46 Menschen verlieren bei dem Unglück am 28. Januar 1966 ihr Leben

Ursache für den Absturz über Stuhr bleibt schleierhaft

So berichtet die Kreiszeitung am 29. Januar 1966 über den Flugzeugabsturz. Repro: Michael Wendt
+
So berichtet die Kreiszeitung am 29. Januar 1966 über den Flugzeugabsturz. Repro: Michael Wendt

Stuhr - Von Rainer Jysch. Genau heute vor 50 Jahren ereignete sich am Rande des Bremer Flughafens auf dem Gebiet der Gemeinde Stuhr das bis dahin schwerste Flugzeugunglück, von dem die Deutsche Lufthansa seit der Wiederaufnahme ihres Betriebs im Jahr 1955 betroffen wurde. 46 Menschen starben bei dem Unglück, über dessen Ursache am Ende selbst Experten nur mutmaßen konnten.

Es war der 28. Januar 1966 gegen 18.50 Uhr. Für den Lufthansa-Flug 005 von Frankfurt am Main nach Hamburg war eine planmäßige Zwischenlandung in Bremen vorgesehen. Als die zweimotorige Propeller-Maschine vom Typ Convair CV-440 „Metropolitan“ den Flugplatz erreichte, zog der erfahrene, 48-jährige Pilot Heinz Saalfeld die Maschine nur wenige Meter über der Rollbahn plötzlich hoch, um durchzustarten. Das Flugzeug bewegte sich steil nach oben und stürzte dann über die linke Tragfläche mit dem Cockpit voraus zu Boden. Die beiden Piloten, zwei Stewardessen und 42 Passagiere verloren bei dem Unglück ihr Leben.

Unter den Fluggästen befanden sich neben Ada Tschechowa, Mitglied einer bekannten Schauspielerfamilie, ein siebenköpfiges italienisches Olympia-Schwimmteam, sein Trainer und ein italienischer Reporter. Die Schwimmer wollten im Bremer Zentralbad (heute Standort des Musicaltheaters am Richtweg) an einem Wettkampf teilnehmen. Unweit der Absturzstelle an der Ochtum wurde eine von italienischer Seite gestiftete Gedenktafel mit den Namen der verunglückten Sportler aufgestellt. Die Passagierliste enthielt auch den Namen einer weiteren Lufthansa-Stewardess: Maria Dagmar W. befand sich auf dem Heimweg von ihrem Dienst in Frankfurt. Sie wurde nur 23 Jahre alt und hinterließ Eltern und eine Schwester in Brinkum.

Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks in Bremen-Süd erinnert sich noch gut an seinen damaligen Rettungseinsatz: „Das war kurz vor meinem 17. Geburtstag. Wir bekamen den Befehl, bei einem Flugzeugabsturz Bergungsmaßnahmen vorzunehmen. Am Flughafengebäude stellten wir aber fest, dass wir falsch waren. Und dann war die ganze Norderländer Straße in Grolland mit Autos von Schaulustigen verstopft.“

Zu retten gab es aber ohnehin nichts mehr: Teile der Maschine hatten sich bis zu fünf Meter tief in den morastigen Acker gebohrt. 2500 Liter des restlichen Flugbenzins waren beim Aufprall mit einer gewaltigen Stichflamme explodiert. Nur das Leitwerk und Reste der rechten Tragfläche waren nach dem Unglück noch zu erkennen.

Die Verlängerung der Landebahn und die Ochtum-Verlegung waren 1966 schon beschlossene Sache. Im Stuhrer Ortsteil Kuhlen, am Rande der Ochtum und nahe der Absturzstelle standen daher nur noch vereinzelt bewohnte Häuser, darunter der Heumannsche-Hof am Ende der Kladdinger Straße. Der Absturz ereignete sich nur wenige hundert Meter entfernt.

