Katja Schauland bietet Führungen mit Gruselfaktor

Nachts auf dem Brinkumer Friedhof

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„Nachtwächterin“ Katja Schauland (r.) führt die kleine Besuchergruppe über den stockfinsteren Brinkumer Friedhof. Im Schein der mitgebrachten Laterne gibt sie Erläuterungen zu einzelnen Grabstätten und trägt eigene Gedichte vor. 

Brinkum - Von Rainer Jysch. „Auf dem Friedhof wird es hinten immer dunkler“, warnt Katja Schauland vom Kulturverein Granatapfel am Montagabend ihre Gäste, die sich zum Gang über den nächtlichen Gottesacker in Brinkum einen Tag nach Neumond eingefunden haben. Alle folgen der Empfehlung und bringen Lichter und Lampen zur dreigeteilten Gräberanlage mit.

„Es ist eine schöne Tradition, am Abend vor Allerheiligen den Verstorbenen ein Licht auf das Grab zu stellen“, erklärt die Vereinsvorsitzende. In der Kluft einer Nachtwächterin im hellen Umhang mit Stalllaterne und Horntute präsentierte sich die 41-Jährige, die bereits seit 2014 nächtliche Friedhofswanderungen anbietet. Auch allgemeine Stadtführungen gehören zum Programm des Kulturvereins. „Der letzte Brinkumer Nachtwächter ist 1908 gestorben“, sagt Katja Schauland. „Früher war es durchaus üblich, dass die Ehefrauen nach dem Tod der Nachtwächter, dessen Arbeit fortgesetzt haben.“

Während die Friedhofsführungen stets am Reformationstag über die Bühne gehen, variiert das Motto der Veranstaltung. „Bei den ersten beiden Wanderungen ging es um die allgemeine Stadtgeschichte“, erinnerte Schauland. Dabei wurde erklärt, welche Bauernhöfe im 18. Jahrhundert der Friedhofsanlage weichen mussten. Auch das Haus Lohmann und die dazugehörige Familiengeschichte wurden thematisiert. „Den Namen Lohmann findet man ganz häufig auf den Brinkumer Grabsteinen.“

Thematisch passende Gedichte

Am Montag führte Katja Schauland ihre Gäste zu anderen Gräbern mit mehr oder weniger bekannten Namen, wie das des Sanitätsrats Dr. med. August Euker, der 1909 etwa zeitgleich mit Brinkums letztem Nachtwächter verstorben war.

Auch das Grab der Arztfamilie Turner und die Ruhestätte von einem der drei hier ruhenden Pastoren des Ortes waren Ziele auf dem Rundgang in der Finsternis. Thematisch passende, eigene Gedichte gab Schauland zum Besten, wie „Spaziergangsforschung“, „Das Licht am Ende des Tunnels“ und „Die imaginäre Brücke“.

Irma und Martin Hellwig aus Brinkum sind bereits Stammgäste bei Katja Schaulands Führungen und kennen sich auch bei Tageslicht auf dem Friedhof aus. Ein steter Teilnehmer ist auch Heidi Richter, die Katja Schauland bei der Vereinsarbeit unterstützt. Ursula Riese war erstmals bei einer nächtlichen Friedhofswanderung dabei. Seit mehr als 20 Jahren wohnt sie in Brinkum direkt neben dem Gräberfeld. „Oma, du hast aber einen schönen Garten“, habe ihre Enkelin einmal beim Blick vom Balkon gesagt.

„Auf dem Friedhof erkennt man, wie das Dorf lebt: Die Brinkumer Dorfgemeinschaft ist städtischer geworden. Das spürt man an den neuen Gräbern im hinteren Bereich am ehesten“, sagte Schauland am Ende der Führung. Die Besuchergruppe war auf dem dritten Teil des Friedhofs angekommen, dort, wo man nachts nicht die Hand vor den Augen sieht.

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