Reaktionen auf vorgestelltes Mobilitätskonzept

„Panik nach dem Urteil gegen die Linie 8“

Staus auf der B 322 sind keine Seltenheit. Unter anderem deshalb beantragen Grüne und CDU ein Mobilitätskonzept, die anderen Fraktionen reagieren unterschiedlich. - Archivfoto: Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Auf das von CDU und Grünen ausgearbeitete Mobilitätskonzept haben die übrigen drei Fraktionen des Gemeinderats mit einer Mischung aus Ablehnung und Zustimmung reagiert. Vor dem Hintergrund stockender Großprojekte wie der Straßenbahnlinie 8 und der „B 6 neu“ hatten Grüne und CDU eine Reihe von Instrumenten präsentiert, die Stuhr alleine umsetzen kann.

Doch genau daran glaubt der FDP-Fraktionsvorsitzende Jürgen Timm nicht. Seine Fraktion würde zwar jedes Konzept, das zu einer Verbesserung der Verkehrssituation führt, mittragen. „Doch wir können eigentlich nichts ohne die Nachbarkommunen auf den Weg bringen“, sagt Timm. Er nennt das Beispiel Ampelschaltung, die dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Vorrang einräumt: „An der Gemeindegrenze ist der Vorteil hin. Und es geht nicht nur darum, in Stuhr schneller vorwärts zu kommen.“ 

Die Einrichtung von Busspuren hält der Liberale für utopisch. „Auf der Varreler und der Stuhrer Landstraße war bis vor kurzem noch nicht einmal Platz für einen Mittelstreifen. Dafür müsste man in die Vorgärten der Anwohner gehen.“ Das Gleiche gelte für den Ausbau der Radwegeverbindungen. „Wo legen wir die an? Die alten Siedlungsgebiete sind nicht dafür ausgelegt, das man dort Radwege haben muss.“

Was Car-Sharing und bessere Taktzeiten im Busverkehr angehen, „sind wir nicht gegen solche Maßnahmen, wenn sie zum Erfolg führen“, sagt Timm. Zusätzlichen „Park&Ride“-Möglichkeiten stimmt er zu, „vorausgesetzt, die Leute werden dort auch vom ÖPNV abgeholt und es sind Flächen vorhanden“. In dem Fall könne man auch über die Anbindung Stuhrs an ein Fernbusnetz reden.

Speziell diesen Vorschlag bezeichnet der „Besser“-Fraktionsvorsitzende Gerd-W. Bode als eine „Absurdität“. „Von der Schiene zurück auf die Straße? Grüne quo vadis möchte man fragen.“

Laut Bode sind in dem Mobilitätskonzept „Dinge gefordert, die es sowieso schon gibt“. Als Beispiele nennt er freie Fahrt für Busse an roten Ampeln (Brinkum-Nord), „Park&Ride“-Plätze (vor allem in Brinkum) und Car-Sharing. Eine Form davon sei, dass sich viele Pendler im Außenbereich zu Fahrgemeinschaften treffen. Und die „Fahrradwege nach Bremen könnten kaum besser sein.“

Die Nutzung der Trasse der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn für den ÖPNV belegt Bode ebenfalls mit dem Prädikat „absurd“. Nicht nur, dass die Strecke marode und deshalb zurzeit für den Schienenverkehr zwischen Brinkum und Roland-Center gesperrt sei. Der Ausbau sei dem Rat bereits 1996 zu teuer gewesen. „Was hat sich seitdem geändert?“, fragt Bode. Er verweist auf das seit 2001 von „Besser“ geforderte Verkehrskonzept mit einem Ringbus, der alle Ortsteile verbindet, sowie eine verlässliche Taktung der Busse.

In dem Antrag von CDU und Grüne spiegelt sich für Bode „Panik nach dem Urteil gegen die Linie 8“ wider. Nun wolle man mit einem „eilig zusammengeschusterten Antrag den Anschein von Nachhaltigkeit erwecken. Nach mehr als 20 Jahren Lethargie bei der Entwicklung alternativer Verkehrskonzepte“.

Die SPD möchte sich in ihrer heutigen Fraktionssitzung mit dem Antrag befassen, wie Vorsitzende Susanne Cohrs auf Nachfrage mitteilt. Mit einigen Punkten könne sie sich identifizieren. Fest stehe, dass der ÖPNV in Stuhr entwicklungsbedürftig sei, besonders was die Anbindung der Außenbereiche angeht. Cohrs könnte sich ein Anrufsammeltaxi vorstellen, ebenso die Ausweitung der Grönemeyer-Linie. 

Über einen 30-Minuten-Takt für Linienbusse und Car-Sharing könne man nachdenken. Die Forderung nach „Park&Ride“-Flächen sieht sie im Wesentlichen schon erfüllt, diese seien am ehemaligen Brinkumer Bahnhof und an der Haferflockenkreuzung vorgesehen. Bei der Ausweisung neuer Gewebegebiete will die SPD deren Erreichbarkeit mit dem ÖPNV sicherstellen. „Für die, die im Einzelhandel in Groß Mackenstedt arbeiten, ist die Situation eine Katastrophe.“

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