Ausstellung „In Water“ in der Künstlerstätte Heiligenrode

„Die Kunst ist leiser, dafür eindringlicher“

Dörthe Siemers-Wulff (l.) und Anke Nesemann stellen gemeinsam in Heiligenrode aus. - Foto: Kratz

Heiligenrode - „Nicht nur Stipendiaten sind hier tätig, sondern auch Künstler aus der Gemeinde Stuhr“, betonte die stellvertetende Bürgermeisterin Doris Karin Hofmann die Lebendigkeit in der Heiligenroder Künstlerstätte. Dafür sorgen momentan Anke Nesemann und Dörthe Siemers-Wulff mit ihrer Ausstellung „In Water“. Thematisch passt das Thema zur aktuellen Wetterlage mit einem ziemlich verregneten Sommer. Umweltprobleme und die Verantwortung des Menschen für das Lebenselixier spielen auch mit hinein.

Ein Gedicht vom Ankommen am Meer von Erich Fried zitierte Kunsthistorikerin Carla Habel. Sie informierte die erfreulich vielen Gäste anschaulich und verständlich und nahm sie mit zu den einzelnen Stationen der kreativen Auseinandersetzung mit dem Element Wasser. „Das Meer ist Kraft, ist Schwärze, ist undurchdringliche Tiefe mit unerforschtem Leben, ist azurblaue Weite, ist bunte Fischschwärme, ist Leben pur“, sagte Carla Habel. Zum Meer gehöre aber auch tonnenweise angespülter Plastikmüll.

Mensch und Natur sind ein umfassendes Thema bei Anke Nesemann. In ihrer Familie reichen die künstlerischen Wurzeln bis zur Urgroßmutter, dieser Weg war vorgezeichnet. An das Studium an der Bremer Hochschule schloss sich eine Bildhauerausbildung an. Heute arbeitet sie vielseitig als Malerin, Zeichnerin und Bildhauerin. „Der Mensch, der nicht wider die Natur lebt, sondern sich auf sie einlässt und mit ihr lebt“ – dies gehe aus den Arbeiten Nesemanns hervor, so Carla Habel. Da sieht der Betrachter Frauenköpfe mit Fischen und Muscheln im Haar, die auf dem Meeresgrund ruhen und eine wunderbare Harmonie mit den dortigen Bewohnern eingegangen sind. Wasserwelten laden ein zum ganz genauen Hinschauen. Vertreten sind breitmäulige Meeresbewohner ebenso wie Menschen, die das nasse Element oft mit einem kühnen Sprung erobern.

Dörthe Siemers-Wulff hat ein Studium der Bildhauerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel absolviert. Sie verbindet mit Anke Nesemann seit vielen Jahren eine konstruktive künstlerische Freundschaft mit entsprechenden Ausstellungen in der Region.

In ihren Arbeiten hält sie sich mit ihren sehr politischen Botschaft nicht zurück. „Wasser als Privateigentum“ etwa stellt Dörthe Siemers-Wulff dem „Wasser als Menschenrecht“ aussagekräftig gegenüber. Die Abschaffung von Plastiktüten beim täglichen Einkauf ist eine weitere von vielen Forderungen in ihren Installationen und Malereien. Den Klimawandel beschreibt ein schmilzender Eisberg, und im Eimer darunter sammelt sich das blaue Wasser.

„Die Kunst hat die Eigenschaft, auf anderen Ebenen wirken zu können, sie ist leiser, dafür eindringlicher“, sagte Carla Habel.

Anke Nesemann und Dörthe Siemes-Wulff nutzen Leinwand, Pinsel, Farben, Stein und Holz, um darauf ihre wachen künstlerischen Gedanken zu den höchst brisanten Themen der heutigen Zeit umzusetzen.

Bis zum 28. August ist die Ausstellung jeweils sonnabends zwischen 15 und 18 Uhr und sonntags zwischen 11 und 18 Uhr in der Künstlerstätte Heiligenrode an der Wassermühle geöffnet. 

ak

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