Gert Schröder öffnet sein Atelier

Skulpturen, Bilder, Hackklopse

Gert Schröder (l.) zeigt den Besuchern seine Skulpturen, die sie auch anfassen dürfen. - Foto: Husmann

Feine - Von Angelika Kratz. Für nur einen Tag mochte Gert Schröder sein Atelier an der Wulfhooper Straße in Stuhr-Feine nicht öffnen. Und nicht nur für ein Wochenende. Darum freut er sich wie bereits am vergangenen auch am kommenden Wochenende auf viele neugierige Besucher.

Die Gäste können sich nicht nur 42 aus Stein oder Bronze geschaffene Objekte auf ihren Sockeln im ehemaligen Viehstall eines Bauernhofs anschauen. Ein Blick auf die Wände lohnt sich ebenfalls, denn dort hat Gert Schröders Partnerin Nadya Hauswald ihre großformatigen farbenfrohen Gemälde platziert.

Leider musste sie aufgrund der Erkrankung ihres Vaters nach Moskau fliegen und konnte nicht persönlich bei der Eröffnung dabei sein, aber in Gert Schröder fand sich ein fachmännischer Deuter ihrer Bilderwelt.

Urlaubserinnerungen aus Bologna werden auf der Leinwand festgehalten. Ein flotter Pinselstrich mit Freude zur Farbe hält darauf überwiegend menschliche Begegnungen fest. „Es muss ein gelungener Urlaub gewesen sein“, fällt dem Betrachter beim Anblick der entspannten Szenen sofort auf.

„Man darf sie auch anfassen“, gab es vom leidenschaftlichen und längst nicht müden Bildhauer gleich am Eingang die Empfehlung, mit den Fingern über die wunderschönen glatten Formen seiner meist abstrakten Schöpfungen zu streichen und diese zu erfühlen. Der anlässlich des Mauerfalls verarbeitete Sandstein ist eines der wenigen Werke von Gert Schröder, die mit schroffer Oberfläche aufwarten. Streichelzahm ist dagegen Napoleon aus Tonschiefer und „ein Stück vom schwarzen Meer“ aus deutschem Serpentin. Drehbar zeigt sich der „Lebenslauf“ einmal von der weiblichen und einmal von der männlichen Seite. Gerne erläuterte der Bildhauer selber die vielen Ornamente und verriet damit so einiges von der eigenen Anschauung der Rollenverteilung.

Oft mit einem humorvollen Zwinkern macht Schröder politische Aussagen. „Der gefangene Diskus“ beschäftigt sich mit dem zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen gefangenen Sport.

Weißer und rosafarbener Marmor hat es Gert Schröder besonders angetan. Das Material kauft er oft vor Ort in Italien und Frankreich. Aber wenn es andere Quellen, wie bei einem befreundeten Künstler, gibt, dann greife er dort zu.

Grobe Strukturen werden aufgezeichnet, nachdem es meist in schlaflosen Nächten die entsprechenden Überlegungen für ein neues Werk gibt. „Oft wochenlang“, berichtet Gert Schröder von einem langen gedanklichen Schöpfungsprozess ein. Danach wird dem Steinklotz mit elektrischem Werkzeug die erste Reduktion gegeben. Da schwinden wie bei einer erfolgreichen Schlankheitskur die Kilos. „Aber was weg ist, ist weg“, sagt der Fachmann. Fehler sind unbehebbar, und der Stein hat unvorhersehbare Eigenheiten.

„Es macht einfach Spaß, die unterschiedlichen Materialien zu besiegen“, gesteht Gert Schröder und geht mit seinen Besuchern nach nebenan in die Werkstatt. Dort wartet eine Stele auf ihre Vollendung. Wenn Schröder nach einigen Stunden der Arbeit seine Werkstatttür schließt, zieht es ihn in die Küche. Von den dort zubereiteten anderen Meisterwerken konnten sich die Besucher der Ausstellung in Form von schmackhaften Hackklopsen ein ganz anderes Bild machen.

• Am 10. und 11. September ist das Atelier wieder zwischen 11 und 17 Uhr in Anwesenheit von Nadya Hauswald geöffnet.

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