Russin Elizaveta Urkainskaia im Stuhrer Rathaus

Unglaubliche Weltklasse – für nur zwölf Euro

Elizaveta Urkainskaia vermag mit ihrem Klavierspiel, ein staundendes, sprachloses Publikum zu hinterlassen. - Foto: Husmann

Stuhr - Von Angelika Kratz. „Das war so schön, so etwas erwartet man doch nicht in einem Rathaus“, suchte am Sonntagabend eine ältere Dame nach den richtigen Worten für ein in der Tat sprachlos machendes Konzert. Verantwortlich für die Begeisterung aller Besucher war Elizaveta Ukrainskaia, die 1. Preisträgerin des Europäischen Klavierwettbewerbs Bremen 2016.

Ein anerkennendes Raunen ging bereits mit ihrem Beschreiten der Bühne im Rathaussaal durch die Reihen. Gekleidet in einem Traum aus Silber und schwarzem Samt, die Haare als offener Zopf bis zu den Hüften, nahm die knapp 20-jährige Pianistin aus Sankt Petersburg Platz. Mit einem kurzen Lächeln tauchte sie ab in ihre Welt, die zunehmend auch zur Welt der Stuhrer Klassikfans wurde. Mit dem französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) und seinen „Nouvelles suites de pièces de clavecin“ eröffnete sie das gut zweistündige Hörerlebnis. Er muss ein unruhiger Zeitgenosse gewesen sein, so oft wechselte Rameau die Organistenstellen. Die acht Sätze der „Nouvelles suites“ forderten auch nicht gerade zum lauschigen Absacken bei harmonischen Klaviertönen auf. Im Gegenteil: Erstaunlich modern und experimentierfreudig präsentierten sich die einzelnen Passagen in imposantem Tempo und oft mit schrägen Tonlagen. Die Finger von Elizaveta Ukrainskaia hüpften überaus faszinierend über die Tasten, vollführten ungewöhnliche Tonsprünge, und ihre Mimik verriet die innere, ganz eigene Umsetzung der Musik.

Mit einem weiteren kleinen, sehr sympathischen Lächeln ging es nach 20 Minuten genauso konzentriert zu Johannes Brahms (1833 bis 1897). Der hatte bereits mit 28 Jahren die „Variationen und Fuge über ein Thema von Händel, Op. 24“ geschrieben. Das Stück hatte er Clara Schumann zum Geburtstag geschenkt. Uraufführung war in Oldenburg. In Stuhr sollte nun Elizaveta Ukrainskaia dem Meister alle Ehre erweisen. Da gab es von sonst eher zurückhaltenden Klassikfans ein lautes „Bravo“ zum Abschluss.

„Es ist unglaublich, was hier für zwölf Euro Eintritt an Weltklasse geboten wird“, lobten einige begeisterte Gäste in der Pause.

Bereits eine Woche zuvor hatte am Steinway-Flügel des Rathauses Julian Gorus aus Bulgarien Platz genommen und einen überzeugenden Auftritt geboten. Hinsichtlich oft nicht verschiebbarer Termine der Künstler sei diese zufällige Ballung außergewöhnlichen Musikgenusses zustande gekommen, war vom Kulturbüro der Gemeinde zu hören.

Nach der Pause spielte Elizaveta Urkainskaia zu einem späten Sonntagnachmittag passende, entspannte Töne, und zwar vom spanischen Komponisten Isaac Aléniz (1860 bis 1909): „Cantos de Espana, Op. 232“. Das einstige Wunderkind war bereits als Zwölfjähriger von zu Hause abgehauen und als blinder Passagier nach Puerto Rico gefahren. Sein Weg hatte ihn aber wieder in die Heimat zurückgeführt. Dort gilt er als Gründer des spanischen Nationalstils der Musik. Franz Liszt (1811 bis 1886) setzte dem Sonntagskonzert mit der Rhapsodie Espagnole ein weiteres Highlight auf. Auch dieses 1863 komponierte Werk enthielt große technische Herausforderungen, die Elizaveta Ukrainskaia meisterlich beherrschte. Die Zugaben wurden eingeklatscht, bis die junge Musikerin schließlich energisch den Klavierdeckel schloss.

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