Steller Heide soll Landschaftsschutzgebiet werden

Wo sich Molch und Libelle „gute Nacht“ sagen

Helen Schepers vom Fachdienst Kreisentwicklung (r.) und Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko (2.v.r.) führen die Teilnehmer der Exkursion in die Besonderheiten der Steller Heide ein. - Foto: Ehlers

Stelle - Von Andreas Hapke. Eine anschauliche Form der Öffentlichkeitsbeteiligung haben rund 50 interessierte Bürger am Mittwochnachmittag in der Steller Heide erlebt. Dorthin hatte der Landkreis Diepholz eingeladen, um die schützenswerten Lebensraumtypen und -arten vorzustellen.

Hintergrund: Als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) steht die Steller Heide zwar schon unter Schutz. Doch nach Vorgabe der Europäischen Union (EU) muss der Kreis die FFH-Richtlinie in nationales Recht überführen. Deshalb soll die Steller Heide zu einem Landschaftsschutzgebiet werden. Die entsprechende Verordnung soll laut Helen Schepers vom Fachdienst Kreisentwicklung Ende Februar 2017 in Kraft treten.

Wie ausgetrocknete und aufgewehte Eissande zu den Binnendünen des 100 Hektar großen Areals wurden und durch Windausblasungen die insgesamt drei Schlatts entstanden, erklärte Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko den Teilnehmern des Spaziergangs. Neben Dünen und Schlatts habe der „durch natürliche Entwicklung entstandene Eichen- und Birkenwald eine Wertigkeit“. Zur Vielfalt trage auch das reichhaltige Unterholz bei, etwa die nordamerikanische Traubenkirsche. Die Heidelandschaft sei in Stuhr zwar nur noch in Relikten vorhanden, aber mit am längsten erhalten, sagte Plitzko.

Auf die seltenen Pflanzen, die sich auf den kargen Lebensraum Sand spezialisiert haben, sowie auf außergewöhnliche Tiere wie den Kammmolch und die Libellenart Große Moosjungfer ging Schepers ein. Der Kammmolch sei allerdings schon länger nicht mehr nachgewiesen worden, sagte Schepers, was laut Gerold Leschke auch auf die Große Moosjungfer zutrifft. Dafür hat der Libellenexperte des örtlichen Naturschutzbunds 19 andere Arten registriert. „Das hier ist ein Libellenparadies“, stellte er fest.

Libellen und Molch benötigten nährstoffarme Gewässer ohne Fische wie die Schlatts, damit sie ihre Eier gefahrlos in den Wasserpflanzen ablegen könnten, erklärte Schepers. An einem herausgerissenen Büschel demonstrierte sie auch, warum der Silbergrasrasen mit wenig Wasser auskommt.

In seiner Funktion als Nabu-Vogelexperte nannte Uwe Weitemeier den Baumpieper, den Gartenrotschwanz und den Neuntöter als weitere illustre Bewohner des Areals. Vögel seien allerdings nicht durch europäisches Recht geschützt, warf Schepers ein.

Die seltenen Sandlebensräume sollen weiterhin öffentlich zugänglich bleiben. Oder wie Schepers es formuliert: „Man wird die Freizeitnutzung nicht raushalten können, das will man ja auch nicht“ – zumal der südliche Teil des Areals als Hundeauslauffläche ausgewiesen ist. „Wir müssen das Ganze so stricken, dass die Konfliktnutzungen Bewegung und Schutz möglich sind“, sagte Detlef Tänzer, Leiter des Fachdienstes Kreisentwicklung, bei der späteren Informationsveranstaltung im Stuhrer Rathaus.

Deshalb beinhaltet der von seiner Kollegin Larissa Scharninghausen vorgestellte Vorentwurf der Verordnung eine Reihe von Verboten und Schutzbestimmungen für das Gebiet. Außerhalb der Hundeauslaufzone etwa soll es nicht erlaubt sein, das Gebiet abseits der Wege zu betreten. Demnach könnten die großen Binnendünen im nördlichen Teil künftig tabu sein. „Die Freizeitnutzung ist dort momentan zu groß“, begründete Schepers. FDP-Ratsherr Jürgen Timm gab zu bedenken, dass die „Akzeptanz für das Landschaftsschutzgebiet abnimmt, wenn Sie die Menschen ausschließen wollen.“

Weitere der insgesamt 19 Verbote beziehen sich auf Lärm, Müll und Gewässerverunreinigung. Zelten, Mountainbike fahren, Boote auf die Schlatts lassen und mit dem Auto außerhalb der öffentlichen Straßen und Wege unterwegs sein – all dies dürfte in der späteren Verordnung verboten sein.

Das Ausweisungsverfahren geht im September mit der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange in die nächste Runde. Es folgt die öffentliche Auslegung durch die Gemeinde.

Nach der Ausweisung der Steller Heide als Landschaftsschutzgebiet geht es noch darum, die Verordnung durch eine Reihe von Instrumenten zu untermauern. „Geld in die Hand nehmen, um aktiv was zu machen“, nennt Tänzer das. Beispielhaft sind bereits einige Maßnahmen im Vorentwurf aufgeführt, etwa das Entfernen von Fischbesatz, das Aufstellen von Schildern und das Einzäunen sensibler Bereiche. Doch bis es dazu kommt, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Zunächst einmal geht es dem Landkreis darum, alle 19 FFH-Gebiete zu sichern. Das soll laut Schepers bis Ende 2018 geschehen sein.

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