Karl-Heinz Wartenberg (77) aus Kladdingen sind die Bilder von der Feuersäule am Unglücksort auch nach 50 Jahren noch gut in Erinnerung. Er war an diesem Tag gerade mit dem Auto in Richtung Bremen unterwegs, als neben der Straße in Dunst und Dunkelheit ein Feuerschein seine Aufmerksamkeit erregte. Die Katastrophe musste nur wenige Minuten vor seinem Fahrtantritt geschehen sein. „Ohne zu wissen, was da los war, hatte ich beim Anblick des Feuers ein ganz fürchterliches Gefühl im Bauch“, schildert er seine Eindrücke von damals. „Erst auf meinem Rückweg war die Straße von der Polizei gesperrt worden, und ich erfuhr, was da eigentlich geschehen war.“

Sein Nachbar Hinrich Fischer, seinerzeit 20 Jahre alt, erinnert sich: „Ich stand gerade beim Melken im Stall, und dann bebte plötzlich der Boden unter meinen Füßen. Wir konnten uns das zunächst gar nicht erklären. Durch die vielen Polizei- und Feuerwehrwagen, die wenig später an unserem Hof vorbeirasten, war jedoch schnell klar: Da ist bestimmt etwas Schlimmes passiert.“

Fischers Hof liegt gut zwei Kilometer von der Unfallstelle entfernt. Noch näher dran wohnt Familie Behrens. Christa Behrens lebt an der Kladdinger Straße mit freier Sicht auf den Flughafen. Zum Zeitpunkt des Unglücks war sie knapp 16 Jahre alt. Auch sie hatte ein Geräusch gehört, das sich erst nicht zuordnen ließ. „Wenn wir noch ein Pferd gehabt hätten, dann hätten wir gesagt: Es hat mit den Hufen gegen die Hauswand geschlagen. So ein dumpfer Aufprall war das.“ Den wahren Grund für das Geräusch erfuhr sie erst später durch Nachrichtensendungen und die zahllosen Schaulustigen, die versuchten, zu Fuß zur Unglückstelle zu gelangen. „Bis nachts um halb zwölf liefen sie in Scharen an unserem Haus vorbei, einige sogar mit Kinderwagen“, erinnert sich Behrens. Vergessen habe sie das Unglück auch nach 50 Jahren nicht. „Immer wenn ich durch Grolland fahre und an dem Ehrenmal vorbei komme, muss ich daran zurückdenken. So etwas kann man ja nicht einfach vergessen.“

Außer Vermutungen gab es auch nach zehn Monaten intensiver Untersuchungen durch das Luftfahrtbundesamt keine eindeutigen Hinweise auf die Absturzursache. Laut Unfallbericht schlossen die Experten nicht aus, dass beim Piloten in der kritischen Phase des Landeanfluges eine Herz-Kreislauf-Störung auftrat und er deshalb die Maschine nicht mehr sicher führen konnte. Letztlich wurde eine Verkettung von technischem und menschlichem Versagen ermittelt. Der Untersuchungsbericht endet indes etwas ratlos mit dem Satz: „Andere Ursachen können bei dem Unfall mitgewirkt haben.“

Mehr zum Thema:

Land unter im Zeltlager der Kreis-Jugendfeuerwehr

Land unter im Zeltlager der Kreis-Jugendfeuerwehr

Streifen zum Start der Berliner Fashion Week

Streifen zum Start der Berliner Fashion Week

VOM 9.6. Tiefe Töne fürs Hochgefühl: Kein Heimkino ohne Subwoofer

VOM 9.6. Tiefe Töne fürs Hochgefühl: Kein Heimkino ohne Subwoofer

Mit neuen Bildern: Die heißesten Fans der EM - und die skurrilsten

Mit neuen Bildern: Die heißesten Fans der EM - und die skurrilsten

Meistgelesene Artikel

Arbeitsurlaub in der Heimat

Arbeitsurlaub in der Heimat

Anreise ab 10 Uhr am Sonntag und erste Wettbewerbe ab 13 Uhr

Anreise ab 10 Uhr am Sonntag und erste Wettbewerbe ab 13 Uhr

Spektakel auf der Kartbahn

Spektakel auf der Kartbahn

Gute Stimmung, viele Teilnehmer

Gute Stimmung, viele Teilnehmer

Kommentare