Vorwürfe stehen im Raum

Umweltzentrum: Pleite oder neue Ausrichtung?

Vor gut zwei Jahren ist das Umweltzentrum aus seinem Büro an der Hauptstraße ausgezogen. - Archivfoto: Ehlers

Stuhr - Von Sandra Bischoff. Wer das Umweltzentrum Stuhr (UWZ) anrufen will, hat schlechte Karten: Die auf der Homepage angegebene Telefonnummer ist nicht erreichbar, und auch sonst erscheint die Seite verwaist. Für einen ehemaligen Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist die Lage eindeutig: „Das Umweltzentrum ist pleite.“

Er bedauert, dass das „ehemalige Vorzeigeprojekt sang- und klanglos beerdigt“ wurde. „Man kann doch ehrlich sagen, dass es vorbei ist.“ Seine Schlüsse zieht er unter anderem daraus, dass die Beratungstelefonnummer abgestellt ist und auch die Büroräume aufgelöst wurden. Vor gut zwei Jahren hatte der Verein seinen Standort an der Seckenhauser Hauptstraße aufgegeben und aus der Wohnung eines Mitarbeiters heraus agiert.

„Die Räume wurden aufgelöst und mit vielen Hunderttausenden Euro von Fördermitteln unter anderem der Deutschen Bundesstiftung Umwelt angeschaffte Gegenstände kostenfrei verteilt“, berichtet der ehemalige Mitarbeiter. So auch die Umweltmediathek, die es seiner Aussage nach nicht mehr gibt. 

„Es ist alles weg, das dürfte bei den Fördermittelgebern nicht gut ankommen, denn die Beträge sind daran geknüpft, dass der Verein die Sachen der Öffentlichkeit dauerhaft zur Verfügung stellt.“ Zudem wisse er von einem Honorarmitarbeiter, der noch auf sein Geld warte. Das viel beworbene Projekt Kleinwindanlagen ruhe augenscheinlich ebenfalls. „Warum werden keine neuen Messstationen mehr aufgebaut?“, fragt er sich.

Der erste Vorsitzende Peter Gehrmann wollte auf Anfrage keine Stellung beziehen und verwies auf den zweiten Vorsitzenden Georg Gerdes.

„Das Umweltzentrum Stuhr gibt es immer noch, allerdings haben wir uns umorientiert“, sagt dieser. Der Verein biete keine Einzelberatungen für Immobilienbesitzer mehr an, sondern habe sich zu einer Forschungsstelle für Klimaschutz, erneuerbare Energien und Speicher entwickelt. „Wir arbeiten viel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn wir bekommen unsere Aufträge unter anderem von Ministerien“, sagt Gerdes. Der Verein habe die klassische Energieberatung aufgegeben, weil man gemerkt habe, dass die Stuhrer genügend andere Kanäle wie zum Beispiel den Klimaschutzbeauftragten nutzen könnten.

„Für solch eine Neuorientierung benötigt man viel Kapital im Vorfeld, deshalb haben wir unsere Bürokratie zurückgefahren und agieren aus einem virtuellen Büro.“ Dass die Nummer nicht zu erreichen sei, sei unglücklich. Viele wüssten aber, dass sie den Verein über Gerdes’ Homepage erreichen könnten. Die Adresse wollte er allerdings nicht verraten. „Wer den Kontakt zu uns sucht, kann sich an das Rathaus wenden, dort haben die Mitarbeiter alle Daten von uns.“ Schaut man auf der dortigen Homepage wird besagte Telefonnummer angezeigt, die nicht mehr geschaltet ist.

Fördergelder für Ausstattung

Der Gedanke, die Öffentlichkeit über das geänderte Aufgabengebiet zu informieren, ist dem gemeinnützigen Verein scheinbar nicht gekommen. „Das haben wir über die neuen Projekte vernachlässigt“, gibt Gerdes zu. Er und die anderen drei Vorstandsmitglieder seien ehrenamtlich für den Verein tätig.

Fördergelder habe der Verein für die Ausstattung bekommen. So etwa für die Mediathek. „Den Bestand haben wir der Bibliothek Stuhr übergeben“, sagt Gerdes. Eine Aussage, die Bibliotheksleiterin Sigrid Mattner mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt. „Wir haben die Bestände nicht übernommen. Die hätten wir auch gar nicht unterbringen können.“

Gerdes räumt ein, dass es derzeit „zwei kleine Außenstände“ bei Mitarbeitern gebe, „aber die wissen, wann wir bezahlen können“. Pleite scheint der Verein allerdings nicht zu sein. Zumindest taucht er nicht in den Insolvenzbekanntmachungen des Amtsgerichts Syke auf.

Was die Kleinwind-Initiative angeht, präsentiert Gerdes konkrete Zahlen: „Bisher haben wir 58 Grundstücke in Bremen und umzu vermessen.“ Die Nachfrage von Kommunen, Landwirten und Gewerbetreibenden sei groß. „Wir können gar nicht alle bedienen, die sich dafür interessieren, deshalb gibt es eine Warteliste.“

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