Zustandekommen soll künftig von Anmeldezahlen abhängen

Sonderdienste in den Kitas in Gefahr

Kita Marsstraße: Blieben die Anmeldezahlen für den Spätdienst bis 17 Uhr unverändert, würde das Angebot im Kindergartenjahr 2017/2018 auslaufen. - Archivbild: Schritt

Stuhr - Von Andreas Hapke. Eltern befürchten, dass die Spätdienste in den Stuhrer Kindertagesstätten wegbrechen und sie ihre Sprösslinge künftig nicht mehr bis 17 Uhr betreuen lassen können.

Ein entsprechendes Szenario hat die Verwaltung am Dienstagabend im Auschuss für Jugend, Freizeit und Kultur beschrieben. Sonderöffnungszeiten sollen künftig nur noch dann gelten, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, etwa genügend Personal vorhanden ist und mindestens fünf Kinder für diese Betreuung angemeldet sind. Während die Eltern um Aufschub für die Regelung gebeten hatten, haben die Politiker sie als Satzungsänderung empfohlen. Lediglich die Grünen stimmten dagegen.

Hintergrund für diesen Schritt ist die personelle Situation in den Einrichtungen. Laut Kerstin Frohburg, Fachdienstleiterin Bildung, Jugend und Sport, sind zurzeit zwar alle Stellen in den Kitas besetzt, doch dafür sind zehn Vorstellungsrunden notwendig gewesen. 

„Wir haben zunehmend das Problem, dass Bewerber absagen, weil der Dienstplan nicht attraktiv ist“, erklärt Kerstin Frohburg. Kaum eine in Vollzeit beschäftigte Erzieherin freue sich über einen Frühdienst von 7 bis 8 Uhr, wenn sie danach eine Pause bis 12 Uhr einlegen müsse. Doch genau das passiere zuweilen, denn für Sonderöffnungszeiten werden Mitarbeiterinnen herangezogen, die noch Kapazitäten in ihrer Stundentafel haben. 

„Die Gestaltung von Dienstplänen ist schon ohne Sonderdienste schwierig. Wir haben sogar Probleme, die Kernzeiten zu besetzen“, bedauert Frohburg.

„Es ist ein Abwägungsprozess, am Ende geht die Aufrechterhaltung des Kernangebots vor Sonderöffnungszeiten“, sagt Detlev Gellert, Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Freizeit. „Die Satzungsänderung soll diese Transparenz schaffen.“

In drei Kitas mehr als fünf Kinder angemeldet

Die meisten Erziehungsberechtigten sind nicht betroffen, da sie ihren Sprössling in die verlängerte Betreuung bis 15 Uhr gegeben haben. Doch für 36 Eltern ist im laufenden Kindergartenjahr – laut Anmeldung im Januar – die Stunde von 16 bis 17 Uhr attraktiv. Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Einrichtungen bedeutet dies: Jahnstraße 4 Kinder, Marsstraße 8, Meyerstraße 1, Groß Mackenstedt 1, Heiligenrode 3, Moordeich 2, Seckenhausen 7, Stuhr 7, Varrel 2, Varreler Feld 1.

Sollte sich am Anmeldeverhalten der Eltern nichts ändern, blieben im Kindergartenjahr 2017/2018 also nur die Spätdienste in den Kitas Marsstraße, Stuhr und Seckenhausen erhalten. Nur dort würden mehr als fünf Sprösslinge bis 17 Uhr bleiben. Für den Frühdienst von 7 bis 8 Uhr würde sich in keiner Einrichtung etwas ändern.

In Groß Mackenstedt sei schon seit Jahren das Problem, dass nur ein Kind bis 17 Uhr betreut werde, berichtet die dortige Elternsprecherin Kerstin Bade. „Aber das sind Alleinerziehende, die diese Flexibilität am meisten benötigen.“

Einzelfälle auf längere Zeiten angewiesen

Nicht allein erziehend, aber ebenso auf eine Betreuung nach 16 Uhr angewiesen ist eine Mutter, die sich mit ihrem Mann in Stuhr ein Haus gekauft und ihr Kind in Seckenhausen angemeldet hat. „Es war ein Kampf, von 7 bis 15.45 Uhr arbeiten zu gehen, da die Firma keine Teilzeitstellen hat. Jetzt kann ich mein Kind um 16.30 abholen.“ Falle der Spätdienst weg, verliere sie ihren Arbeitsplatz. „Keine Arbeit, kein Krippenplatz, wie sollen wir unser Haus finanzieren?“

In Richtung Verwaltung und Politik sagte Julia Lübben, die ein Kind in Stuhr betreuen lässt: „Bitte beachten Sie, dass da Existenzen dran hängen.“

Silke Fritsche, Elternvertreterin in Moordeich, glaubt, dass künftig viele Eltern ihr Kind für den Spätdienst anmelden, ob notwendig oder nicht. „Sie werden dann später zurückrudern.“

CDU-Ratsfrau Gabriele Gerken lud die Betroffenen dazu ein, über Lösungen im privaten Umfeld nachzudenken. „Unsere Freunde sind auch berufstätig, und die Familie wohnt nicht hier“, hieß es aus dem Zuschauerraum. Keinen Grund für eine Satzungsänderung sah Grünen-Ratsfrau Kirstin Taberski: „Ich verstehe den Aufwand nicht.“

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