Im Interview erklärt Bürgermeister Thomsen, warum die Linie 8 wichtig ist

Linie 8: „Die Pendler werden sich über eine Alternative freuen“

Eine Straßenbahnlinie von Bremen über Stuhr nach Weyhe: Bürgermeister Niels Thomsen hält auch nach dem Urteil des OVG Lüneburg an dem Vorhaben fest. - Foto. Husmann

Stuhr - Vor zwei Monaten hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg das Urteil gesprochen, das die Planungen für den Ausbau der Straßenbahnlinie 8 zum Erliegen brachte. Seitdem ist es ruhig geworden um das Millionenprojekt. Redakteurin Sandra Bischoff sprach mit Bürgermeister Niels Thomsen über das Vorhaben, die weiteren Schritte und warum die Straßenbahn wichtig für Stuhr ist.

Am 26. August hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg das Urteil zum Stopp des Planfeststellungsbeschlusses gesprochen. Liegt Ihnen das Urteil inzwischen vor und was sagen Sie dazu?

Thomsen: An diesen Freitag werde ich mich noch lange erinnern. Mit dem Urteil wird die Realisierung des aus meiner Sicht bedeutendsten ÖPNV-Projekts in der Gemeinde Stuhr gebremst. Wir verlieren viele Monate bis zur Inbetriebnahme. Eine konkrete Stellungnahme zum Urteil und den Folgen für unsere Gemeinde kann ich immer noch nicht abgeben, weil die Urteilsbegründung des OVG Lüneburg auch zwei Monate nach dem Urteil nicht vorliegt. Mein Unmut darüber wächst.

Wie konnten denn solche groben Planungsfehler passieren? In anderen Städten, zum Beispiel Kassel, war es eindeutig, dass Vorhaben dieser Art nach dem Personenbeförderungsgesetz geplant werden.

Und in Karlsruhe – ebenfalls vergleichbar – nach dem Allgemeinen Eisenbahnrecht. Die Diskussion, ob bei derartigen Vorhaben Allgemeines Eisenbahn- oder Personenbeförderungsrecht anzuwenden ist, ist also schwierig zu beantworten und umstritten. Daher kann man sicherlich nicht von Planungsfehlern sprechen. Erst nach dem Vorliegen der Urteilsbegründung wird eine konkrete Aussage dazu getroffen werden können.

Stuhr hält weiterhin an der Straßenbahn fest, genau wie Weyhe. Das haben Sie immer wieder betont. Warum ist die Linie 8 so wichtig für die Gemeinde?

Das Funktionieren des öffentlichen Personennahverkehrs spielt im Raum Stuhr, Weyhe, Bremen eine große Rolle. Seit Jahren finanziert die Gemeinde Stuhr Buslinien, die Bremen und Stuhr verbinden. Ein weiteres Großprojekt ist die Anbindung Stuhrs an das Bremer Straßenbahnnetz. Ein Vorhaben, das seit längerem verfolgt wird und nunmehr in die Realisierungsphase kommt. Nach der Inbetriebnahme werden meiner Auffassung nach viele Bürgerinnen und Bürger die Straßenbahn nutzen. Und die vielen Pendler in diesem Gebiet werden sich freuen, am Morgen und am Abend eine Alternative zum Stau auf unseren viel befahrenen Straßen zu haben. Darüber hinaus ist eine Straßenbahn ein barrierefreies und verlässliches Verkehrsmittel.

Auch wenn die Kosten sich durch eventuelle Neuplanungen stark erhöhen? Oder anders gefragt: Welche Zusatzkosten kommen jetzt auf Stuhr zu?

Zunächst ist wie schon erwähnt die schriftliche Urteilsbegründung des OVG Lüneburgs abzuwarten. Die sich daraus ableitenden Handlungsoptionen sind zu prüfen. Abhängig davon, welche gewählt wird, entstehen ganz unterschiedliche Kosten für Stuhr. Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine belastbare Aussage darüber getroffen werden, wie hoch die Kosten schlussendlich sind und ob sie das bisher veranschlagte Budget überschreiten.

Wie geht es nun weiter? Was müssen Politik und Verwaltung tun, damit die Straßenbahn kommt?

Politik und Verwaltung können aktuell nur die schriftliche Urteilsbegründung des OVG Lüneburg abwarten. Wenn diese vorliegt, werden wir die Handlungsoptionen beraten und über die Einlegung eines Rechtmittels entscheiden. Wir als Gemeinde müssen auf jeden Fall Wege beschreiten, die es uns ermöglichen, dieses wichtige Projekt umzusetzen. Denn die Akten zu schließen und das Projekt zu beenden, kommt für mich überhaupt nicht in Frage. Ich wünsche mir deshalb, dass wir möglichst schnell die Urteilsbegründung erhalten. Sobald rechtliche Klarheit herrscht, werden wir mit dem Ausbau der Strecke beginnen können. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die BTE-Trasse nach wie vor für den Güterverkehr und den Gelegenheitsverkehr, zum Beispiel dem Pingelheini, zur Verfügung stehen muss. Insofern werden die Unterhaltungsarbeiten weitergeführt.

Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis die Linie 8 das erste Mal durch Stuhr fährt?

Viel zu lang, wirklich! Ich hoffe, innerhalb der nächsten fünf Jahre.

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