes“ von Burgos nach Astorgo. „Unter anderem sieben Tage durch Weizenfelder, wenig Schatten, kleine Dörfer. Das animiert zum Nachdenken.“ Die Strecke von Astorgo nach Santiago de Campostela habe sie als „Weg der Freude“ empfunden, obwohl in den letzten Tagen die Schmerzen einsetzten. „Es ist ein symbolträchtiger, grüner Weg. Man nähert sich dem Ziel.“

Insgesamt sei der Jakobsweg eine große Herausforderung für sie gewesen, physisch und psychisch, bilanziert Fröhlich. „36 Tage morgens im Dunkeln den Rucksack packen und sich aufmachen, das strengt an. Nordspanien ist voller Berge, es gibt kaum eine Flachetappe.“

An ihren Strapazen ließ sie auch die Kirchengemeinde teilhaben. Eigens dafür hatte sie eine Whatsapp-Gruppe auf ihrem Handy eingerichtet, um Fotos und Texte zu posten. Mit Ehemann Martin Famulla und den drei Kindern (13, 20 und 22 Jahre) hat sie telefonisch Kontakt gehalten, „aber nur ein Mal pro Woche“.

Der Allgemeinheit möchte Eike Fröhlich ihre Erlebnisse in einem Bildervortrag am Donnerstag, 15. Dezember, um 20 Uhr im Gemeindehaus in Varrel schildern.

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