Heigl-Gruppe in Fahrenhorst hat sich etabliert

„Man geht nach Hause und fühlt sich wie neugeboren“

Die Hände zum Himmel: Mit Armübungen startet Leiter Gerold Leschke (r.) das Heigln auf dem Dorfplatz in Fahrenhorst. - Foto: Husmann

fahrenhorst - Von Andreas Hapke. Temperaturen um den Gefrierpunkt schrecken einen Heigler nicht ab. Zehn Frauen haben sich gestern Morgen zu dieser Form der Körperertüchtigung auf dem Dorfplatz in Fahrenhorst eingefunden, ausgestattet mit Mützen, Schals und Winterjacken. So viele würden auch kommen, wenn es deutlich wärmer wäre. Die im September von Gerold Leschke gegründete Gruppe hat sich längst etabliert.

Der 60-Jährige war nach einer Herzoperation ans Heigln gekommen. Schon eineinhalb Wochen nach dem Eingriff schloss er sich einer Gruppe an und stellte fest: „Da kann jeder kommen und sich ohne Gruppendruck bewegen, je nach körperlichem Gebrechen.“

Das kommt auch bei den Frauen an. „Erfrischend“ findet das zum Beispiel die 76-jährige Ellen Jobmann. „Diese Bewegung an der Luft“, schwärmt sie. „Man ist hinterher nicht kaputt, sondern geht nach Hause und fühlt sich wie neugeboren.“

Die Teilnehmerinnen beginnen damit, ihre ausgestreckten Arme nach vorne zu schwingen. Immer ein bisschen mehr, „jetzt bis auf Augenhöhe“, ruft Leschke. Die Frauen werfen ihre Arme abwechselnd nach vorne, später parallel, dann auch mal angewinkelt oder seitwärts vor dem Körper. Seit sieben Jahren hat Leschke den Übungsleiterschein, die Gruppen in Moordeich und Seckenhausen gibt es seit 2010.

Während dort auch vier Männer mitmachen, lassen sich die Herren der Schöpfung in Fahrenhorst nicht blicken. „Die denken wohl, das ist Weiberkram“, vermutet Ellen Jobmann. Eva Möller kennt das aus ihrer Kirchseelter Heigl-Gruppe: „Da kommt auch keiner, dabei ist die Leiterin total attraktiv.“

Einige der Frauen kennen sich aus dem Fahrenhorster Mehrgenerationenhaus. Jobman und Möller etwa gehören zu dem Kreis. Letztere ist mit 82 Jahren die älteste Teilnehmerin, „aber das bin fast überall, wo ich hinkomme“. Sie zog erst im Ruhestand in den Norden. 20 Jahre ist das inzwischen her. „Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich bin begeistert von der Gruppe und dem Angebot“, sagt Möller. Ihr gehe es auch um das Gemeinschaftsgefühl.

Truus Storm (67) kam sogar aus den Niederlanden nach Fahrenhorst. „Der Liebe wegen“, verrät sie. Heigln kannte sie bis dahin nicht. Vielmehr standen in ihrer Heimat bei Den Haag Laufen und Yoga am Strand hoch im Kurs. „Heigln ist sehr gut für mein Asthma. Ich brauche das, mich draußen zu bewegen. Ich wil schließlich auch noch über 80 werden.“ Sie finde es praktisch, dass sich die Gruppe auf dem Dorfplatz treffe, denn so könne sie ihr Auto stehen lassen.

Für Gerold Leschke stehen jetzt die Schultern im Mittelpunkt. Die Frauen sollen sie vor und zurück bewegen, „in Verbindung mit der Atmung. Lang und sanft ein- und über den Mund ausatmen“. Danach beugen sich die Teilnehmerinnen nach vorne – „jede auf ihre Wohlfühlhöhe“ – machen einen Katzenbuckel und stützen sich mit den Händen auf den Knien ab. Zwischendurch immer mal wieder Arme und Füße schütteln: Die Mischung aus Schwung- und Streckübungen, der Wechsel zwischen An- und Entspannung komme gut an in der Gruppe, berichtet Leschke.

Marga Laue findet das zuweilen anstrengend, „aber es ist gut zu schaffen“. Sie ist montags, mittwochs und donnerstags in Sachen Nordic Walking unterwegs. Das soll auch so bleiben, wenngleich sie jetzt lieber zum Heigln geht. „Das macht mir fast noch mehr Spaß, weil der ganze Körper beansprucht wird. Das tut mir sehr gut.“

Für eine der Frauen sind die Übungen von gestern eine völig neue Erfahrung: für die Niederländerin Johanna Storm, die zurzeit ihre Schwester in Fahrenhorst besucht. „Ich fühle mich hier sehr willkommen, die Leute sind freundlich und nett“, sagt sie. Vielleicht schafft es der Sport doch noch ins Nachbarland.

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